Können Hebammen die Weltrevolution auslösen?
23.05.2010 20:34
Es mag sein, daß viele nach den Erfahrung mit der Petition gegen Zensursulas Stoppschilder enttäuscht sind. Politiker lassen sich auch durch 120.000 Unterzeichner nicht besonders beeindrucken und die technische Infrastruktur zur Kriminalisierung von Seitenaufrufern ist installiert. Der technische Unterschied zwischen Löschen und Sperren scheint von jenen, die das Web nicht ganz zu Unrecht als Bedrohung ihrer Hoheit empfinden, immer noch nicht gelernt zu sein. Was jeder Privatperson recht einfach möglich ist, einen Provider in einem anderen Land auf einen illegalen Inhalt aufmerksam zu machen, können Behörden offenbar nicht. Es scheint eher darum zu gehen, das “neue” Medium, unter Kontrolle zu bringen und zu reglementieren.
Trotzdem möchte ich zu einer Petition, die gerade auf die 100.000 Unterschriften zugeht und Zensursula vielleicht sogar toppen wird, meine Enttäuschung anmerken.
Zuerst muß ich dem Deutschen Hebammen Verband e.V. zu dieser Petition und zum Mobilisierungserfolg gratulieren. Wenn ich jedoch nach Blogs google, welche diese Petition unterstützen, finde ich unter den ersten 100 nur wenige private. Das war bei Zensursula anders.
Warum eigentlich? Liegt es nur an der anfangs beschriebenen Enttäuschung, daß Bundestagspetitionen eh nix bringen oder ist das Thema marginal? Ist es egal, wenn Frauen, die ihre Kinder zu Hause zur Welt bringen wollen und könnten, zukünftig diese Wahl nicht mehr haben?
Was wäre los, wenn eine Petition zu Netzneutralität, Softwarepatenten oder zu Filesharing genau so viele Unterzeichner gefunden hätte? Den Hebammen geht es leider nur darum, daß sie ihren Berufsstand durch steigende Haftpflichtprämien gefährdet sehen.
Obwohl ich mich selber zum linken Lager rechne, kann ich mich für diese Blindheit nur schämen. Ich vermute, daß ein Großteil des Engagements gegen Zensursula durch Angst und nicht durch Vernunft begründet war und solange keiner der Leithammel das Signal gibt, bewegen sich die Lemminge in keine Richtung.
Seit einiger Zeit engagiere ich mich für die Rechte von denen, deren Immunsystem durch die Belastungen der Petrochemie überfordert ist. Auch das interessiert nur wenige, weil die Gurus pennen.
Wenn man abstrakt über Umweltprobleme und Menschenrechte redet, stimmt jeder zu. Sobald es darum geht, wie das Menschen konkret betrifft, wird es zum individuellen unpolitischen Problem. Dann glaubt man sogar an den erfolgreich in die Medienwelt gesetzten Ökochonder und macht sich über die Betroffenen lustig oder beschimpft mich als Esotheriker.
Wo sind die Linken, die dem System auf allen Gebieten mißtrauen und sich lieber selber kundig machen? Jene die sich für “in eine emanzipative Richtung politisch engagiert” deuchen, werden genauso von Trends und Hypes gesteuert, wie der “unpolitischere” Teil der Gesellschaft.
Ich mache mich gerne lächerlich, indem ich behaupte, daß petrochemische Umweltschadstoffe bei der Entstehung von Diabetes 2 und Krebs eine größere Rolle spielen, als man offiziell zu gibt. Jeder Linke wird zustimmen, daß die Lebensbedingungen immer ungesünder geworden sind. Aber warum sollte man sich für Krebskranke oder Diabetiker engagieren?
Sogenannte Fachleute werden mit der Autorität ihres systemkonformen Wissens weiterhin erzählen, daß Diabetes 2 durch Übergewicht und mangelnde Bewegung hervorgerufen wird. Wie kommt es aber, daß Diabetes 2 bei Vietnam-Veteranen vom United States Department of Veteran Affairs als Spätfolge der Belastung durch das dioxinhaltige im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaubungsmittel Agent Orange anerkannt wird und zu kostenloser medizinischer Versorgung und zum Bezug von Ausgleichszahlungen berechtigt. Vielleicht klingelt es bei einigen, wenn man erwähnt, daß Dioxine und viele andere langlebige Umweltschadstoffe fettlöslich sind, im Körper akkumulieren und dort weiter wirken, indem sie das Hormonsystem oder den Stoffwechsel stören. Um den Einfluß der Umwelt zu erfassen, werden bereits Methoden erprobt.
Krebs ist aktuell als Politikum sichtbar. Am 06.05.2010 erschien der sogenannte Cancer Panel Report (PDF/7.3 MB) für 2008 bis 2009. Obwohl in der Vergangenheit darin eher konservative Haltungen vertreten wurden, mahnt dieser Bericht, Umweltfaktoren einen größere Bedeutung zuzumessen. Das hat die Diskussion belebt und bietet die Chance, den sogenannten Stand der Wissenschaft upzudaten. Es gibt Hinweise auf krebserzeugende Eigenschaften vieler Stoffe. Bei Asbest steht dies außer Frage. Aufgrund der langen Latenzzeiten von Krebserkrankungen wird man aber selten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer Belastung und einer Erkrankung herstellen können. Trotzdem wäre es vernünftiger, sich am Vorsorgeprinzip (PDF/1.1 MB) und nicht am Sorglosprinzip zu orientieren. Darum wird gerade gestritten.
In allen solchen Themen steckt die Machtfrage, die gerne hinter Sachzwängen versteckt wird. Ob die Petition der Hebammen etwas revolutionäres erreichen wird, ist noch nicht sicher, das Anliegen sollte man aber unterstützen. Es geht auch hier um einseitige Interessen, um Kommerz und Profit. An einer Krankenhausgeburt läßt sich mehr als an einer Hausgeburt verdienen und geboren wird immer.
Erst wenn wir uns überall einmischen, werden wir unbequem und können etwas erreichen. Solange wir uns nur auf ein paar voraussagbare Themen beschränken sind wir harmlos. Die Möglichkeiten die wir haben, uns zu informieren und den Herrschenden beim Herrschen auf die Finger zu schauen, sind durch das Internet unabsehbar geworden. Themen müssen diskutiert werden, jene die einzig ihre Interessen durchsetzen wollen, sollen sich beobachtet fühlen und sollen Fragen beantworten müssen. Demokratie muß wörtlich genommen werden.
Die Petition der Hebammen ist eine sehr politische Angelegenheit. Jeder möge sie wenigstens unterzeichnen und das Thema in seinen Bekanntenkreis tragen. Dann sehen wir weiter.
Meta: Ökochonder,
Agent Orange,
Bundestagspetition,
Cancer Panel Report,
Demokratie,
Diabetes,
Filesharing,
Hebammen,
Hoheit,
Krebs,
Machtfrage,
Menschenrechte,
Netzneutralität,
Sachfrage,
Softwarepatente,
Umwelt,
Vorsorgeprinzip,
Zensursula
Erstellt: 23.05.2010 20:34
Geändert: 24.05.2010 02:00
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=36
Ich hatte so eine Idee
18.04.2010 21:36
Manchmal schreibe ich eben nichts, darum gibt es nun das Neuste von meinem Fensterbrett in der Küche. Ob ich hier öfter Fotos einstellen werde, weiß ich noch nicht. Für Fotos gibt es nach wie vor die Galerien auf UFOCOMES und vielleicht fliegt dieses große Bild wieder raus, falls ich doch noch ein mehrspaltiges Layout mit dem üblichen Schnickschnack einrichten sollte.

Neues von meinem Küchenfensterbrett
Meta: Avocadokern,
Fensterbank,
Foto,
Küche,
Wasser
Erstellt: 18.04.2010 21:36
Geändert: 18.04.2010 21:36
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=35
Wer bezahlt eigentlich die Arbeit?
28.02.2010 20:35
Wie so oft läßt man sich lieber auf eine blödsinnige Debatte ein und wird verarscht. Statt die wirklichen Probleme zu diskutieren, trägt man eine Faulheitsdebatte aus. Das Thema und die verwendeten Begriffe werden brav wie Bello apportiert und man beweist sich als nicht faul. Einer hat sogar Herrn W. wegen Beleidigung angezeigt. Schade finde ich nur, daß er auf seinen Arbeitswillen pocht. Dies entwertet seine ehrenamtliche Tätigkeit als nicht wirkliche Arbeit. Stattdessen gälte es zu fordern, genau diese als Arbeit anzuerkennen und anständig zu bezahlen. Das wäre die Antwort auf alle Hetzer.
Über lange Zeit hing das Einkommen der meisten Menschen von ihrer geleisteten Arbeit ab. Wer durch redliches Mühen ein Feld bestellte konnte mehr ernten, als von selber gewachsen wäre. Wer Rohstoffe einkaufte und durch seiner Hände Arbeit aus diesen etwas für andere brauchbares herstellte, konnte das Produkt aus den Materialien zu einem höheren Preis verkaufen. Dieses einfache Prinzip der Wertschöpfung sah in der Wirklichkeit meistens etwas komplizierter aus und nicht immer ging es gerecht zu, aber es hatte einigermaßen Bestand.
Heute löst sich dieser plausible Zusammenhang zwischen Arbeit und Einkommen auf. Es gibt Menschen die nicht arbeiten und Einkommen beziehen und Menschen arbeiten ohne angemessen bezahlt zu werden. Obwohl jeder sieht, wie sich dieser Zusammenhang immer mehr auflöst, tut man so, als ob er weiter bestehen würde.
Obwohl manche sehr hohe Einkünfte haben, ohne dafür arbeiten zu müssen, pocht man auf das alte Leistungsprinzip, nachdem niemand etwas unverdient bekommen solle. Zur Wahrung des Anscheins, daß dieses Prinzip noch immer gelten würde, gibt man hohe Summen aus. Man kauft bei entsprechenden Anbietern Arbeitsmöglichkeiten für Arbeitslose ein, damit diese ihr Almosen nicht unverdient beziehen. Sie müssen arbeiten, basta! Die Absahner schont man.
Daß dies teurer ist, als die Almosenempfänger dem Müßiggang oder einer selbst gefundenen sinnvolleren Beschäftigung anheim fallen zu lassen, scheint noch niemand aufgefallen zu sein. Daß diese Arbeitsgelegenheiten genau das tun, was sie dem Gesetz nach nicht tun dürfen, nämlich reguläre Arbeitsplätze zu verdrängen, wissen zumindest jene, die das Glück hatten, in einer Maßnahmen mit einer akzeptablen Tätigkeit zu landen.
Tut Nichtarbeiten weh oder muß Arbeit weh tun?
Unser Arbeitsbegriff ist immer noch von der historischen Erwerbsarbeit geprägt. Arbeit war einst mit körperlicher Anstrengung verbunden. Man bekam wirklich nichts geschenkt. Heute gibt es immer weniger körperlich anstrengende Arbeit und zur Wertschöpfung werden immer weniger Menschen gebraucht, weil Knowhow und Maschinen dies übernehmen. Trotzdem sind unsere Vorstellungen von Arbeit immer noch von Anstrengung geprägt und weil solche Arbeit nicht immer angenehm war, auch von Selbstverleugnung. Dafür wurde man bezahlt. Auf der anderen Seite sind Tätigkeiten die noch nie mit einem Einkommen verbunden waren immer noch nicht als Arbeit anerkannt, egal wie nützlich sie für die Gesellschaft sind. Sie machen zwar Arbeit, man kann sich aber nichts dafür kaufen.
Dieser überkommene Arbeitsbegriff hat zwar für die Produktion ausgedient, eignet sich jedoch immer noch recht gut zur Disziplinierung und dürfte so gesehen immer noch sein Geld wert sein. Arbeit war mal der Weg in’s Leben, als die Menschen noch für sich selber arbeiteten und in beschaulichen Verhältnissen lebten. Mit zunehmender Industrialisierung dürfte das immer weniger gestimmt haben.
Dieser Arbeitsbegriff suggeriert einen Zusammenhang zwischen Anstrengung und Erfolg. Obwohl es nicht mehr möglich ist, alle Menschen in einem sozial-versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis “unterzubringen”, wird der Eindruck erweckt, dies läge nur an der schlechten Vermittlung der Arbeitsämter und daran, daß die Arbeitslosen zu wenig suchen würden. Die Arbeitsplätze vermehren sich also, je besser vermittelt und je mehr nach ihnen gesucht wird. Es sieht nur so aus, als ob dadurch der Konkurrenzdruck um zu wenig Arbeitsplätze unter den Arbeitssuchenden erhöht würde. Irreführung haben Illusionen so an sich.
Die Illusion einer möglichen Vollbeschäftigung wird genau seit jener Zeit aufrecht erhalten, als uns diese abhanden kam.
Vollbeschäftigung wäre rein theoretisch möglich. Ich erzähle oft mein Beispiel, das mit Solarenergie funktioniert. Ich führe es nur kurz aus, ausführlicher und unterhaltsamer kann man es hier nachlesen.
Man könnte auf jedes daher gelaufene Hausdach einem Sonnenkollektor oder eine Photogalvanik pappen. Das gäbe viel Arbeit für Installateure. Würde man das dafür benötigte Gelumpe hier bei uns und nicht großindustriell sondern in mittelständischen Betrieben herstellen, entstünden noch mehr Arbeitsplätze. Dies würde aber Eingriffe in den Markt voraussetzen, die aufgrund der Interessen welche unsere Politik vertritt, absolut nicht machbar sind. Selbst wenn man so zu einer Vollbeschäftigung käme, wäre es abzusehen, daß früher oder später die Zahl der Arbeitsplätze wieder sinkt. Wenn man nicht nur aus Profitgründen sondern aus praktischen Gründen rationalisiert und den technischen Fortschritt zuläßt, nimmt die Zahl der benötigten Arbeitskräfte ab.
Mit einem solchen Beschäftigungsprogramm hätten wir uns lediglich ein Stück in die Vergangenheit zurück versetzt. Genau das scheinen jene zu wollen, die an dem alten Begriff von Arbeit festhalten. Deshalb wird das Lohnabstandsgebot aus dem Ärmel gezogen. Wer arbeitet soll mehr haben, Leistung soll sich lohnen. Aber ja doch, bitte!
Nur ist die angedachte Lösung ein wenig menschenverachtend: jene die Arbeiten weiterhin schlecht zu bezahlen und die Almosen für jene die nicht mehr “arbeiten” zu senken. Das Bundesverfassungsgericht hat mit seinem Urteil vom 09.02.2010 die Höhe der Hartz IV Sätze nicht in beanstandet. Gleichzeitig hat es das grundgesetzlich verbriefte Recht aller Menschen auf Menschenwürde auch für Hartz IV Empfänger zugelassen und gefordert, daß die Regelsätze dem gerecht werden müssen.
Würde man die Regelsätze senken, wären die Menschenwürde schnell gefährdet. Doch dann müßte erst wieder jemand klagen und bis die Klage bis zum Bundesverfassungsgericht durch ist, vergeht genug Zeit für jene, die das so wollen.
Einen schönen Gedanken zum Lohnabstand liefert Jens Berger in einen Telepolis-Artikel. Wenn das vielbemühte Marktmodell funktionieren täte, würde sich ein Lohnabstand automatisch einstellen. Wie wir wissen, müssen Hartz IV Empfänger qua Gesetz jede zumutbare Arbeit annehmen und können nicht nein sagen. Dies und nicht vorhandene Regelungen zum Mindestlohn führen dazu, daß Arbeit immer schlechter bezahlt wird. Das hat nichts mit freiem Spiel der Marktkräfte zu tun. Gleichzeitig kann man mittels fehlendem Lohnabstand jene die noch arbeiten gegen jene die nicht mehr arbeiten ausspielen.
Die Verweigerung eines allgemein gültigen Mindestlohnes provoziert die Frage, wer eigentlich die Arbeit bezahlen soll. Wenn die Löhne zum leben nicht reichen, tauchen die noch arbeitenden Menschen beim Arbeitsamt auf und bekommen Aufstockung. Wer bezahlt diese? Die Allgemeinheit bezahlt einen wesentlichen Teil der Arbeit, die eigentlich der Arbeitgeber bezahlen müßte. Ihm obliegt es, diese Arbeit so einzusetzen, daß damit Werte geschaffen werden. Einen Teil davon bekommt der Arbeitende als Lohn. Wenn die Arbeit eines Menschen nicht mehr genug Mehrwert abliefert und wenn immer weniger menschliche Arbeit benötigt wird, hat dies andere Gründe als dessen Faulheit. Von diesem gesellschaftlichen Wandel hört man in den aufgeregten Debatten viel zu wenig.
Für das Verschwinden von produktiver Arbeit dürfte nicht nur der technische Fortschritt verantwortlich sein. Ich vermute, daß die Versuchung zu groß ist, ohne Produktion durch Spekulation, Steuerbetrug und andere krumme Geschäfte zumindest einen Mehrwert an Kaufkraft zu erwirtschaften. Diese Summen fehlen dann im wirtschaftlichen Kreislauf, selbst wenn sich keiner verzockt hat. Doch das liegt außerhalb des Wahrnehmungsbereiches der Betriebswirtschaftslehre.
Polemisch frage ich, auf was die derzeitig Wirtschaftspolitik hinauslaufen soll. Null-Lohn für’s Arbeiten und bei Hartz IV Empfängern alle Einkünfte anrechnen, so daß nur was über die erhaltenen Leistungen geht behalten werden darf? Aus Gründen der Gerechtigkeit und wegen des Lohnabstandsgebotes könnten man alle Arbeitsverhältnisse in Hartz IV Bezug umwandeln. Das wäre für Deutschland ein schöner Standortvorteil. Jeder kriegt also Hartz IV Leistungen und wer fleißig arbeitet, darf behalten was diese übersteigt?
Der Niedriglohnsektor wird ideologisch meist mit “minderwertiger” Arbeit begründet, die nur schlechter bezahlt werden könne. Gibt es also schon wieder minderwertige Menschen die auch irgendwie weniger leben? An dieser Stelle höre ich lieber auf zu polemisieren.
Die Frage nach der Bezahlung von Arbeit beantworte ich wie folgt: Wenn schon kein Bedingungsloses Grundeinkommen in diesem Staat möglich ist, weil man lieber alles bureaukratisch und umständlich oder gar nicht löst, schlage ich vor, daß die Allgemeinheit jede ihr nützliche Arbeit bezahlen sollte und daß die Arbeitgeber gewerbliche Arbeit in vollem Umfang entlohnen. Wenn sie Leute einstellen, tragen sie für diese eine Verantwortung, die sie nicht auf die Allgemeinheit abwälzen dürfen. Das war mal in Deutschland ganz selbstverständlich.
Arbeit anständig zu bezahlen, wäre immerhin eine Möglichkeit, unsere Situation ein wenig zu entspannen und käme nicht nur den Menschen die das Geld ausgeben könnten, sondern der gesamten Wirtschaft zugute. Es würde allen nutzen, wenn der Staat durch ein höheres Steueraufkommen wieder etwas flüssiger wäre.
Besser wäre aber eine Lösung der zugrunde liegenden Probleme. Wenn immer mehr Menschen aus dem Produktionsprozeß fallen, wenn es nicht genug Erwerbsmöglchkeiten für alle gibt, muß eine gerechte Lösung her. Der Kapitalismus muß so etwas leisten und könnte es. Wenn kein friedlicher Interessenausgleich in unserer Gesellschaft möglich ist, steuern wir auf einen unschönen Konflikt zu, der einer Zivilisation unwürdig ist.
Meta: Absahner,
Arbeit,
arbeitslos,
Arbeitsmöglichkeiten,
Aufstockung,
Bedingungsloses Grundeinkommen,
Bundesverfassungsgericht,
Disziplinierung,
Einkommen,
Faulheit,
Grundgesetz,
Hartz IV,
Kaufkraft,
Lohnabstandsgebot,
Marktmodell,
Menschenwürde,
Niedriglohnsektor,
Produktion
Erstellt: 28.02.2010 20:35
Geändert: 01.03.2010 01:26
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=34
Das Bedingungslose Grundeinkommen soll weg getestet werden
07.01.2010 05:09
Das manager magazin berichtete am 17.12.2009, daß ein Feldversuch zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) geplant wäre. In Stuttgart und in einer noch zu findenden strukturschwächeren Gemeinde in Brandenburg soll jeweils 100 Pröblingen zwei Jahre lange 800 Euro geschenkt werden. Man möchte herausbekommen, was diese Menschen mit ihrer Zeit anstellen, wenn sie nicht mehr genötigt sind, sich um ihre Existenz Sorgen zu machen.
An diesem Versuch ist das Interfakultative Institut für Entrepreneurship in Karlsruhe beteiligt ist, welches von Götz Werner geleitet wird, den man getrost als einen der charismatischesten Verfechter des Bedingungslosen Grundeinkommens bezeichnen kann. Trotzdem sehe ich diesem Feldversuch nicht so euphorisch entgegen, wie dies viele tun.
Was soll mit einem solchen Feldversuch gezeigt werden?
Ein BGE wird es erst dann geben, wenn ein gesellschaftlicher Konsens für selbiges zustande kommt. Hoffen wir, daß unsere Demokratie bis dahin überlebt. Solange immer noch die Vorstellung herrscht, “Wer nicht arbeitet soll nicht essen!” und “Du sollst Dein täglich Brot im Schweiße Deines Angesichtes verdienen!” sieht es für so einen Konsens nicht gut aus. Wie einseitige Interessenausrichtung einer demokratischen Konsensfindung schaden kann, erleben wir bereits. Die Politik stagniert oder retardiert.
Und was ist, wenn durch diese beiden Feldversuche in der Öffentlichkeit der Eindruck entstünde, die Pröblinge hätten überwiegend versagt und viel zu wenig Eigeninitiative entwickelt, etwas sinnvolles mit ihrer Zeit anzustellen?
Sollte das Bedingungslose Grundeinkommen nicht bedingungslos sein?
Ich dachte immer, das BGE wäre ein Ansatz zu mehr Gerechtigkeit. Wenn alles so weiter geht, fallen immer mehr Menschen aus der normalen gesellschaftlichen Existenz heraus. Mit einem BGE würden wieder etwas gerechtere Startchancen für alle geschaffen.
Wir werden als Besitzlose in eine Welt von Besitzenden geboren. Wer Pech hat und von den falschen Eltern gezeugt wurde, muß besitzlos bleiben. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn wir wenigstens im Wald wohnen oder uns irgendwo weit weg eine Hütte bauen und unsere Kartoffeln und Rüben selber ziehen könnten. Nur gehören selbst der tiefste Wald und jedes noch so entfernte Fleckchen Erde irgend jemand.
Wenn es vor der Gesellschaft der Besitzenden kein Entrinnen gibt, wäre ein Bedingungsloses Grundeinkommen recht und billig.
Mit solchen Feldversuchen wird wieder nur die Frage gestellt, ob sich das Bedingungslose Grundeinkommen rechnet und ob die Pröblinge das Geld wert waren, das man an sie verschenkt hat.
Die Rechnung sollte jedoch ganz anders aufgemacht werden. – Was kostet der heutige Zustand?
Der Ausschluß aus der gesellschaftlichen Existenz fängt mit schlechter Bezahlung von Arbeit an und endet mit Arbeitslosigkeit. Wer arbeitslos ist oder schlecht bezahlt wird, bedarf gesellschaftlicher Unterstützung, die derzeit noch gewährt wird. Weil dabei alles nach der Logik vom Schweiß gerecht zugehen soll, wird ein erheblicher Aufwand betrieben, diese Unterstützung zu verwalten. Bereits hier könnte man fragen, ob es nicht billiger und somit effektiver wäre, diese Leistungen einfach zu verschenken.
Der Ausschluß aus dem gesellschaftlichen Leben führt auch zu vermehrten Gesundheitskosten und womöglich landen immer mehr Menschen im Knast, was eine qualitativ schlechte, aber recht teuere Unterbringung und Versorgung darstellt.
Warum werden diese Kosten nicht mit der gleichen Akribie berechnet, mit der man den maximalst möglichsten Profit aus nicht einmal materielle Werte schaffenden geschäftlichen Vorgängen heraus kitzelt? Vielleicht weiß es Jeremy Rifkin.
Natürlich würde sich jeder Mensch erstmal an der Freiheit besaufen, für sein Auskommen nicht mehr arbeiten zu müssen, wenn es plötzlich ein unbefristetes BGE gäbe. Viele wären aber auf Dauer mit einer bescheidenen Existenz nicht zufrieden und würden sich um bezahlte Arbeit bemühen. Da sie dies nicht der blanken Existenz willen tun müßten, könnte Arbeit sogar Spaß machen und würde nicht nur auf Grund der technischen Entwicklung zu einem kostbaren, knappen Gut werden.
Das kann man mit solchen Feldversuchen kaum nachweisen. Es wird nur gezeigt, wie sich Menschen unter den momentanen gesellschaftlichen Bedingungen verhalten, wenn man ihren zwei Jahre lang 800 Euro im Monat schenkt. Mit der Realität eines BGE hat das nichts zu tun.
Meta: Arbeit,
Besitz,
BGE,
Demokratie,
Feldversuch,
Götz Werner,
Konsens,
manager magazin,
Profit
Erstellt: 07.01.2010 05:09
Geändert: 07.01.2010 13:02
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=33
Das Bambusfahrrad oder der bessere Kapitalismus
02.01.2010 03:52
In New York gibt es das Bamboo Bike Studio für das ich hier gerne unbezahlte Reklame mache. Findige Biker fanden heraus, daß Bambusrohr mindestens genau so gut für den Rahmen eines Fahrrades geeignet ist, wie die besten Hightech-Werkstoffe. Das Bambusrohr muß nichtmal aus Japan importiert werden, denn es wächst gleich um die Ecke in New Jersey auch recht gut.
Die technischen Details dieses Gefährts möchte ich hier nicht weiter ausführen. Ob diese Idee für die Dritte Welt taugt, wie die Macher meinen, bin ich mir nicht sicher. Es ist eine schräge Kombination aus Low- und Hightech. Ich würde keine Hightech-Bauteile für Lösungen von Problemen in der dritten Welt voraussetzen, solange es dort noch Dörfer gibt, die gemeinsam ein einziges Mobiltelefon besitzen.
Mir sind drei Eigenschaften dieses Fortbewegungsmittels wichtig:
1. Jeder kann sich (unter Anleitung) den Bambusrahmen selber bauen und damit für seinen eigenen Körper maßschneidern. Sowas ist mit anderen Materialien auch möglich, aber sehr teuer.
2. Jeder der dieses Teil nur kurz gesehen hat, möchte selber eines haben. Oder nicht? Das ist mehr wert als alle Apelle sämtlicher NGOs, doch bitte die Umwelt ein wenig zu schonen.
3. Dieses Fahrrad ist ein wunderbares Beispiel um aufzuzeigen, wie ein humanerer Kapitalismus aussehen könnte.
Über die ersten beiden Punkte kann man sich auf der Homepage des Bambus-Bikes informieren, doch was hat dieses komische Fahrrad mit dem Kapitalismus zu tun?
Die von uns gewählten Politiker sind aufgrund der Interessen die sie vertreten nicht in der Lage, irgend eines der anstehenden Probleme zu lösen. Unser System läuft weltweit, aber auch hier bei uns, auf eine Verschärfung der Gegensätze zwischen Arm und reich hinaus. Kommt kein fairen Ausgleich zustande, stehen uns irgendwann gewaltsame Auseinandersetzung bevor. Ich schenke es mir, auf den Vorwurf von Schwarzmalerei zu antworten. Die Zustände spotten schon jetzt jeglicher Beschreibung. Alle 6 Minuten verhungert irgendwo ein Kind und selbst bei uns ist es nicht möglich, daß jedes Schulkind ein Vesper im Ranzen hat.
Das Bambusfahrrad zeigt, was man am Kapitalismus ändern müßte, damit alles etwas humaner wird, ohne daß irgendwann Köpfe rollen müssen. Diese Fahrräder werden nicht gebaut, um damit den maximalst möglichen Profit zu erwirtschaften. Dazu müßten die Teile großindustriell hergestellt werden. Damit entfiele das Selbermachen und das eigene Customizing. Den Protagonisten des Projektes geht es aber darum, genau solche Fahrräder möglich zu machen. Sie werden trotzdem alle anfallenden Rechnungen für die verbauten Materialien bezahlen müssen. Sie werden sicher auch etwas Geld für ihr eigenes Leben verdienen wollen. Vielleicht wollen sie sogar reich werden. Vielleicht werden sie es, wenn es gut läuft.
Die Einstellung der Macher zu ihrem Produkt wäre das Muster für einen humanen Kapitalismus. Unternehmern müßte es wieder darum gehen, möglichst perfekte Produkte herzustellen, anstatt den Profit zu optimieren. Das hieße Porschequalität für alle. Früher lief es im Idealfall so und hieß “Made in Germany”. Das war nicht verkehrt, nur weil heute eine andere Ideologie angesagt ist, die sich gerne als Wissenschaft ausgibt.
Der Sinn eines Produktes scheint heute nur noch darin zu bestehen, Profit möglich zu machen. Der eigentliche Zweck des Produktes ist dem untergeordnet. Der Wunsch des Käufers etwas von Nutzen zu kaufen wird nur minimal, nicht maximal bedient. Man wird erpreßt, dies zu akzeptieren.
Die Erwirtschaftung von Profit wurde weltweit als einziges Ziel der Ökonomie etabliert. Der Widerspruch, daß Ökonomie soviel wie vernünftige Wirtschaften bedeutet, fällt niemand auf, weil jeder an diese neue Weltreligion glaubt. Profitabel gilt als vernünftig. Wenn es den Reichen besser geht, geht es den Armen automatisch auch besser, wird behauptet.
Der Profit nutzt aber nur dem der profitiert, während der praktische Nutzen jeden Benutzer zu Gute kommt. Deshalb sollte in der Ökonomie der praktische Nutzen mehr als der maximal erzielbare Profit bedeuten. Trotzdem hätte ich nichts dagegen, wenn die Erfinder des Bambus-Bikes schweinereich werden, solange sie ihrem Prinzip treu blieben.
Das einzige was gegen einen humanen Kapitalismus spricht, sind die Machtverhältnisse, d.h. die Interessen jeder, die davon profitieren, das alles so ist, wie es gerade ist. Sie sind wie die alten Feudalherren, nur betrachten sie heute den gesamten Globus als ihre private Pfründe.
Für einen humanen Kapitalismus spricht vieles. Die durch das Erwirtschaften von maximalem Gewinn verursachten Schäden sind viel höher als die Profite. An ihnen gemessen lohnt sich Profit gar nicht. Das gilt gleichermaßen für die ruinierte Umwelt, wie für die zerstörten sozialen Sicherungssysteme. Obama kämpft für ein Krankenversichungssystem, damit sich im Amerika endlich jeder einen Arztbesuch leisten kann, während bei uns die FDP die gesetzlichen Krankenkassen am liebsten abschaffen möchte, damit jeder selber zusehen muß, wie er klarkommt.
Ich habe keine Ahnung, ob es möglich ist, den Kapitalismus durch Gesetze mit Spielregeln auszustatten, die fairere Lebenschancen für alle ermöglichen. Ich vergesse aber nie, daß ausgerechnet ein Ackermann nach Spielregeln schrie, als sich die Bankenkrise abzeichnete. Wie es gerade mit der Finanztransaktionssteuer läuft, oder wie COP15 ausgegangen ist, macht nicht viel Mut. Das Beispiel des Bambus-Bikes zeigt aber was möglich ist, wenn sich Unternehmer von sich aus an faire Regeln halten. Es könnte sogar passieren, daß der Markt irgendwann kippt. Irgendwann machen jene Unternehmer die nicht auf die maximale Rendite als Betriebsziel setzen mit ihren qualitativ hochwertigeren Produkten mehr Kohle als jene, die es nur auf den Gewinn abgesehen haben und nur billige Scheiße anbieten können.
Meta: Bambus-Bike,
Bambusfahrrad,
Bankenkrise,
FDP,
Feudalherren,
Hightech,
Kapitalismus,
Kind,
Krankenversicherung,
Made in Germany,
Nutzen,
Pfründe,
Produkte,
Profit,
Scheiße,
soziale Sicherung,
Umwelt
Erstellt: 02.01.2010 03:52
Geändert: 02.01.2010 04:13
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=32