Dringend: Setzen Sie sich für die Freilassung von Captain Watson ein
16.05.2012 02:52
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Die Auslieferung von Captain Watson an Costa Rica wurde bereits am Dienstag (15.05.) entschieden. Ich werde fortan Pressemeldungen von Sea Shepherd ignorieren. Der Aufruf, sich für Captain Watson einzusetzen und an das deutsche Justizministerium zu schreiben, war mit keinem Datum versehen. Außerdem bekam ich auf meinen Tweet, ob das Vollzitat (zwei Absätze!) der Briefvorlage copyrightmäßig OK ist, keine Antwort. Da das angetweetete Sea Shepherd Mitglied sehr aktiv ist, gehe ich davon aus, daß die auf meine Unterstützung scheißen.
Am 9. Mail hatten einige Leute in Charlotte aus der Occupy-Bewegung vor, Antonio Ennis zur Bank of America zu begleiten, wo er auf einer Versammlung der Aktionäre mit der Bank über die Anpassung seiner Hypothekenraten sprechen wollte, damit er sein Zuhause nicht verliert. Eine solche Anpassung wurde ihm bisher wie vielen anderen stets verweigert.
Nun hat die Verwaltung von Charlotte diese Demonstration im Vorfeld verboten und beruft sich auf erhöhte Befugnisse von Polizei und Sicherheitskräften, die im Ausnahmezustand angewendet werden dürfen.
In ihrem Artikel “Take Action to Restore Democracy in Charlotte Today!” rufen die Occupyer dazu auf, den Chef der Stadtverwaltung anzurufen oder ihm eine Mail zu schicken. Telefon-Nummer und Email-Adresse finden Sie im Artikel.
Ich habe mir erlaubt, dem Stadt-Chef von Deutschland aus eine Mail zu schicken. Ob sie gelesen wird und Eindruck macht, weiß ich nicht. Es ist ein Versuch, weil ich mir so die gute Seite des Webs vorstelle. Es wäre ja schön, in Frankfurt würde es zur Unterstützung von Blockuppy Beschwerden aus den USA hageln.
Dear Ladies and Sirs, dear Mr Walton,
please notice that even in Germany people are realizing that you intent to restrict free speech and assembly on May 9th.
The administration of Frankfurt, Germany also plans to ban demonstrations initiated by Blockupy against the Central European Bank on May 12th and later. In case the administration will not accommodate, Blockupy Frankfurt will file a suit and they will succeed, because in all western democracies people have the basic constitutional right to express they opinion by peaceful means. We are not in Russia or China!
I’m very disappointed what the US turns out to be today. Please try your best to change this. America has brought democracy to Nazi-Germany and wonderful Fender and Gibson guitars. I’m very thankful for this, but I’m deeply concerned now.
Kindly yours,
Zacke
Übersetzung:
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Walton,
bitte nehmen Sie zur Kenntnis, daß selbst in Deutschland bekannt wird, daß sie vorhaben, am 9. Mai freie Rede und Versammlung einzuschränken.
Die Verwaltung von Frankfurt in Deutschland hat ebenfalls vor, am 12. Mai und in den darauffolgenden Tagen Demonstrationen von Blockupy gegen die Europäische Zentralbank zu verbieten. Falls die Stadtverwaltung ihnen nicht entgegen kommt, wird Blockupy Frankfurt eine Klage einreichen und Erfolg haben, denn in allen westlichen Demokratien haben die Menschen das grundlegende durch ihre Verfassung gewährte Recht, auf friedliche Art und Weise ihre Meinung auszudrücken. Wir sind nicht in Rußland oder China!
Ich bin sehr enttäuscht, wie sich die Vereinigten Staaten uns heute darstellen. Bitte tun Sie Ihr Bestes, dies zu ändern. Amerika hat Nazi-Deutschland die Demokratie und wunderbare Fender und Gibson Guitarren gebracht. Dafür bin ich sehr dankbar, doch ich mache mir jetzt große Sorgen.
Mit freundlichen Grüßen
Zacke
Es gibt mehrere Argumente, weshalb die Banken nicht räumen, sondern die Raten der Hypotheken anpassen sollten:
Die Banken wurden mit Steuergeldern gerettet und könnten nun denen entgegenkommen, die dieses Geld aufgebracht haben.
Die meisten amerikanischen Immobilien sind infolge der zerplatzten Immobilienblase längst nicht mehr das wert, wofür die Käufer per Hypotheken Verpflichtungen auf sich genommen haben.
Das amerikanische Recht sieht vor einer Räumung vor, daß versucht werden muß, diese abzuwenden. Solche Versuche werden gar nicht erst unternommen
Stattdessen haben die Banken per Robo-Signing Zwangsvollsteckungen beantragt. D.h. die Banken stellten Leute ein, die ohne Prüfung der Sachlage Anträge auf Zwangsvollsteckung im Fließbandtakt unterschrieben haben. Diese Praxis wird von manchen amerikanischen Juristen als illegal angesehen.
Den Hinweis auf Blockupy Frankfurt konnte ich mir nicht verkneifen. Es wird immer klarer, daß die westlichen Demokratien nun weltweit auf Marktkonformität angepaßt werden sollen. Die Global-Player bestimmen, was in einer marktkonformen Demokratie verboten oder erlaubt ist, damit sie ungestört weiter absahnen können, bis alles (inklusive Natur) ruiniert ist.
Eine Bitte für Rio+20: Macht aus der Natur kein Handelsgut
01.05.2012 23:46
David Korten: Die Weisheit der Ureinwohner zeigt einen Weg in die Zukunft auf, ohne die natürlichen Systeme der Erde der kommerziellen Verwertung Preis zu geben.
Mit diesen drei Worten schloß Karma Tshiteem, Sekretär der bhutanesischen Brutto-Nationalglück Kommission seine kurze Schilderung der einzigartigen bhutanesischen Auffassung von wirtschaftlicher Entwicklung. Diese zog mein Interesse auf sich, da sie dem westlichen Spruch “Zeit ist Geld” diametral entgegen gesetzt ist.
Bei der Veranstaltung, die ich besuchte, handelte es sich um ein kleines internationales Treffen von führenden Köpfen der indigenen Umweltaktivisten. Ich genoß das Privileg, zu den wenigen nicht indigenen politisch engagierten Autoren zu gehören, welche zur Teilnahme eingeladen wurden.
Wir waren gekommen, um Ansichten zum Aufbau grüner Ökonomien auszutauschen, die sich auf die Prinzipien des indigenen Wissens stützen. Mehrere der Teilnehmer sind damit beschäftigt, eine indigene Stimme in die Rio+20 Konferenz über nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro in Brasilien einzubringen, die im Juni 2012 20 Jahre nach dem UN Earth Summit von 1992 stattfindet.
Unsere Veranstaltung fand auf Pocantico statt, vormals das New Yorker Anwesen von John D. Rockefeller, dem legendären Vertreter der rücksichtslosen kapitalistischen Entwicklung und Ausbeutung. Wir genossen die Ironie des Treffens, die sich aus diesem großzügigen Anwesen und unserer Suche nach einem anderen Weg ergab.
“Die Prophezeiungen der Ojibwe [Indianerstamm] berichten von einer Zeit während des 7. Feuers, in der die Menschen zwischen zwei Wegen wählen müssen. Der erste Weg ist ausgetreten und versengt. Der zweite Weg ist neu und grün. Es ist unsere Wahl als Gemeinschaft und Individuen, wie wir weitermachen.”
Weil sie die Notwendigkeit eines neuen Weges erkennen, greifen die indigenen Völker weltweit wieder auf die Weisheitslehren ihrer jeweiligen Traditionen als Leitfaden ihres Überlebens zurück. In einer Welt, in der institutionalisierte Kräfte lange versucht haben, diese Lehren aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen.
Wir, die Menschen der modernen westlichen Gesellschaften, stehen vor der selben Wahl wie in der Prophezeiung. Einige von uns erkennen, daß auch wir viel von den traditionellen indigenen Auffassungen zu lernen haben, die uns Goldtooth als die “ursprünglichen Anweisungen“ vorgestellt hat.
Unsere Beratungen in Pocantico brachten den Gegensatz zwischen einer auf des Geld konzentrierten westlichen und einer auf das Leben konzentrierten indigenen Vorstellung vom sinnvollen Zweck und Aufbau einer leistungsfähigen Ökonomie zum Vorschein.
Die ursprünglichen Anweisungen fordern von uns, die Erde als unsere lebende Mutter anzuerkennen, sie zu achten und uns um sie zu kümmern, wie sie sich um uns kümmert. In der westlichen Welt haben wir die ursprünglichen Anweisungen zugunsten einer ökonomischen Theorie aufgegeben, die uns dazu anhält, die Ressourcen der Erde als Handelsware zu behandeln.
Rio+20
Ein paar der Teilnehmer von Pocantico waren an Verhandlungen zur Vorbereitung von Rio+20 beteiligt, einer globalen UN-Umweltkonferenz anläßlich des 20ten Jahrestages des Earth Summit in Rio de Janneiro, Brasilien von 1992. Sie informierten uns darüber, daß das Dokument, welches man zur Annahme durch die Regierungen der Welt in Rio vorbereitet sehr unzureichend sein wird, um die Gründe des globalen Umweltversagens zu identifizieren und etwas dagegen zu tun. Stattdessen wird es empfehlen, daß wir zur Rettung unserer Mutter Erde einen geschätzten Preis auf ihre Gewässer, Böden, Luft, Wälder, Fischvorkommen und auf den Genpool legen und dies alles zum Verkauf anbieten müssen – gestützt auf die durchweg unbewiesene Theorie, daß wer immer in der Lage ist, den höchsten Preis für sie zu zahlen, einen natürlichen Anreiz besäße, sie zu schützen.
In den 1990ern war ich sehr stark am globalen Widerstand gegen multilaterale Handelsabkommen beteiligt, durch welche die globalen Konzerne versuchten, freie Hand für die Kolonisation der natürlichen Ressourcen, Märkte und Technologien zu bekommen. Der Protest von 1999 in Seattle gegen die World Trade Organization lenkte die weltweite Aufmerksamkeit auf diesen Angriff auf die Zukunft der Menschheit. Die mächtigen Demonstrationen die weltweit folgten, behinderten den Einsatz multilateraler Abkommen beträchtlich, mit denen – in einer globalen Aktion zur Aufteilung der Kontrolle über Weltmärkte und Ressourcen unter den herrschenden Konzern-Oligopolen – Demokratie und Volkssouveränität umgangen werden sollten.
Während unserer Pocantico Konferenz wurde offensichtlich, daß die Interessenvertreter der Konzerne zum Schluß gekommen sind, daß die aussichtsreichste Methode ihre Agenda voran zu bringen aktuell darin besteht, mit der weltweiten Besorgnis um die Umwelt zu spielen, multilaterale Umweltvereinbarungen als ihr neues Vehikel zu benutzen, um lokale Gemeinschaften und nationale Regierungen dazu zu bringen, auf die Kontrolle des natürlichen Reichtums innerhalb ihrer Grenzen zu verzichten.
Wie besorgte Bürgerinitiativen betonen, würde die Weiterentwicklung dieser Entwürfe zur ultimativen Kommerzialisierung und Monetarisierung der Natur für den kurzfristigen Profit von ein paar globalen Profiteuren führen, welche die Immobilienblase generiert haben, die 2008 große Teile der globalen Ökonomie in den Abgrund zog.
Herman Daly, der Vater der Ökologischen Ökonomie hat es treffend beobachtet:
“Es hat etwas fundamental Falsches, die Erde so zu behandeln, als ob es sich um einen Betrieb in Liquidation handeln würde.”
Wenn Rio+20 dem Plan der Wall Street folgt, wird damit der Grundstein für den ultimativen Ausverkauf der Erde gelegt.
Auf dem Rio Earth Summit von 1992 ging die Führerschaft für einen neuen grünen Weg nicht von globalen Konzernen und den mit ihren Interessen konformen offiziellen Delegierten aus, sondern eher von den Vertretern einer globalen zivilen Gesellschaft, die alternative NGO-Verträge entwarfen, welche für die Vision der Menschen von einer gerechten, nachhaltigen und demokratischen Zukunft der Menschheit standen. Rio+20 scheint dafür bestimmt zu sein, dieses Muster zu wiederholen, indem Bürgerinitiativen bereits an Nachhaltigkeits-Verträgen der Menschen arbeiten, die den ursprünglichen Anweisungen gerecht werden und den Visionen und Werten von uns allen eine Stimme verleihen. Wir hoffen, der Kontrast welcher sich aus der Vision der Konzerne und aus jener der Menschen ergibt – die eine auf die aktuelle westliche Weltsicht, die andere auf die traditionelle indigene gestützt – möge uns allen helfen, den Unterschied zwischen den zwei Wegen der Ojibwe-Prophezeiung deutlicher zu erkennen.
Rivalisierende Weltsichten
Jene indigenen Menschen, die ihre kulturelle Identität aufrecht erhalten, sehen die Welt durch eine ganz andere Brille als jene von uns, die die Welt durch eine westliche kulturelle Brille wahrnehmen. Die Auswirkungen dieser Differenz sind gravierend.
Die folgenden Zusammenfassungen meines Verständnisses der unterschiedlichen westlichen und indigenen Weltsichten beziehen sich auf unsere Verständnis von Zeit, Beziehungen und Ort. Die westliche Brille führt uns auf dem versengten Pfad der Erde weiter, dem wir zur Zeit folgen. Die Indigene Sicht führt auf den Weg einer machbaren und erfolgreichen menschlichen Zukunft. Zur Klarstellung: ich habe die Unterschiede mit Absicht stark hervorgehoben.
Die zeitgenössiche westliche Weltsicht
Zeit: Zeit ist Geld und bewirkt ein exponetielles unidirektionales Wachstum finanzieller Vermögen, der Konsumption und des Marktwertes der ökonomischen Aktivität. Vernünftige Entscheidungen setzen die Priorität auf finanziellen Gewinn, um den ökonomischen Kuchen wachsen zu lassen und so das Leben aller zu verbessern. Indikatoren wie Brutosozialprodukt, welche die ökonomische Leistung anhand des Geldflusses durch die Wirtschaft bewerten und Aktienindexe wie der Dow Jones, der dem Durchschnittswert aller Aktien folgt, sind natürliche und logische Berechnungen, um die ökonomische Leistung zu beurteilen.
Beziehungen: Individuelle Freiheit und ökonomische Effizienz stehen an erster Stelle und werden gesteigert, indem die menschlichen Beziehungen auf auf die Grundlage eines finanziellen Austausches gestellt werden, in welchem jedes Individuum versucht, seinen oder ihren finanziellen Gewinn zu maximieren. Dies maximiert im Gegenzug den allgemeinen Wohlstand und verbessert das Leben aller. Die Natur besteht zum Nutzen des Menschen, der das Recht hat, sie zu kontrollieren und zu beherrschen [s. Bibel].
Ort: Die Erde ist eine Ressource die für den Besitz bestimmt ist, die den Preis wert ist, den sie auf dem Markt erlangen wird und die man für die maximale Rendite ausbeutet. Unsere individuelle Identität wird durch die Marken definiert, die wir konsumieren. Unser individueller Wert ist durch den Preis bestimmt, den wir auf dem Arbeitsmarkt verlangen und durch unsere finanziellen Vermögenswerte, die wir angesammelt haben. Wir maximieren unsere persönliche ökonomische Effizienz, indem wir unsere individuelle Verbindung und Verpflichtung zu Ort, Person oder Gemeinschaft minimieren und indem wir unsere Bereitschaft zur Ortsveränderung maximieren, wenn sich uns anderswo bessere finanzielle Möglichkeiten anbieten. Eigentumsrechte werden am besten als individuelle Rechte behandelt, allumfassend und frei verkäuflich, wenn der Preis stimmt.
Die Affirmation und das Feiern eines extremen Individualismus, sofortige Selbstbelohnung und die Entfremdung von einander und von der Natur als Charakteristik der zeitgenössischen westlichen Weltsicht entsprechen dem primitiven Kern des menschlichen Gehirnes, das man gemeinhin als Reptiliengehirn [Stammhirn] kennt. Es ist der Sitz unserer ursprünglichsten, individualistischesten, räuberischesten Überlebensinstinkte, die uns zum Verstecken, Kämpfen oder Fliehen veranlassen und die weder durch das höher entwickelte Säugetiergehirn [Limbisches System], das die Quelle für unsere menschliche Fähigkeit zu Mitgefühl und Bindung ist, noch durch das neokortiale Hirn [Großhirn], in dem unsere charakteristischen menschlichen Fahigkeiten für Selbstbewußtsein und Vernunft sitzen, modertiert werden.
Indem wir unsere Fähigkeit zur Vernunft unterdrücken, erheben wir das Streben nach Geld in den Status einer heiliger Mission, sind nicht in der Lage zu erkennen, daß Geld nichts anderes als eine Zahl ohne wirklichen Wert ist und daß wir den wirklichen Reichtum der Menschen, der Gemeinschaft und der Natur zerstören, um die Zahlen auf den Vermögensauszügen der Bank zu erhöhen.
Die traditionelle indigene Weltsicht bietet eine ganz andere, wir könnten sagen – eine Sicht des ganzen Gehirnes von uns und unserer Beziehung zur Natur an.
Die traditionelle indigene Weltsicht
Zeit: Zeit ist Leben und wird durch den Rhythmus des täglichen Lebens, der Jahreszeiten und dem wiederkehrenden Fluß der Generationen erfahren. Als Menschen müssen wir stets unserer Verantwortung gewahr sein, um unsere Bedürfnisse auf eine Art und Weise zu befriedigen, die den gesunden Fluß und die Balance des weitergehenden Lebens heute und für zukünftige Generationen sicherstellt. Der Brutto-Nationalglück Index, den der Staat Bhutan entwickelt hat, bewertet die ökonomische Leistung anhand von Indikatoren wie Gesundheit und Wohlergehen der Menschen, die in einer harmonischen Balance miteinander und mit der Natur leben.
Beziehungen: Alle Lebewesen sind verwandt und miteinander verbunden. Es ist unsere menschliche Pflicht, die Würde und die Rechte aller Lebewesen anzuerkennen, dazu gehören Flüsse, Berge und Gletscher. Mutter Erde liefert uns, was wir zum Leben brauchen. Ihre Großzügigkeit ist ein Geschenk, das wir gemeinsam erhalten haben und teilen müssen, das wir gemeinsam achten und pflegen müssen. Niemand von uns hat diese Freigiebigkeit erzeugt und niemand von uns hat ein Recht, sie für seinen persönlichen Vorteil zu beanspruchen. Wir sind nur berechtigt, das zu nehmen was wir brauchen und sind einer heiligen Verantwortung verpflichtet, zurück zu geben oder den Rest zu teilen, indem wir die natürliche Balance der Schöpfung und die ursprünglichen Anweisungen beachten, die ein höheres Gesetz darstellen, dem alle menschlichen Gesetze von Natur aus untergeordnet sind.
Ort: Die Erde ist unsere heilige Mutter. Jedes Lebewesen hat einen ihm innewohnenden Wert und seinen rechtmäßigen Platz innerhalb eines miteinander verbundenem Ganzen. Unsere persönliche und kollektive Verbindung zu unseren Platz auf Welt ist heilig und nicht veräußerlich. Die individuelle menschliche Identität ist verbunden mit, und wird definiert durch eine tiefe, andauernde Beziehung zu unserem Ort und durch unsere Begabungen, mit denen wir uns am Leben halten und unserer Verantwortung gegenüber und für die Gemeinschaft gerecht werden, welche uns im dafür Rückhalt bietet.
Es gibt einen guten Grund, warum die Weisheit im Kern der traditionellen indigenen Weltsicht eine tiefe Resonanz der Sympathie in der menschlichen Psyche findet. Die moderne Wissenschaft berichtet uns heute das, was die Hüter der indigenen Weisheit über zahllose Generationen gewußt und gelehrt haben. Wir Menschen entwickelten uns über Jahrmillionen, um in Gemeinschaft miteinander und mit der Natur zu leben und zu gedeihen. Unser Glück und unsere Wahrnehmung von Wohlergehen hängen in erheblichem Umfang von unserer Verbindung zur Natur und zu einer sorgenden Gemeinschaft ab. Die Wissenschaft bestätigt uns nun, daß die ursprünglichen Anweisungen in der Tat in den höher entwickelten Säugetier- und menschlichen Hirnzentren genetisch einkodiert sind.
Was wir mit der westlichen Weltsicht als Fortschritt begrüßen, ist aus einer evolutionären Perspektive als Regression auf einen primitiveren Bewußtseinsstand bestens erforscht. Unsere westliche Trennung von der Natur – vom Leben – hat es uns erlaubt, das menschliche Verständnis der inneren Mechanismen des Lebens enorm zu vertiefen. Es hat uns jedoch von unserem Verständnis des Lebenssinnes abgetrennt; die Fahigkeit des Lebens zur nicht mechanischen Selbststeuerung, zur Anpassung und zum Durchhaltevermögen und was wirklich heilig ist. Wir beginnen gerade damit, in die unsere Überheblichkeit abbauenden Wahrheit zu erwachen und erkennen daß wir, wenn wir unseren Weg zur neuen grünen Zukunft finden wollen, uns zur Führung an die indigenen Hüter der ursprünglichen Anweisungen wenden müssen, welche die Brutalität der invasiven kulturellen und institutionellen Kräfte der Verwestlichung überlebt haben.
Der neue grüne Pfad
In Übereinstimmung mit der Ojibwe-Prophezeiung hat das Wiedererwachen unserer wahren menschlichen Natur sowohl indigene als auch nicht indigene Gesellschaften erfaßt. Für Jahrtausende haben die Weisheitshüter der indigenen Gesellschaften die tiefe Weisheit ihrer traditionellen indigenen Weltsicht am Leben gehalten und ihr Verstehen der ursprünglichen Anweisungen von Generation zu Generation weitergereicht, damit es für uns alle zum Zeitpunkt der prophezeiten Wahl zur Verfügung steht.
Dies legt keine Rückkehr zu traditionellen, überwiegend auf Jagen und Sammeln beruhenden, indigenen Lebensweisen und Organisationsformen nahe. Das steht nicht zur Wahl. Ganz abgesehen von persönlichen Präferenzen des Lebensstiles, werden traditionelle indigene Einrichtungen und Technologien, die in einfacheren Zeiten gut funktionierten, nicht den Bedürfnissen einer global verbunden Bevölkerung von 7 Milliarden Menschen in einer Welt knapper Ressourcen genügen.
Um unseren Weg zum neuen grünen Pfad der Ojibwe-Prophezeiung zu finden, benötigen wir eine Weltsicht, die auf der indigenen Weisheit als Grundlage aufbaut und sie gleichzeitig gezielt erneuert und an die Realität einer dicht bevölkerten Welt und an die Notwendigkeit anpaßt, optimierte moderne Technologien und institutionelle Formen bewußt und verantwortlich anzuwenden. Das Ergebnis könnte ungefähr so aussehen:
Zeit: Wir werden erkennen, daß Zeit Leben ist und sowohl durch die Spirale der Kreisläufe des Lebens, als auch durch die Zeitschiene ihrer entwicklungsmäßigen Entfaltung über Generationen zu immer besseren Fähigkeiten und Möglichkeiten erfahren wird. Wir werden das Leben und nicht das Geld als angemessenes Maß für Wert akzeptieren, werden verstehen, daß der individuelle Wert durch das Geschenk des Lebens gegeben ist, und unsere Verantwortung als eine heilige Pflicht annehmen, den gesunden Fluß und die Balance des weitergehenden Lebens jetzt und für zukünftige Generationen sicher zu stellen. Wir werden die Leistung unserer Ökonomien anhand der Gesundheit und Vitalität des Lebens beurteilen.
Beziehungen: Wir werden erkennen, daß individuelle Rechte und Pflichten untrennbar miteinander verbunden sind und wir werden auf der Grundlage von gegenseitigem Sorgen und Teilen unser tiefes Verständnis für die Verbindung untereinander und zur Erde wiederentdecken und erneuern.
Ort: Wir werden erkennen, daß die Biosphäre unser aller Erbe, die Grundlage des Lebens ist und nicht mit Geld aufgewogen werden kann. Wir werden entdecken, daß eine Identität, die auf Ort und Gemeinschaft beruht, eine größere Bedeutung hat und zufriedenstellender ist als eine Identität, die auf Vermögen und Konsum bestimmter Marken beruht. Wir werden erkennen, daß wir die Geschenke der Natur kollektiv empfangen und daß die Fülle der Natur am besten von Menschen in lokal verwurzelten Gemeinschaften verwaltet werden kann, die ein natürliches Interesse an der Sicherstellung des anhaltenden Flusses dieser Fülle von Generation zu Generation haben, ohne daß die Vitalität, Produktivität und die Beständigkeit des natrülichen Systmes der Erde nachläßt.
Unsere Überlegungen in Pocantico konzentrierten sich auf die Bemühungen der indigenen Völker, innerhalb ihrer Gebiete neue Ökonomien zu gestalten, die auf der Weisheit der ursprünglichen Anweisungen beruhen. Ihre Anstrengungen können eine wichtige Quelle der Inspiration und Anleitung für jene von uns sein, die schon lange von ihren indigenen Wurzeln und der Weisheit der indigenen Weltsicht abgetrennt sind. Damit die indigenen Völker diese Aufgabe zum besseren Nutzen von uns allen leisten können, ist es unverzichtbar, daß wir, die nicht indigenen Gesellschaften dieser Welt, deren Recht achten, ihre Gebiete und Ressourcen entsprechend ihren traditionellen Lehren und Praktiken zu hegen und zu verwalten. Deshalb müssen wir unseren indigenen Brüdern und Schwestern in ihrem Kampf beistehen, fremde Interessen davon abzuhalten über das, was ihnen an Land und Ressourcen verblieben ist, die Kontrolle zu übernehmen.
Etwas allgemeiner ausgedrückt müssen wird jedes Vorhaben zurückweisen, daß die weitere Kommerzialisierung und Monetarisierung der Natur voran treibt und die Vereinten Nationen dazu auffordern, den Entwurf eines neuen Konzeptes anzustoßen, das mit der Einsicht beginnt, daß das Leben die Grundlage und das geeignete Maß von Wert, die Natur heilig ist und nicht zum Verkauf steht, und daß beständige, lokale Gemeinschaften die natürlichen und geeignetsten Verwalter der natürlichen Fülle dieser Erde sind.
Zusammen können wir den prophezeiten neuen grünen Weg für eine sichere und gedeihliche Zukunft wählen, für uns und all die Kinder der Welt und für alle kommenden Generationen.
Der Original-Artikel “A Plea for Rio+20: Don’t Commodify Nature” wurde unter Creative Commons: BY-NC-SA (Namensnennung, keine kommerzielle Verwendung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen) veröffentlicht, was dem Lizenzmodell dieses Blogs entspricht. (Ein Link zur Nennung wäre nett.)
Anmerkung:
Ein schöner Text, trotz der viel zu religiösen Sprache, dem ich nur an einem kleinen Punkt nicht zustimme. Ich würde nicht von einem spezifischen menschlichen Gehirn sprechen (womit das Großhirn gemeint war), weil ich den Menschen in meinem Weltbild nicht als höchste Vollendung der Natur über die Tierwelt stelle. Ich billige allen Tieren so etwas wie ein Selbstbewußtsein zu. Erst recht den Tieren, die ebenfalls ein Großhirn haben. Es gibt kein menschliches Gehirn an sich, sondern das Gehirn des Menschen ist vielleicht relativ weit entwickelt. Wir wissen das nicht, weil wir nicht wissen können, inwieweit Tiere nicht auch denken, analysieren und eventuell sogar Verantwortung übernehmen können. Mit der Verantwortung scheint es bei den Menschen nicht sehr weit her zu sein. Das ist Fakt!
Leid können alle Tiere empfinden und es steht uns nicht zu, dies ihnen abzusprechen, um sie nach unseren Belieben mit beruhigtem Gewissen als reines Material zu Nahrung oder sonstwas verarbeiten zu dürfen. Das ist eben der Preis für unsere Intelligenz, die uns Wertvorstellungen entwickeln ließ, die man konsequent zu Ende denken muß. Auf die Regel der Natur vom Fressen und gefressen werden können wir uns nicht mehr berufen, denn wir haben uns längst der Nahrungkette entzogen. Uns fressen bestenfalls die Würmer im Sarg. Wir haben kein moralische Recht, Tiere groß zu ziehen, deren Lebensperspektive einzig darin besteht, geschlachtet zu werden und die diesem Schicksal nicht entkommen können. Daran ändert selbst die sogenannte artgerechte Tierhaltung nichts. Wie würden wir soetwas bewerten, wenn es Menschen beträfe?
Eines Tages wird der Menschheit allein aus Gründen der Effizienz alle satt zu bekommen eh nichts anderes übrig bleiben, als vegan zu leben. Das ist dann der wirklich grüne Weg. Ein Kilo Fleisch kostet viele hundert mal mehr Wasser und auch ein beachtliches Vielfaches an Fläche, wie der Anbau von einem Kilo Getreide. Von einem Kilo Getreide kann man, wenn man es nicht durch Backen und Kochen kaputt denaturiert, eine ganze Weile gesund leben. Bis zu dieser Einsicht muß sich das Gehirn des Menschen natürlich noch mächtig weiterentwickeln oder es wird zu Verteilungskämpfen kommen und das Problem der erschöpften (eßbaren) Ressourcen löst sich wie in jeden Biotop auf brutalste natürliche Art. Human, wie es uns immer so edel vorschwebt oder vorgeschwafelt wird, ist etwas anderes.
Rechtsanwälte reichten für fünf gewählte Vertreter und ein halbes Duzend Mitglieder der Presse beim Federal Court Klage ein. Sie erheben den Vorwurf, die Stadt New York, die städtische Transportbehörde, das Department der New Yorker Polizei, die Grundstücksgesellschaft Brookfield und JP Morgan Chase würden zahlreiche Bürgerrechte verletzen, z.B. das Recht aus der ersten Verfassungsergänzung (First Amendment) auf freie Rede und Versammlung. Die Klage fordert Entschädigung für Verfehlungen bei Festnahmen während den Occupy Wall Street Protesten und verlangt, daß ein unabhängiger föderaler Monitor das NYPD überprüft, um die Sicherheit der Öffentlichkeit zu gewährleisten.
Die 143seitige Klage, die von einer Gruppe von Bürgerrechts-Anwälten eingereicht wurde, zu denen Leo Glickman, Yetta G. Kurland und Wylie Stecklow gehören, wurde heute heute [30.04.2012] beim US-Bezirksgerichtshof für den Süd-Distrikt erhoben und beinhaltet ein 24minütiges Video, das den Einsatz von exzessiver Gewalt und willkürliche Festnahmen zeigt, was wie viele behaupten erst seit dem Beginn von Occupy Wall Street zu einem Problem wurde.
Die Klage geht auch auf die Beziehungen der Stadt zur JP Morgan Chase Bank ein, die während dieser Zeit eine $4.6 Millionen Spende an das NYPD geleistet hat und auch auf die Tatsache, daß Mitglieder der Presse und gewählte Volksvertreter festgenommen wurden, als sie die Proteste beobachteten und darüber berichteten.
Einer der Kläger, Mitglied des Rats von New York, Ydanis Rodriguez, der am 15. November [2011] wegen dem Versuch, die Räumung des Zuccotti-Parks zu beobachten, blutig geschlagen und festgenommen wurde, erklärte:
“Selbst wenn meine Vorwürfe abgewiesen wurden, gibt es immer noch das größere Problem, nämlich daß die New Yorker Polizei ihre Macht mißbraucht und die First Amendment Rechte oder die Charta der Stadt New York (PDF) nicht beachtet hat, welche mir das Recht gaben, als Beobachter aufzutreten.”
New York City Ratsmitglied Letitia James, eine andere Klägerin des Verfahrens, sagte:
“Es geht hier um die Verantwortlichen, aber auch darum sicher zu stellen, daß wir eine richtige Balance der Kräfte in dieser Stadt haben. Die Menschen sollten nicht Verletzungen durch die Polizei befürchten müssen, wenn sie ihr Versammlungsrecht gemäß dem First Amendment wahrnehmen.”
Melissa Mark-Viverito, New York City Ratsmitglied, hat sich ebenfalls der Klage angeschlossen und bemerkt:
“Einige von uns sind im Stadtrat dabei, diese Probleme von Legislative aus anzugehen, in der Zwischenzeit werden wir uns der US-Judikative bedienen und sie um Hilfe bitten um sicher zu stellen, daß die Polizei die Öffentlichkeit angemessen schützt, welcher zu dienen ihr anvertraut wurde.”
Jumaane Williams, ein anderes Ratsmitglied von New York City, wies darauf hin, daß dies jeden und nicht nur OWS Protestierende betrifft:
“Wir hoffen, diese Klage wird allen New Yorkern helfen, auch der Polizei”, sagte er. “Wir sind der Ansicht, Beamte sollten nicht in eine Situation gebracht werden, in welcher man von ihnen verlangt auf eine Art und Weise zu handeln, die zu solchen Verfehlungen führt oder sie in einen Kampf gegen die Öffentlichkeit schickt.”
John Knefel, ein Journalist und Gastgeber einer Radioshow, der bei der Berichterstattung über einen Protest im öffentlich zugänglichen Winter Garden im World Financial Center festgenommen wurde, weil er keinen von der New Yorker Polizei ausgegebenen Presseausweis hatte, ist ebenfalls einer der Kläger:
“Es ist natürlich besorgniserregend, daß Menschen im öffentlichen Raum festgenommen werden, weil sie ihre First Amendment Rechte ausüben, aber es ist gleichermaßen besorgniserregend, daß Mitglieder der Presse festgenommen werden, wenn sie versuchen, darüber zu berichten”, sagte er.
Justin Sullivan, ein anderer Kläger und Citizen Journalist, der das Video als Beweisstück für das Verfahren zusammengestellt hat, sagte:
“Ich wurde festgenommen, weil ich filmte wie jemand festgenommen wurde, weil er sich über die Festnahme von einem anderen beklagte und ‘Mike Check’ rief. So sollte unsere Polizei nicht handeln.”
Am 26.04.2012 lagen dem Bundestag folgende Anträge zur Beratung und Abstimmung vor:
Bundestagsdrucksache 17/5174 (PDF) – Antrag von DIELINKE: Sanktionen im 2. Buch Sozialgesetzbuch und Leistungseinschränkungen im 12. Buch Sozialgesetzbuch abschaffen
Bundestagsdrucksache 17/3207 (PDF) – Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Rechte der Arbeitsuchenden stärken – Sanktionen aussetzen
Bundestagsdrucksache 17/9070 (PDF) – Antrag von DIELINKE: Hartz-IV-Sonderregelung für unter 25-Jährige abschaffen
Die ersten beiden Anträge wurden in einer namentlichen Abstimmung abgelehnt, so wie es der Ausschuß für Arbeit und Soziales empfohlen hatte: Bundestagsdrucksache 17/6391 (PDF) – Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales.
Der dritte Antrag wurde zur Beratung in den Ausschuss überwiesen.
In der Debatte vertraten die Vertreter der Regierungsparteien die Ansicht, Hartz IV wäre ein Erfolgsmodell, da die Arbeitslosigkeit in Deutschland abnimmt und die Beschäftigung steigt. Die Sanktionen seien notwendig, um Pflichtverletzungen zu sanktionieren, was im Übrigen nur 3 Prozent aller Arbeitslosen beträfe. Alles funktioniere bestens. Trotzdem müßten Regelverstöße aus Fairneß gegenüber denen welche die Sozialleistungen erwirtschaften sanktioniert werden. Nach Auskunft des CDU/CSU Abgeordneten Paul Lehrieder bestanden diese Pflichtverletzungen in 590.000 von 912.000 im Jahre 2011 verhängten Sanktionen darin, daß Termine nicht eingehalten wurden, während uns die CDU/CSU Abgeordnete Heike Brehmer verrät, daß die meisten Sanktionen ausgesprochen werden, weil Betroffene ihrer Meldepflicht nicht nachgekommen sind.
Die SPD Abgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD) fordert immerhin, daß die Sanktionsregelungen “verfassungsfest” sein müssen. Demnach muß für junge Erwachsene das gleiche Sanktionsrecht wie für die älteren gelten und “das physische Existenzminimum, vor allem Unterkunft und Heizung” und hoffentlich auch Nahrung muß auf jeden Fall von Kürzungen ausgenommen bleiben. “Frau Ministerin, ich fordere Sie auf: Setzen Sie das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2010 endlich um! Unsere Vorschläge liegen seit langem auf Ihrem Tisch. Schaffen Sie endlich verfassungsfeste Regelsätze und Sanktionsregelungen, die das Existenzminimum nicht antasten!”
Leider ist die SPD jene Partei, die uns unter Schröder zusammen mit den Grünen Hartz IV eingebrockt hat und deshalb kann man diesen Äußerungen keine all zu große Bedeutung beimessen.
Frau Hiller-Ohm ahnte aber immerhin, daß den Forderungen nach Abschaffung der Hartz IV Sanktionen ähnliche Fragen zugrunde liegen, wie sie in der Diskussion des bedingungslosen Grundeinkommens gestellt werden: “Die Linken fordern wieder einmal die völlige Abschaffung der Sanktionen. Sie wollen eine sanktionsfreie Mindestsicherung, also ein bedingungsloses Grundeinkommen.” Katja Kipping von DIELINKE stellte in einer Kurzintervention klar, daß sie mit ihrem Antrag kein BGE fordert, weil dies mit ihrer Parteil leider nicht zu machen sei.
Soweit ich weiß, ist das BGE nicht als milde Gabe für Bedürftige, sondern als Grundrecht für alle angedacht. Die Abschaffung der Sanktionen wären jedoch ein erster Schritt gewesen, sich das BGE als Wirklichkeit vorstellen zu können. Die Sanktionen tun weniger der Fairneß gegenüber jenen Genüge, die mit ihren Lohnabgaben Sozialleistungen ermöglichen, sondern sie sind Ausdruck der Macht jener, die zu diesen Sozialleistungen überhaupt keinen Beitrag leisten und die keine Arbeitsplätze schaffen sondern abbauen, wenn sich dadurch noch mehr Lohnkosten einsparen und Gewinne erzielen lassen.
Dem Bild von Hartz IV als Erfolgsmodell, das die Vertreter der Bundesregierung gemalt haben, allen voran Dr. Carsten Linnemann von der CDU/CSU Fraktion, muß widersprochen werden: “Frau Kipping, gegen 97 Prozent werden keine Sanktionen verhängt. Sie reden hier über 3 Prozent und tun so, als ob Sie damit Politik für die Mehrheit dieses Landes machen. Sie machen Politik vom Rand aus.” Das soll also heißen, daß 97 Prozent der Arbeitslosen mit den Sanktionen kein Problem hätten. Wenigstens Markus Kurth von den Grünen widerspricht: “Es kommt aber nicht nur auf diejenigen an, die von Sanktionen betroffen sind, sondern auch auf die vielen Hunderttausende, die ihr Verhalten aus Angst vor Sanktionen anpassen. Das muss man mitberücksichtigen. Das hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsuchenden und am Ende des Tages auch auf das Lohnniveau.”
Daß es Deutschland relativ besser geht, weil es andere Euro-Länder durch seine Exportpolitik ausbeutet, wird in der Erfolgsgeschichte nicht erwähnt. Was sich jetzt an Leid mit Hartz IV ähnlichen Erfolgsmodellen z.B. in Griechenland und Großbritannien auftut (umsonst arbeiten) spielt spielt keine Rolle.
Welchen Rolle Hartz IV innerhalb unserer Ökonomie spielt, kommt in dem schönen Bild der Regierungsfraktion ebenfalls nicht vor. Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse sind nicht weiter schlimm: “Mir ist ein Jugendlicher, der in ein befristetes Arbeitsverhältnis vermittelt wird, lieber als ein Jugendlicher, der überhaupt kein Arbeitsangebot bekommt. Mir ist ein Jugendlicher, der zunächst als Leiharbeiter die Chance hat, seine Fähigkeit und seine Tüchtigkeit bei einem potenziellen Arbeitgeber unter Beweis zu stellen, lieber als jemand, der überhaupt kein Arbeitsangebot bekommt.” So Paul Lehrieder von der CDU/CSU. Daß solche Arbeitsverhältnisse zur Regel zu werden drohen und zum großen Teil für das so stolz verkündete Ansteigen der Beschäftigungsquote verantwortlich sind, daß die Reallöhne mit den erwirtschafteten Gewinnen nicht gestiegen sind, daß Arbeit immer schlechter bezahlt wird und viele deshalb aufstocken müssen, bleibt außen vor.
Damit wären wir mitten drin in den Themen, die im Zusammenhang mit einem BGE diskutiert werden. Welchen Arbeitsbegriff, was für ein Menschenbild haben wir und was heißt Leben? Solange Geld und nicht Sinn und Zweck das Maß für alles ist, wird Arbeit nicht nach ihrer Nützlichkeit für das Allgemeinwohl, sondern danach bewertet und honoriert, inwieweit sie dem Profit einiger weniger dient. Ist das auf Dauer gut für eine solidarische Gesellschaft?
Es geht nicht nur um ungerechte und grundgesetzwidrige Sanktionen, sondern um eine gerechtere Verteilung des vorhanden gesellschaftlichen Reichtums. Eine Frage, die sich den Menschen weltweit stellt. Wenn unsere Gesellschaft als human gelten will, muß sie für jeden sorgen. Es geht nicht darum, daß jemand etwas geschenkt bekommt, sondern diese Versorgung kompensiert bestenfalls den Autonomieverlust des Einzelnen in einer hoch entwickelten Gesellschaft. Ich verfüge weder über die Fähigkeiten, noch kann ich einfach irgendwo im Wald eine Hütte bauen und dort von Beeren, Wurzeln und Baumrinde leben. Wenn alle Ressourcen aufgeteilt und nur noch auf dem Markt gegen Geld erhältlich sind, muß die Gesellschaft zumindest das Notwendigste zur Verfügung stellen oder wir haben de facto Menschen zweiter Klasse.
Hartz IV ist nur ein Symptom für gesellschaftliche Veränderungen, die man auf dem Rücken der Betroffenen austrägt. Diese Ökonomie hat zum einen kein Interesse daran Menschen nur damit sie Arbeit haben einzustellen, zum anderen nimmt uns die technische Entwicklung immer mehr Arbeit ab und welchen Sinn hätte eine Arbeit, nur der Arbeit oder nur des Geldes willen?
Über das Geld an sich haben sich schon sehr viele kluge Geister den Kopf zerbrochen, das vom genialen Tauschmittel zum Herrschaftsinstrument verkommen ist. Es gibt z.B. das Modell des Schwundgeldes, welches nur dann etwas wert ist, wenn es im Umlauf bleibt. Das ist genau das Gegenteil von Zinsen, auf dem unsere derzeitige Ökonomie beruht. Wenn Geld im Umlauf bleibt, verteilt sich Wohlstand gerechter. Unsere jetzige Krise, die gleichzeitig ein Aufschwung sein soll krankt daran, daß viel zu wenig Massenkaufkrauf vorhanden ist.
Da die Ressourcen auf diesen Planeten nicht unbegrenzt sind, kann man diese Art der Ökonomie jedoch nicht ewig weiterdenken. Wir sollten von einer nicht nachhaltgen Geldökonomie zu einem ökonomischen Umgang mit den Ressourcen kommen. Ökonomie sollte wieder etwas mit vernünftigem Haushalten und nicht mit der Anhäufung von für sich genommen wertlosem Geld (Blech, Papier und Digits) zu tun haben. In so einer Ökonomie bekäme Arbeit wieder einen menschlicheren Sinn und hätte ein anderes Menschenbild als das zur Folge, was offenbar immer noch bestimmend ist. Arbeit muß anstrengend sein, sonst ist es keine. Arbeit darf nicht Spaß machen. Nur wer arbeitet hat ein Existenzrecht und wird als Mensch anerkannt. Nur wer sich zu selbstverleugnenden Bedingungen verkauft, ist ein anerkannter Mensch.
Wie es weitergehen wird, weiß ich nicht. Ich könnte mir sogar vorstellen, daß es irgendwann ein opportunistisches Urteil des Bundesverfassungsgerichtes geben wird, das alles so wie es jetzt ist für rechtens erklärt. Ob man dann auf einen europäischen Gerichtshof Hoffnungen setzen kann, bezweifle ich. Die Abstimmungen über die obigen Anträge waren vorsehbar, obwohl ich etwas anderes erhofft hatte. Es wird alles wie bisher weitergehen und eher schlechter als besser werden.
Die Geldökonomie wird weiter alles bestimmen. Herman Daly bringt das in einem Artikel von David Korten im YES!Maganzine folgendermaßen auf den Punkt: Wir gehen mit der Erde um, als ob sie sich in Liquidation befände.
Daß ich mich über prinzipiellen Fragen und nicht über die Probleme von bis zu 25Jährigen mit Hartz IV Sanktionen ausgelassen habe, bitte ich diese mir nachzusehen. Es geht natürlich nicht um gleiches Sanktionsrecht für alle, sondern um Abschaffung aller Sanktionen. Ich kann Euch nur sagen, macht Euch für die Piraten stark, mischt bei denen mit, dann sieht es im Bundestag etwas anders aus.
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