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Pressemeldung von Occupy Wall Street New York vom 05.12.2011

06.12.2011 00:56

Dienstag, der 6. Dezember: Besetzen wir unsere Häuser

© Foto: sean dreilinger CC: by-nc-sa via flickr 

Während die undankbaren Banken weiterhin die Eigenheime amerikanischer Familien zwangsvollstrecken, nimmt Occupy Wall Street den Kampf an der ‘Eigenheim-Front’ auf.

Interviews mit Betroffenen aus ganz Amerika, die gegen eine Zwangsvollstreckung kämpfen, sind auf Anfrage erhältlich. (Kontakt über occupywallst.org)

Der Kampf, die Demokratie von den Banken zurück zu fordern, wächst von der Wall Street bis zur Main Street.

Morgen, am Dienstag, dem 6. Dezember, wird sich Occupy Wall Street mit einer Gemeinschaft in Brooklyn, NY solidarisch zusammentun und ein zwangsvollstrecktes Haus zu befreien.

Diese Aktion ist Teil eines staatenweiten Anstoßes, das Betätigungsfeld der Occupy-Bewegung zu erweitern: Die Befreiung leerstehenden Häuser in Bankenbesitz für jene, die in Not sind, und die Verteidigung jener Familien, die von Zwangsvollstreckung und Räumung bedroht sind. Am Dienstag wird es solche Aktionen in über 20 Städten im ganzen Land geben.

Für die Aktion in Brooklyn werden wir uns am Dienstag um 13:00 Uhr zusammen finden. Wir treffen uns in Pennsylvania und Livonia in Ost New York, Brooklyn (3’er Zug nach Pennsylvania oder L Zug nach Livonia) um 13:00 Uhr, um durch eine Nachbarsgemeinschaft an der Frontlinie der ökonomischen Krise zu marschieren.

Unterwegs werden wir für den gerade entstehenden Occupy Immobilien-Verzeichnis Dienst zwangsvollstreckte Grundstücke erfassen, damit Familien die zwangsvollstreckten Eigenheime in ihrer angestammten Nachbarschaft zurückfordern können – und um sich mit Verbündeten in ihren Gemeinden zusammen zu tun und das Menschenrecht auf Unterkunft zu verteidigen. Der Marsch wird mit einer kiezweiten Hauseinweihungsparty für die Familie und ihre Nachbarn zu Ende gehen. Unterstützer werden mit der Instandsetzung des verlassenen Heimes beginnen.

Für die Banken muß der Staat eintreten, unsere Familien werden aber überall in Amerika raus getreten.

Während der Rezession an der Wall Street haben Millionen Amerikaner ihre Eigenheime verloren und einer von vier Hausbesitzern kann seine Hypotheken aktuell nicht mehr bedienen. Die 99% tragen die Hauptlast einer Krise, welche von der Wall Street und den großen Banken verursacht wurde.

Deshalb haben Amerikaner landesweit angefangen, sich gegen die Banken zu wehren, die versuchen, sie aus ihren Häusern zu vertreiben. Die Zwangsvollstreckungs-Tour und die Wiederbesetzung der Eigenheime ist Teil eines großen nationalen Aktionstages am 6. Dezember, bei dem es um die Immobilienkrise, die betrügerische Kreditvergabe, die korrupte Verbriefung und die illegale Räumung durch die Banken geht. Diese Aktionen der Occupy-Bewegung, zu denen die Verhinderung der Räumung zwangsvollstreckter Immobilien und die Rückforderung leerstehender Häuser aus Bankenbesitz gehören, werden in mehr als 20 Städten im ganzen Land stattfinden.

Die Wall Street und die Großbanken machen Rekord-Gewinne, während die meisten Amerikaner darum kämpfen, in ihren Häusern zubleiben. Die Banken brechen das Gesetz ohne dafür bestraft zu werden, aber Millionen von uns werden mit Zwangsräumungen bedacht. Die Banken verdienen Milliarden und bekommen Rettungsgelder, während für uns nur Arbeitslosigkeit und Rekord-Schulden übrig bleiben.

Schluß damit! Unser System hat der Wall Street, den großen Banken und den 1% gedient.

Wir sind die 99%. Wir nehmen uns die Demokratie zurück. Und wir nehmen unsere Häuser zurück.

occupyourhomes.org


Übersetzung: BrunO


Aus zeitlichen und anderen Gründen kann ich nicht jede Pressemeldung der New Yorker Occupy-Leute übersetzen. Ich wähle jene aus, die für mich Sinn machen und finde es strategisch äußerst klug, sich dem Thema Immobilienkrise und Zwangsvollstreckungen anzunehmen. <Ironie>Liegt es doch nahe, für den Winter und nachdem man ein Zeltlager nach dem anderen geräumt bekommt, leerstehende Häuser zu besetzen.</Ironie> Allerdings bezweifle ich, ob es zu mehr als symbolischen Besetzungen kommen wird, so sehr das Thema den Amerikanern unter den Nägeln brennt. Anders als bei uns, gehört es dort (leider aber nur für die weiße Mittelschicht) zum aller selbst verständlichsten, in einem eigenen “Home” zu wohnen, inklusive aller damit verbundenen Umweltprobleme, wie Flächenverbrauch und massivem, inkompetentem Einsatz von Pestiziden, die Menschen und Abwässer vergifteten, auf daß sich keine einzige Ameise auf den heimischen Rasen oder gar Küchentisch verläuft. – Im kanadischen Toronto werden ebenfalls Hausbesetzungen erwogen. Damit dürften sich die Auseinandersetzungen verschärfen, selbst wenn die Occupy-Bewegung gewaltfrei bleibt. Mahatma Gandhi läßt grüßen…

Die obige Pressemeldung besteht genau besehen eher aus Wiederholung als aus Inhalt und ein Vorspiel zu dieser “Reclaim our Homes” Aktion gab es bereits am Sonntag (04.12.2011), fast in Obamas Garten. Ein erstaunlich professionell gezimmertes Holzhaus wurde in einem Park in Washington, D.C. errichtet, um das Problem der gestohlenen Eigenheime und der oft damit verbundenen Obdachlosigkeit zu symbolisieren. Selbst der Dachstuhl mit Dachlatten stand. Es fehlte nur noch die Dachdeckung. Natürlich hatte keiner vorher eine Baugenehmigung beantragt.

Leider wurde das Haus vor Vollendung angeblich nur wegen der fehlenden Baugenehmigung von der Polizei “geräumt” und mit einem Bulldozer abgerissen. Die Washington Post berichtete darüber.

Nicht berichtet wurde, was ich per Stream zwar nicht sah, weil es tageszeitlich bedingt blödsinnigerweise dunkel war, aber mithörte: Ein paar Leute, die sich auf dem “Dach” verschanzt hatten, wurden mit einer Hebebühne (Cherrypicker) weg gepflückt. Der letzte von ihnen hatte sich am Dachstuhl derart fest gekrallt, daß ihn nicht mal 4 Beamte, die ebenfalls oben waren, weg bekamen. Damit er los läßt, wurde ihm mit einem Schlagstock in den Magen geschlagen. No Comment! – Höchstens dieser. (Hoffentlich können wir das Ganze auch dann noch kontrollieren, wenn die Polizei merkt, daß wir ihre Altersversorgung klauen.)

Wer Glück hat, kann den Aktionstag auf occupystream.com oder auf occupystreams.org (ab 19:Uhr in DE) live mitverfolgen. Dazu muß man ein wenig durch die verschieden Streams zappen.

UPDATE: 07.12.2011

© Foto: bogieharmond CC: by via flickr 

In Brooklyn wurde ein Haus besetzt. In Atlanta waren es zwei und in Oakland wurde erfolgreich gegen eine Zwangsauktion mehrer Häuser demonstriert. Unterstüzung kam dort von Rev. Dr. Joseph Lowery. Das Haus in Brooklyn bekam am Abend Besuch von der Polizei, aus den Bildern des Streams wurde ich leider nicht schlau und Nachrichten dazu habe ich keine gefunden.

Insgesamt kamen erstaunlich viele Menschen in ca. 25 Städten zum Aktionstag. Indem sich die Occupy-Bewegung dem Geschäftgebaren der Banken annimmt, bekommen jene ein wenig Nachhilfeunterricht, die ihr vorwerfen, keine konkreten Forderungen zu stellen. Die Forderung ist ganz klar, die mit Steuergelden geretteten Banken tragen mehr als eine moralische Verantwortung und können nicht einfach Steuerzahler aus ihren Häusern schmeißen und enteignen.

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Erstellt: 06.12.2011 00:56
Geändert: 07.12.2011 18:58
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=56

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