Das Bedingungslose Grundeinkommen soll weg getestet werden
07.01.2010 05:09
Das manager magazin berichtete am 17.12.2009, daß ein Feldversuch zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) geplant wäre. In Stuttgart und in einer noch zu findenden strukturschwächeren Gemeinde in Brandenburg soll jeweils 100 Pröblingen zwei Jahre lange 800 Euro geschenkt werden. Man möchte herausbekommen, was diese Menschen mit ihrer Zeit anstellen, wenn sie nicht mehr genötigt sind, sich um ihre Existenz Sorgen zu machen.
An diesem Versuch ist das Interfakultative Institut für Entrepreneurship in Karlsruhe beteiligt ist, welches von Götz Werner geleitet wird, den man getrost als einen der charismatischesten Verfechter des Bedingungslosen Grundeinkommens bezeichnen kann. Trotzdem sehe ich diesem Feldversuch nicht so euphorisch entgegen, wie dies viele tun.
Was soll mit einem solchen Feldversuch gezeigt werden?
Ein BGE wird es erst dann geben, wenn ein gesellschaftlicher Konsens für selbiges zustande kommt. Hoffen wir, daß unsere Demokratie bis dahin überlebt. Solange immer noch die Vorstellung herrscht, “Wer nicht arbeitet soll nicht essen!” und “Du sollst Dein täglich Brot im Schweiße Deines Angesichtes verdienen!” sieht es für so einen Konsens nicht gut aus. Wie einseitige Interessenausrichtung einer demokratischen Konsensfindung schaden kann, erleben wir bereits. Die Politik stagniert oder retardiert.
Und was ist, wenn durch diese beiden Feldversuche in der Öffentlichkeit der Eindruck entstünde, die Pröblinge hätten überwiegend versagt und viel zu wenig Eigeninitiative entwickelt, etwas sinnvolles mit ihrer Zeit anzustellen?
Sollte das Bedingungslose Grundeinkommen nicht bedingungslos sein?
Ich dachte immer, das BGE wäre ein Ansatz zu mehr Gerechtigkeit. Wenn alles so weiter geht, fallen immer mehr Menschen aus der normalen gesellschaftlichen Existenz heraus. Mit einem BGE würden wieder etwas gerechtere Startchancen für alle geschaffen.
Wir werden als Besitzlose in eine Welt von Besitzenden geboren. Wer Pech hat und von den falschen Eltern gezeugt wurde, muß besitzlos bleiben. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn wir wenigstens im Wald wohnen oder uns irgendwo weit weg eine Hütte bauen und unsere Kartoffeln und Rüben selber ziehen könnten. Nur gehören selbst der tiefste Wald und jedes noch so entfernte Fleckchen Erde irgend jemand.
Wenn es vor der Gesellschaft der Besitzenden kein Entrinnen gibt, wäre ein Bedingungsloses Grundeinkommen recht und billig.
Mit solchen Feldversuchen wird wieder nur die Frage gestellt, ob sich das Bedingungslose Grundeinkommen rechnet und ob die Pröblinge das Geld wert waren, das man an sie verschenkt hat.
Die Rechnung sollte jedoch ganz anders aufgemacht werden. – Was kostet der heutige Zustand?
Der Ausschluß aus der gesellschaftlichen Existenz fängt mit schlechter Bezahlung von Arbeit an und endet mit Arbeitslosigkeit. Wer arbeitslos ist oder schlecht bezahlt wird, bedarf gesellschaftlicher Unterstützung, die derzeit noch gewährt wird. Weil dabei alles nach der Logik vom Schweiß gerecht zugehen soll, wird ein erheblicher Aufwand betrieben, diese Unterstützung zu verwalten. Bereits hier könnte man fragen, ob es nicht billiger und somit effektiver wäre, diese Leistungen einfach zu verschenken.
Der Ausschluß aus dem gesellschaftlichen Leben führt auch zu vermehrten Gesundheitskosten und womöglich landen immer mehr Menschen im Knast, was eine qualitativ schlechte, aber recht teuere Unterbringung und Versorgung darstellt.
Warum werden diese Kosten nicht mit der gleichen Akribie berechnet, mit der man den maximalst möglichsten Profit aus nicht einmal materielle Werte schaffenden geschäftlichen Vorgängen heraus kitzelt? Vielleicht weiß es Jeremy Rifkin.
Natürlich würde sich jeder Mensch erstmal an der Freiheit besaufen, für sein Auskommen nicht mehr arbeiten zu müssen, wenn es plötzlich ein unbefristetes BGE gäbe. Viele wären aber auf Dauer mit einer bescheidenen Existenz nicht zufrieden und würden sich um bezahlte Arbeit bemühen. Da sie dies nicht der blanken Existenz willen tun müßten, könnte Arbeit sogar Spaß machen und würde nicht nur auf Grund der technischen Entwicklung zu einem kostbaren, knappen Gut werden.
Das kann man mit solchen Feldversuchen kaum nachweisen. Es wird nur gezeigt, wie sich Menschen unter den momentanen gesellschaftlichen Bedingungen verhalten, wenn man ihren zwei Jahre lang 800 Euro im Monat schenkt. Mit der Realität eines BGE hat das nichts zu tun.
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Erstellt: 07.01.2010 05:09
Geändert: 07.01.2010 13:02
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Das Bambusfahrrad oder der bessere Kapitalismus
02.01.2010 03:52
In New York gibt es das Bamboo Bike Studio für das ich hier gerne unbezahlte Reklame mache. Findige Biker fanden heraus, daß Bambusrohr mindestens genau so gut für den Rahmen eines Fahrrades geeignet ist, wie die besten Hightech-Werkstoffe. Das Bambusrohr muß nichtmal aus Japan importiert werden, denn es wächst gleich um die Ecke in New Jersey auch recht gut.
Die technischen Details dieses Gefährts möchte ich hier nicht weiter ausführen. Ob diese Idee für die Dritte Welt taugt, wie die Macher meinen, bin ich mir nicht sicher. Es ist eine schräge Kombination aus Low- und Hightech. Ich würde keine Hightech-Bauteile für Lösungen von Problemen in der dritten Welt voraussetzen, solange es dort noch Dörfer gibt, die gemeinsam ein einziges Mobiltelefon besitzen.
Mir sind drei Eigenschaften dieses Fortbewegungsmittels wichtig:
1. Jeder kann sich (unter Anleitung) den Bambusrahmen selber bauen und damit für seinen eigenen Körper maßschneidern. Sowas ist mit anderen Materialien auch möglich, aber sehr teuer.
2. Jeder der dieses Teil nur kurz gesehen hat, möchte selber eines haben. Oder nicht? Das ist mehr wert als alle Apelle sämtlicher NGOs, doch bitte die Umwelt ein wenig zu schonen.
3. Dieses Fahrrad ist ein wunderbares Beispiel um aufzuzeigen, wie ein humanerer Kapitalismus aussehen könnte.
Über die ersten beiden Punkte kann man sich auf der Homepage des Bambus-Bikes informieren, doch was hat dieses komische Fahrrad mit dem Kapitalismus zu tun?
Die von uns gewählten Politiker sind aufgrund der Interessen die sie vertreten nicht in der Lage, irgend eines der anstehenden Probleme zu lösen. Unser System läuft weltweit, aber auch hier bei uns, auf eine Verschärfung der Gegensätze zwischen Arm und reich hinaus. Kommt kein fairen Ausgleich zustande, stehen uns irgendwann gewaltsame Auseinandersetzung bevor. Ich schenke es mir, auf den Vorwurf von Schwarzmalerei zu antworten. Die Zustände spotten schon jetzt jeglicher Beschreibung. Alle 6 Minuten verhungert irgendwo ein Kind und selbst bei uns ist es nicht möglich, daß jedes Schulkind ein Vesper im Ranzen hat.
Das Bambusfahrrad zeigt, was man am Kapitalismus ändern müßte, damit alles etwas humaner wird, ohne daß irgendwann Köpfe rollen müssen. Diese Fahrräder werden nicht gebaut, um damit den maximalst möglichen Profit zu erwirtschaften. Dazu müßten die Teile großindustriell hergestellt werden. Damit entfiele das Selbermachen und das eigene Customizing. Den Protagonisten des Projektes geht es aber darum, genau solche Fahrräder möglich zu machen. Sie werden trotzdem alle anfallenden Rechnungen für die verbauten Materialien bezahlen müssen. Sie werden sicher auch etwas Geld für ihr eigenes Leben verdienen wollen. Vielleicht wollen sie sogar reich werden. Vielleicht werden sie es, wenn es gut läuft.
Die Einstellung der Macher zu ihrem Produkt wäre das Muster für einen humanen Kapitalismus. Unternehmern müßte es wieder darum gehen, möglichst perfekte Produkte herzustellen, anstatt den Profit zu optimieren. Das hieße Porschequalität für alle. Früher lief es im Idealfall so und hieß “Made in Germany”. Das war nicht verkehrt, nur weil heute eine andere Ideologie angesagt ist, die sich gerne als Wissenschaft ausgibt.
Der Sinn eines Produktes scheint heute nur noch darin zu bestehen, Profit möglich zu machen. Der eigentliche Zweck des Produktes ist dem untergeordnet. Der Wunsch des Käufers etwas von Nutzen zu kaufen wird nur minimal, nicht maximal bedient. Man wird erpreßt, dies zu akzeptieren.
Die Erwirtschaftung von Profit wurde weltweit als einziges Ziel der Ökonomie etabliert. Der Widerspruch, daß Ökonomie soviel wie vernünftige Wirtschaften bedeutet, fällt niemand auf, weil jeder an diese neue Weltreligion glaubt. Profitabel gilt als vernünftig. Wenn es den Reichen besser geht, geht es den Armen automatisch auch besser, wird behauptet.
Der Profit nutzt aber nur dem der profitiert, während der praktische Nutzen jeden Benutzer zu Gute kommt. Deshalb sollte in der Ökonomie der praktische Nutzen mehr als der maximal erzielbare Profit bedeuten. Trotzdem hätte ich nichts dagegen, wenn die Erfinder des Bambus-Bikes schweinereich werden, solange sie ihrem Prinzip treu blieben.
Das einzige was gegen einen humanen Kapitalismus spricht, sind die Machtverhältnisse, d.h. die Interessen jeder, die davon profitieren, das alles so ist, wie es gerade ist. Sie sind wie die alten Feudalherren, nur betrachten sie heute den gesamten Globus als ihre private Pfründe.
Für einen humanen Kapitalismus spricht vieles. Die durch das Erwirtschaften von maximalem Gewinn verursachten Schäden sind viel höher als die Profite. An ihnen gemessen lohnt sich Profit gar nicht. Das gilt gleichermaßen für die ruinierte Umwelt, wie für die zerstörten sozialen Sicherungssysteme. Obama kämpft für ein Krankenversichungssystem, damit sich im Amerika endlich jeder einen Arztbesuch leisten kann, während bei uns die FDP die gesetzlichen Krankenkassen am liebsten abschaffen möchte, damit jeder selber zusehen muß, wie er klarkommt.
Ich habe keine Ahnung, ob es möglich ist, den Kapitalismus durch Gesetze mit Spielregeln auszustatten, die fairere Lebenschancen für alle ermöglichen. Ich vergesse aber nie, daß ausgerechnet ein Ackermann nach Spielregeln schrie, als sich die Bankenkrise abzeichnete. Wie es gerade mit der Finanztransaktionssteuer läuft, oder wie COP15 ausgegangen ist, macht nicht viel Mut. Das Beispiel des Bambus-Bikes zeigt aber was möglich ist, wenn sich Unternehmer von sich aus an faire Regeln halten. Es könnte sogar passieren, daß der Markt irgendwann kippt. Irgendwann machen jene Unternehmer die nicht auf die maximale Rendite als Betriebsziel setzen mit ihren qualitativ hochwertigeren Produkten mehr Kohle als jene, die es nur auf den Gewinn abgesehen haben und nur billige Scheiße anbieten können.
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Erstellt: 02.01.2010 03:52
Geändert: 02.01.2010 04:13
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Ein Lob für Anna Loos, mehr aber nicht.
31.12.2009 02:09
Mir ist nicht danach, nur weil gerade ein Jahr zu Ende geht, einen Jahresrückblick zu schreiben. In den letzten Wochen habe ich mich mehr für CSN-Deutschland als für meinen eigenen Blog engagiert. Trotzdem hüte ich eine kleine Liste ungeschriebener Artikel, für die ich bereits Material gesammelt habe und die irgendwann, wenn ich dazu komme, hier erscheinen werden.
Das Schreiben von Jahresrückblicken überlasse ich anderen. Natürlich sehe ich, daß unsere Volksvertreter aufgrund von Interessen nicht in der Lage sind, irgend ein Problem zu lösen und daß sie trotzdem immer wieder gewählt werden. Ich weiß auch, daß alle Probleme rein sachlich lösbar wären. Das sind aber keine Sach- sondern Machtfragen. 20 Jahre sind eben noch zu wenig, für den nächsten Umsturzversuch. Vielleicht schaffen ja die Piraten, was die Grünen nicht geschafft haben. Beispiele, wie sich Macht und Money manifestiert haben, dürften sich für 2009 reichlich finden lassen. Die aufzählen spare ich mir.
Ich blicke öfter zurück, nicht nur zum Jahresende. Mit Hilfe von YouTube ist das manchmal recht angenehm bis wehmütig ergreifend. Ich hoffe, dieses Kulturarchiv fällt nicht engstirnigen Verwertungsinteressen zum Opfer.
Ich bin nicht im Osten aufgewachsen. Als Zaungast und nicht mehr ganz jung lauschte ich aber öfter, was dort drüben für Musik gespielt wurde. Karat, die mir schrecklichen Puhdys und die Renft Combo, waren ja auch bei uns schon immer bekannt. Ich entdeckte DT-64. Zu Beginn der 80’er Jahre war das noch ziemlich Militärfunk. Dieses Programm aus der Nalepastraße entwickelte sich jedoch zu einem erstklassigen Jugendsender, je näher der Kollaps des Ostblocks kam. Irgendwann lief dort bessere Musik als im Westen und wie dieser Sender abgewickelt wurde, ist nicht sehr rühmlich.
Ich kenne also auch all die schönen alten Sachen von Silly. Die Stimme von Tamara Danz, die 1996 starb, klingt mir sehr vertraut. Ich kaufte sogar CDs von denen, weil die im Westen produzieren und veröffentlichen durften. “Die Verlorenen Kinder” wurden vor dem Mauerfall im Westradio rauf und runter gespielt. Als Erstes hörte ich von denen “Raus aus der Spur” und “Unter dem Asphalt”, später “Mont Klamott” und “So ne kleine Frau”. Zu Mont Klamott empfehle ich die schöne Biographie von Stéphane Roussel, Die Hügel von Berlin, Hamburg 1986. Überhaupt ging in jedem Text den Tamara sang eine ganze Welt auf.
Nun ist Tamara schon lange tot und auf einmal steht da so ne andere Frau, total selbstsicher und fast mit der gleichen Stimme, ohne Allüren Tamara im Gehabe nachzuahmen. Sowas funktioniert fast nie! Man kann den meisten Bands nur raten, hört mit dem Scheiß auf, macht Euren verdienten Ruf nicht kaputt! Einen Jim Morrison oder einen Layne Staley kann man nicht ersetzen, hört auf die Fans zu quälen!
Anna Loos ersetzt Tamara Danz nicht, aber sie überzeugt und sie kann die alten Sachen sehr gut bringen. Ausnahmsweise kann man also zu dieser Band sagen, macht weiter und vor allen freuen wir uns über ganz neue Silly-Songs mit Anna. Anna Loos ist ähnlich wie Tamara Danz das Urbild einer typischen Berliner Göre. Das kann man nur sein, nicht spielen.
Daß fast jede bekannte Band weiter machen will, ist mehr als verständlich. Instrumente kann man meistens ersetzen, und warum soll das nicht auch mit einer Stimme funktionieren. Funzt aber leider oft nicht, weil die Stimme einer Band jenseits aller modisch wechselnden Sounds und Stile deren Identität ausmacht.
Die meisten Torso-Bands dürften dem Kommerz geschuldet sein. Das Geschäft muß weiter gehen, obwohl die Musik-Industrie gerade am Sterben ist. Es sind oft gute Musiker und es gäbe genug Talente für neue Helden. Was diesen Bands fehlt ist Mut. Warum nicht einfach einen Schnitt machen und einen ganz neuen Abschnitt der musikalischen Entwicklung beginnen? Die Startbedingungen wären extrem günstig und Fans mit etwas Hirn wüßten das zu würdigen.
Wenn eine Band nur noch von ihrer Vergangenheit lebt ist sie tot. Wer will außerdem heute noch Bands hören, denen schon vor 30 Jahren nichts Neues mehr eingefallen ist?
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Erstellt: 31.12.2009 02:09
Geändert: 31.12.2009 02:31
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Neues zu MCS: Die Erde ist eine Scheibe!
19.10.2009 05:07
Wir wissen heute, daß die Erde keine Scheibe ist. Trotzdem muß man dies scheinbar immer wieder neu beweisen. Thomas S. Kuhn ein amerikanischer Wissenschaftstheoretiker hat gezeigt, daß die Wissenschaft keinen geraden Weg vom Aberglauben zum überprüfbaren Wissen geht. Es bilden sich herrschende Lehren. Deren Paradigmen beanspruchen selbst dann noch ihre Gültigkeit, wenn neue Paradigmen die Wirklichkeit längst besser erklären. Damit es zum Fortschritt kommt, muß eine wissenschaftliche Revolution stattfinden. Diese Revolutionen sind nicht gesitteter als die politischen. Auch Wissenschaftler haben Interessen und Eitelkeiten, sind zu Lügen und Intrigen imstande.
Thomas Kuhn fiel mir wieder ein, als Night Jumper den neusten Canary Report weiter twitterte. Darin las ich einen schönen Satz:
There is a long history of false psychogenic claims in medicine, where such diseases as asthma, autism, Parkinson’s disease, ulcers, multiple sclerosis, lupus, interstitial cystitis, migraine and ulcerative colitis have been claimed to be generated by a psychological mechanism.
Diese Feststellung von Professor Pall, Emeritus für Biochemie und Medizinische Grundlagenforschung an der Washington State University lautet auf Deutsch:
Falschbehauptungen über psychische Ursachen haben in der Medizin eine lange Geschichte. Es wurde behauptet, die Entstehung von Erkrankungen wie Asthma, Autismus, Parkinson, Magengeschwüre, Multiples Sklerose, Lupus, chronische Blasenentzündung, Migräne und chronische Darmentzündung wären auf psychische Mechanismen zurück zu führen.
Diese Krankheiten kann man inzwischen zum Nutzen der Patienten besser erklären. Beispielhaft erwähnt Professor Pall, daß im Jahre 2005 Robin Warren und Barry Marshall den Nobel-Preis für den Nachweis bekamen, daß Magengeschwüre auf bakterielle Infektionen und nicht auf psychische Ursachen zurückzuführen sind.
Der Canary Report berichtet noch mehr ermutigendes. Er gewährt vorab Einblick in ein von Prof. Pall verfaßtes Kapitel einer Referenz-Publikation für Toxikologie.
Der Inhalt kann an anderer Stelle kompetenter als von mir erläutert werden. Ich fasse grob zusammen:
Multiple Chemikalien Sensibilität ist weiter verbreitet als Diabetes. Das belegen epidemologische Studien aus den Vereinigten Staaten, aus Kanada, Deutschland, Schweden und Dänemark. MCS ist auf Exposition durch insgesamt sieben Chemikalien-Klassen zurückzuführen. U.a. Pestizide und organische Lösungsmittel. Dies wurde, wie es so schön heißt, am Tiermodell bewiesen. Die biochemischen Vorgänge sind erforscht. Man kann sowohl die Entstehung von MCS als auch die Reaktionen MCS-Kranker auf biochemischer Ebene beschreiben. Wer sich damit auseinander setzen will, muß sich mit NMDA-Rezeptoren und mit dem NO/ONOO-Kreislauf befassen.
Zu finden in:
General and Applied Toxicology, 3rd Edition
Bryan Ballantyne (Editor), Dr Timothy C. Marrs (Editor), Tore Syversen (Editor)
ISBN: 978-0-470-72327-2
Hardcover
3944 pages
October 2009
Eigentlich hab ich nun alles gesagt. Wer anderer Meinung ist, kann sich an die Arbeit machen, die Ergebnisse von Prof. Pall zu widerlegen. Da nun aber schon wieder eine Erkrankte gestorben ist, kann ich mir die folgenden Anmerkungen nicht verkneifen.
Eigentlich sollte es völlig egal sein, wie eine Krankheit zu erklären ist. Ein Kranker erwartet, daß man ihm so gut es geht hilft, selbst wenn man nicht genau weiß, was ihm fehlt.
Wer am lautesten schreit, muß nicht am kränksten sein, dennoch sollte man Patienten ernst nehmen. Außerdem spricht der Körper mit seinen Symptomen eine Sprache die Mediziner verstehen. Man sieht was dem Patient bekommt oder schadet. Selbst wenn die körperlichen Reaktionen psychosomatisch bedingt wären, was bei MCS nicht der Fall ist, darf man diese Reaktionen nicht vorsätzlich hervorrufen.
Wenn keine schulmedizinische Medikation möglich ist, hat sie zu unterbleiben! Im Falle von MCS hilft nur striktes Vermeiden von Stoffen die Reaktionen auslösen, Entgiftung, z.B. mittels Sauna und gesunde Lebensweise. Dabei bleibt mit Diagnose (PDF-Link), Untersuchungen, Rat und Tat immer noch genug Arbeit für den Arzt. Sie können solchen Patienten am besten helfen, indem Sie sich unvoreingenommen aus allen Quellen über Umwelterkrankungen informieren und den Mist vom Ökochonder nicht glauben.
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Toxikologie
Erstellt: 19.10.2009 05:07
Geändert: 21.10.2009 18:08
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Alles über den Klimawandel
15.10.2009 00:00
Zum Blog Action Day ’09 Climate Change
Mich interessiert überhaupt nicht, ob CO2 oder Methan-Pupse für den Klimawandel verantwortlich sind. Es ist zu vermuten, daß sich das rücksichtslose Werkeln des Menschen auf das Klima auswirkt. Wir sind bald sieben Milliarden und da wäre es doch gelacht, wenn wir diesen Planeten nicht kaputt kriegen würden.
Selbst wenn uns kein Klimawandel bevor stünde oder wenn sich dessen Auswirkungen nicht als schädlich herausstellen sollten, wären Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften angebracht, falls uns etwas an unserem Wohlergehen liegt. Die materiellen Lebensbedingungen mögen sich für uns verbessert haben, da wir zufällig in der Ersten Welt leben. Die gesundheitlichen Lebensbedingungen haben sich mit dem Prozeß der Industrialisierung und der Verbreitung petrochemischer Produkte verschlechtert. Darüber kann man sich genauso wie über CO2 streiten. Es sieht so aus, als ob die Menschen Dank des medizinischen Fortschrittes immer gesünder leben müßten oder zumindest die Chance dazu hätten. Daß dies nicht alle schaffen und einer Zivilisationskrankheit zum Opfer fallen ist bekannt und wird von niemand geleugnet.
Strittiger ist, daß es immer mehr Menschen gibt, die das was der sogenannte normale Mensch an Umweltbelastungen aushält nicht vertragen. Während man in Studien das Aussterben von Insekten und anderer Tiere als Indikator für die bedrohte Natur statistisch erfaßt, stellt man die umweltbedingte Erkrankung von Menschen in Frage. Wenn Menschen auf Spuren allgegenwärtiger Chemikalien mit komplexen Erkrankungen reagieren, erklärt man dies als psychisch bedingte Überempfindlichkeit. Daß diese in der Tat empfindlicheren Menschen ein Indikator für sich verschlechternde Lebensbedingungen sein könnten, läßt man nicht zu.
In den USA schätzt man die Zahl solcher störender Überempfindlicher auf 48 Millionen. Das wären etwa 16% der Bevölkerung. In einer seit 1998 jährlich stattfindenden Kampagne riefen Bürgermeister und Gouverneure den Monat Mai 2009 zum Monat des Bewußtseins für MCS und Gift in Alltagsprodukten aus. Selbst wenn es bei uns aus welchen Gründen auch immer nur halb so viele zu empfindliche Menschen gäbe, wären das über 6 Millionen Umweltkranke in Deutschland.
Falls jemandem diese Zahl zu spekulativ erscheint, so ist in Deutschland nach dem vom Statistischen Bundesamt im Jahr 2000 veröffentlichten Spezialbericht Allergien von 12 bis 20 Millionen Allergikern auszugehen. Sensibilisiert aber nicht zwangsläufig erkrankt sollen rund ein Drittel aller Bundesbürger sein. Das wären ungefähr 28 Millionen. Allergiker reagieren wenn Sie Glück haben mit überschaubaren Reaktionen auf nur einen allergenen Stoff. Das sind längst nicht mehr nur Naturstoffe, wie dies der obige Spezialbericht weiß machen will, sondern auch Chemikalien im Haushalt, am Arbeitsplatz und in der Umwelt.
Warum tut man sich mit der Diagnose von Allergien leichter als mit Umwelterkrankungen wie MCS? Hat es damit zu tun, daß Allergien von den meisten Erkrankten als individuelle körperliche Unzulänglichkeit akzeptiert werden? Eine Umwelterkrankung enthält den Vorwurf ungesunder Lebensbedingungen.
Was ist nun Multiple Chemikalien Sensibilität (MCS)? Die daran Erkrankten reagieren nicht auf bestimmte einzelne Allergene sondern auf eine Vielzahl von Noxen. Sie reagieren auf Giftstoffe in nicht als schädlich geltenden Konzentrationen. Viele dieser Stoffe werden im Alltag mit funktionalen Namen und nicht als Gifte bezeichnet. Z.B. Lösungsmittel, Desinfektionsmittel, Reinigungsmittel, Farben, Kleber und Duftstoffe. Umweltschadstoffe wie Autoabgase und andere Verbrennungsprodukte machen MCS-Kranken ebenfalls zu schaffen. Anders als Allergiker entwickeln sie nicht einzelne Symptome sondern erkranken systemisch. Der ganze Körper ist betroffen. Olfaktorische (riechbare) Stoffe lösen anfallartige bis bedrohliche Zustände aus, sogar wenn der Geruchssinn nicht beteiligt ist. Manche MCS-Kranke können sich nicht einmal in ihre Wohnung zurück ziehen, weil sie dort auf Sporen von Schimmelpilzen, auf ausgasende Stoffe der Bausubstanz oder auf Giftstoffe aus Möbeln und Textilien reagieren. Das treibt immer wieder Menschen in den Selbstmord. MCS kann über eine akute oder schleichende Vergiftung durch Noxen erworben werden. Nach amerikanischen Studien können gut 40% der Betroffenen die Auslöser ihres Leidens konkret benennen. Ein signifikanter Anteil von ihnen gab Lösungsmittel oder Pestizide an.
Entgegen mancher Behauptungen ist diese Erkrankung nicht unerforscht. Auf der Ebene von biochemischen Vorgängen ist vieles erklärbar. Wo ist denn der berühmte Krebs-Erreger? Wer außer Demagogen zweifelt an Krebs und wieviele Krankheiten sind wirklich bis in’s letzte erklärbar? Darf man objektiv vorhandene organische Erkrankungen uminterpretieren und die Kranken mit Psychopharmaka weiter vergiften? CSN-Deutschland bietet eine Hilfe zur Diagnose (PDF-Link) oder ausführliche Literaturnachweise an.
Ein Streitpunkt und wie in einem früheren Posting geschildert Gegenstand eines Edit-Wars auf Wikipedia ist die Klassifikation von MCS und damit deren fachliche und juristische Anerkennung als organische Erkrankung in Deutschland. Diese kann mit einem Schreiben des Deutschen Institutes für Medizinische Dokumentation und Information an CSN-Deutschland (PDF-Link) am einfachsten belegt werden. Wer daran zweifelt, muß selber beim DIMDI nachfragen. Das DIMDI ist dem Bundesministerium für Gesundheit nachgeordnet. Deutschland ist Mitglied in der WHO. Die WHO erstellt einen Schlüssel zur Klassifikation von Krankheiten. Aktuell ist dies der ICD-10. Dieser Schlüssel wird von Deutschland und anderen als Grundlage für die Abrechnung ärztlicher Leistungen bei den Kassen übernommen. Das DIMDI ordnet im Sinne der WHO Chemical-Sensitivity [MCS]-Syndrom, Multiple- unter dem Schlüssel T78.4 ein. Bei einer Einordnung als psychische Erkrankung müßte der Schlüssel mit “F” und nicht mit “T” beginnen. Die Systematik des Schlüssels sollte jedem der Diagnosen stellt bekannt sein. Wer die korrekte Verschlüsselung von MCS schwarz auf weiß sehen möchte, muß sich vom DIMDI das Alphabet aller verschlüsselbarer Krankheiten herunter laden.
Ich lasse mir gerne Parteilichkeit für das Chemical Sensitivity Network Deutschland unterstellen. Ich glaube auch nicht, daß ich mit meinen Belegen eingefleischte Frontkämpfer der Chemielobby bekehren kann. Vielleicht findet sich aber der eine oder andere Arzt, der sich nicht gerne gegen die Interessen von Patienten einspannen läßt und bereit ist, sich über MCS aus allen Quellen zu informieren. Darüberhinaus möchte ich CSN-Deutschland, inbesondere den Blog, als Informationsquelle, als Hilfe zur Selbsthilfe und als Elixier zum Mutmachen empfehlen. Man muß nicht selbst erkrankt sein. Gefährdet sind wir alle.
Ich beobachte bei mir selber seit Jahren, daß ich mich unter direkter Sonnenbestrahlung immer unwohler fühle. Als Andenken an eine ausgestandene Styrol-Allergie werden meine Finger wurstig und meine Hände laufen rot an. Es bleibt bei dieser Irritation. Ich mache mir keine Sorgen. Daß ich mich aber wie Tofu in der Mikrowelle fühle, gibt mir zu denken. Baue ich ab? Werde ich einfach nur alt? Oder hat dies etwas mit dem Ozonloch und mit FCKWs zu tun?
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Erstellt: 15.10.2009 00:00
Geändert: 25.01.2010 21:54
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