Initiative Pro Netzneutralität

Pressemeldung zu Standing Rock

23.11.2016 22:33


Szene am 20.11.2016, Vorabend des Geschehens
© Foto: Dark Sevier CC: BY-NC via flickr 


ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG
22. November 2016, 9 Uhr CST (USA)

Kontaktinfo zur Spamvermeidung weggelassen, Quelle siehe unten

Herausgegeben vom Rat der Mediziner und Heiler des Standing Rock Dakota Access Pipeline Widerstands-Camps
Übersetzung: BrunO

Am 21. November wurde als direkte Folge des gewaltsamen Polizeieinsatzes gegen unbewaffnete Menschen, welche die Dakota Access Pipeline ablehnen, eine 21 Jahre alte Frau aus New York City namens Sophia Wilansky schwer verletzt, als eine von der Polizei geworfene Konkussionsgranate [explodiert ohne Splitterwirkung] Ihren Arm traf und explodierte. Sophia war gerade dabei, unbewaffneten Leuten Wasser zu bringen, die seit mehreren Stunden von Einsatzkräften des Morton County Sheriffs angegriffen worden waren. Die Dienststelle des Morton County Sheriffs hat erklärt, sie wäre durch eine angebliche Propangasexplosion verletzt worden, die laut deren Behauptung von den unbewaffneten Leuten verursacht worden wäre. Diese Behauptungen werden durch die Schilderung von Sophia und durch mehrere Augenzeugen widerlegt, welche die Polizei beobachteten, wie sie absichtlich Konkussionsgranaten auf unbewaffnete Menschen warf, desweiteren durch das Nichtvorhandensein von Verkohlungen an der Wundstelle und durch die Granatenteile, die bei einer Operation aus ihrem Arm entfernt wurden und die für eine gerichtliche Aufarbeitung gesichert werden.

Es gelang, Sophia aus Nord-Dakota heraus zu holen und zu einer Notoperation zu bringen. Sie ist in stabilem Zustand. Es folgt ihr Statement, wie es von ihrem Vater, Rechtsanwalt Wayne Wilansky, übermittelt wurde:

"Um etwa 4 Uhr 30 früh, nachdem die Polizei die Brücke mit Wasserwerfern, Gummigeschossen und Pfefferspray beschossen hatte, schmissen sie ein paar Konkussionsgranaten, die nicht dafür vorgesehen sind, direkt auf Menschen geworfen zu werden, auf die Protestierenden oder Protektierenden, wie sie genannt werden wollen. Eine Granate explodierte in dem Augenblick, als sie Sophia am linken Vorderarm traf und riß einen Großteil der Unterseite ihres linken Armes mit sich. Sowohl ihre Radialarterie als auch ihre Ellenarterie (Arteria ulnaris) sind vollständig zerstört. Ihre Speiche (Radius) wurde zerschmettert und ein großes Stück davon fehlt. Auch von ihrem Mittelarmnerv (Nervus medianus) fehlt ein großer Abschnitt. Die gesamte Muskulatur und das Weichgewebe zwischen ihrem Ellbogen und Handgelenk wurden weg gesprengt. Die Polizei tat dies nicht aus Versehen - es war ein absichtliches Vorgehen, [die Granate] direkt auf sie zu werfen. Genau so schoß die Polizei den Leuten [Gummigeschosse] mit der Absicht in's Gesicht und in den Unterleib, möglichst großen Schaden anzurichten. Sophia wird morgen wieder operiert, da Schritt für Schritt versucht wird, so etwas wie einen funktionierenden Arm und eine funktionierende Hand wieder aufzubauen. Bei der ersten Operation wurde eine Vene aus ihrem Bein entnommen und in ihren Arm als Ersatz für die fehlenden Arterien eingepflanzt. Sie wird mehrere Operationen benötigen, um zu versuchen, eine gewisse Brauchbarkeit von Arm und Hand zu gewinnen. Sie wird für alle Zeit jeden Tag fürchten müssen, ihren Arm und ihre Hand zu verlieren. Keine Worte können den Schmerz beschreiben, wenn ich meine Tochter weinend sagen sehe, daß ihr der Kummer Leid tut, den sie mir und meiner Frau bereitet hat. Ich bin heute tausend Tode gestorben und das wird für längere Zeit so bleiben. Ich finde keine passenden Worte, um die Beklemmung zu beschreiben, wenn ich zusehe, wie sie ihren nun ihr fremd gewordenen Arm und ihre Hand anschaut."

Es gibt eine verifizierte, von Freunden eingerichtete Spendenaktion zu ihrer Wiederherstellung:
https://www.gofundme.com/30aezxs

Der Rat der Mediziner und Heiler von Standing Rock bedauert den anhaltenden Einsatz von Gewalt durch den Staat von Nord-Dakota, als Reaktion auf die Sorgen von abertausenden von Menschen, die sich friedlich versammelt haben, um auf das Recht auf sauberes, gesundes Trinkwasser zu bestehen.

Wasser ist Leben, Mni Wiconi

Unterzeichner:

Linda Black Elk, PhD, Ethnobotanist, Sitting Bull College
Michael Knudsen, MPH candidate, Standing Rock Medic & Healer Council
Noah Morris, EMT
Amelia Massucco, RN
John Andrews, RN
Kristina Golden, EMT, herbalist
Sebastian Rodriguez, RN
Rosemary Fister, RN, MNPHN, DNP Candidate
Rupa Marya, MD, DoNoHarm Coalition, University of California – San Francisco
David Kingfisher, MD, JD, Wichita State University
Jesse Lopez, MD, Heartland Surgical Care
Kalama O Ka Aina Niheu, MD, Aha Aloha Aina
Howard Ehrman, MD, MPH, University of Illinois - Chicago
Geeta Maker-Clark, MD, University of Chicago
Elizabeth Friedman, MD
Vanessa Bolin, ALS Paramedic

Quelle:
https://docs.google.com/document/d/1sU15VLnlJlEdVB4H6SmLaQ2gQ25mtSjpFpVu4daGVTE/preview


Hashtags auf Twitter:
#NoDAPL
#StandingRock
#IdleNoMore
(Keine Anmeldung zum Lesen erforderlich)



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Erstellt: 23.11.2016 22:33
Geändert: 23.11.2016 22:33
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=148

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Falls Donald Trump seine politischen Vorhaben verwirklicht, muß er sich vor Gericht verantworten

12.11.2016 00:13


Autor: Anthony D. Romero, ACLU Geschäftsführer, 09.11.2016
Übersetzung: BrunO


© Foto: Gage Skidmore CC: BY-SA via flickr 

Heute früh wurde Donald J. Trump als der 45. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt und ACLU hat eine Nachricht an ihn.

Gewählter Präsident Trump, da Sie das höchste Amt der Nation übernehmen, legen wir Ihnen dringend nahe, bestimmte Wahlversprechen die Sie gemacht haben zu überdenken und Ihren Kurs zu ändern. Dazu gehört Ihre Absicht, Einheiten zur Deportation von 11 Millionen nicht dokumentierter Migranten aufzustellen; desweiteren, die Einreise von Muslimen in unser Land zu verbieten und sie aggressiv zu überwachen; Frauen die abtreiben lassen zu bestrafen; Waterboarding und andere Formen der Folter wieder zu legalisieren; sowie die Beleidigungsgesetze unseres Landes zu ändern und die freie Meinungsäußerung einzuschränken.

Diese Vorhaben sind nicht einfach nur unamerikanisch und fehlgeleitet, sie sind ungesetzlich und verfassungwidrig. Sie verletzen die erste, vierte, fünfte, achte und vierzehnte Verfassungsnovelle. Wenn sie nicht einlenken und stattdessen Anstrengungen unternehmen, diese Wahlversprechen Wirklichkeit werden zu lassen, werden Sie bei allem was Sie tun gegen die volle Schlagkraft von ACLU ankämpfen müssen. Unser Stab aus Prozeßanwälten und Aktivisten aus allen Bundesstaaten, sowie tausende Freiweillige und Millionen eingetragene Mitglieder und Unterstützer stehen bereit, gegen jeden Eingriff in unsere wertgeschätzten Freiheiten und Rechte zu kämpfen.

Eines ist sicher: Wir werden an jedem Tag Ihrer Präsidentschaft ohne Unterlaß wachsam sein. Und wenn Sie das Oval Office verlassen, werden wir mit Ihrem Nachfolger genau so verfahren, so wie wir es während der 100 Jahre unseres Bestehens getan haben. Die Verfassung und der Rechtsstaat sind stärker als jede Person. Wir werden dafür sorgen, daß es so ist. Wir werden nie klein bei geben.


Aktion für US-Bürger und weitere Informationen (Englisch):


Übersetzung mit freundlicher Genehmigung. Für diese gilt das Lizenzmodell dieses Blogs ausdrücklich nicht! URL des Originaltextes siehe unten.

Copyright 2016 American Civil Liberties Union
Originally posted by the ACLU at
https://www.aclu.org/blog/speak-freely/if-donald-trump-implements-his-proposed-policies-well-see-him-court


ACLU auf Twitter: @ACLU



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Erstellt: 12.11.2016 00:13
Geändert: 12.11.2016 11:32
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Klimaerwärmung grafisch veranschaulicht

03.09.2016 14:07


In einem Blogpost veröffentlichte der Klimaforscher Ed Hawkins am 24.08.2016 die obige (anklickbare) Grafik. Er ist am NCAS (National Centre for Atmospheric Science) der University of Leeds (UK) tätig.

Diese Darstellung mittels Small Multiples zur Datenvisualisierung basiert auf relativen Temperaturabweichungen, nicht auf absoluten Temperaturen. Die Zweitspanne zwischen 1961 bis 1990 dient als Referenz. Die Daten reichen wie zu sehen ist von 1850 bis 2016. Jede Einzelgrafik stellt einen miniaturisierten Wärmeatlas dar. Blau symbolisiert Temperaturabweichungen nach unten, Rot nach oben. Liegen für eine Region weniger als 6 Monate mit Daten vor, die von der Referenz abweichen, ist sie grau dargestellt.

Die Gesamt-Tendenz der Klimaerwärmung ist auf einem Blick zu sehen. Ein genauerer Blick zeigt eine Klimakurve mit Unter- und Überschwingern, wie man sie aus der Regelungstechnik kennt. Von 1880 bis 1910 kühlte es offenbar ab, obwohl in dieser Phase auch Regionen mit zunehmender Erwärmung zu erkennen sind. Eine relative Abkühlung ist auch zwischen 1950 und 1970 angedeutet.

Das Klima kämpft um ausgeglichene Temperaturen, aber der törichte Mensch in Gestalt rücksichtsloser Absahner ist stärker. Und es ist natürlich genau so unsere Bequemlichkeit dies zuzulassen, anstatt umweltfreundlichere Technologien zu fordern und notfalls etwas mehr Geld für sie auszugeben oder auf das ein oder andere zu verzichten. Auf Dauer werden wir den Kürzeren ziehen und unsere Lebensgrundlagen zerstören. Ich gebe der Menschheit keine weiteren 1000 Jahre. Warum sollte sich die Religion der Gier in unserer Ökonomie plötzlich ändern? Warum soll das auf der UN-Klimakonferenz vereinbarte Ziel erreicht werden, die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten?

Link zur Datenquelle und Originalauflösung der Grafik sind im Originalpost zu finden, welcher unter CC BY-SA veröffentlicht wurde.

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Erstellt: 03.09.2016 14:07
Geändert: 03.09.2016 14:07
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=146

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Unzulässige Richtervorlage zur Verfassungswidrigkeit von Arbeitslosengeld II Sanktionen

03.06.2016 10:53


© Foto: yoni sheffer CC: BY-NC-ND via flickr 

Am 26. Mai 2015 beschloß das Sozialgericht Gotha, das Klageverfahren eines Betroffenen auszusetzen, um dem Bundesverfassungsgericht die Frage vorzulegen, ob die Sanktionsregelung nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II) mit Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1, Art. 12 Abs.1 GG sowie mit Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG vereinbar ist. Es ging von der Verfassungswidrigkeit der Hartz IV Sanktionen aus.

Am 02.06.2016 hat das Bundesverfassungsgericht eine Presseerklärung zu seiner Entscheidung vom 06.05.2016 veröffentlicht. Es lehnt die Richtervorlage aus Gotha als unzulässig ab.

Kernsatz ist für mich: "Es fehlt (jedoch) an einer hinreichenden Begründung, warum die Verfassungswidrigkeit der §§ 31 ff. SGB II im Ausgangsverfahren entscheidungserheblich sein soll."

Im Klartext heißt das, ob Hartz IV Sanktionen verfassungswidrig sind, interessiert in dem ausgesetzten Verfahren nicht. Vielmehr müsse geklärt werden, ob die Sanktionsbescheide gegen den Kläger formal korrekt waren.

Dafür kann man das Verfassungsgericht nicht rügen. Es prüft eben nicht automatisch die vorgelegte Frage, sondern welcher Entscheidungsbedarf in dem zugrunde liegenden Verfahren besteht und ob diese Entscheidung nicht vom vorlegenden Gericht selber getroffen werden kann. Dem Kläger wäre gegebenenfalls mit einer Aufhebung der Sanktionen geholfen gewesen. Was wäre aber, wenn das Sozialgericht Gotha die Sanktionen zwar für nach geltendem Recht korrekt erteilt, die Sanktionspraxis aber trotzdem für verfassungswidrig befunden hätte? War die Richtervorlage einfach nur ungeschickt formuliert oder zu früh vorgelegt?

Ich möchte keinem der beiden Gerichte die Verantwortung für den Mißerfolg zuschreiben. Dieser Vorgang zeigt leider, wie schlecht unser System funktioniert und daß ohne ausreichend öffentlichen Druck nichts von selber besser wird. Viel schlimmer finde ich, daß diese Entscheidung, nicht über die Verfassungsmäßigkeit von Sanktionen zu entscheiden, bei Betroffenen oder Interessenvertretern so gut wie keine unmittelbaren Reaktionen ausgelöst hat.

Liegt es daran, daß noch weitere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes zu der Frage anstehen, ob die Jobcenter bis zum Entzug der Existenzgrundlage sanktionieren dürfen? Oder haben die meisten längst ihre Hoffnungen aufgegeben und erwarten von unserem höchsten Gericht nichts mehr? So wie manche nichts mehr von Wahlen, Parteien oder Demokratie an sich halten? War ich der Einzige, der auf diese Entscheidung gewartet und Hoffnungen mit ihr verbunden hat?

Welcher Druck würde von uns allen fallen, wenn wir endlich Schwarz auf Weiß hätten, daß Hartz IV Sanktionen grundgesetzwidrig sind. Dies würde auch die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen voran bringen, damit wir endlich mal ein soziales Problem lösen und uns als Gesellschaft ein Stück weiter entwickeln.

Stattdessen scheint die Entwicklung zu einer sozialeren Gesellschaft eher zu stagnieren. Das Tempo kann sich sogar noch verlangsamen oder Entwicklungen können rückwärts gehen. Je nach dem, ob in Zukunft mutige oder nur systemkonforme Menschen für das Amt als Verfassungsrichter berufen werden oder ob rechte, rückwärtsgewandte, menschenverachtende Einstellungen noch mehrheitsfähiger werden, als sie beschämenderweise schon sind.

Ich könnte nun schreiben, wie masochistisch man sein muß, oder wie frustrierend es für einigermaßen gut informierte Menschen ist zu wissen, daß wir mit unserer Kreativität außer der Halbwertszeit von Plutonium fast alle Probleme lösen könnten und daß alle Menschen auf diesem Planeten ein naturgegebenes Recht auf ein gutes Leben haben, sofern die Regeln unseres Zusammenlebens auf Chancengleichheit und Partizipation beruhen sollen. Doch was ändert das bloße Jammern?

Genau so gut könnte ich mir den Text der Entscheidung des hohen Gerichtes ansehen und eine Analyse schreiben. Bin mir nicht sicher, ob ich dabei mehr zustande brächte, als es andere hoffentlich noch tun werden. Ich weiß auch nicht, ob es hier jemand liest, so selten wie ich mich zu Wort melde.

Warten wir also ab, wie die noch ausstehenden Entscheidungen ausfallen werden und hören wir nicht auf, unsere Utopien von einer gerechteren Welt zu verbreiten. Je größer der Kontrast, desto besser ist etwas zu sehen.


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Erstellt: 03.06.2016 10:53
Geändert: 03.06.2016 10:53
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=145

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Experten fordern US-Behörden auf, das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid neu zu bewerten

20.02.2016 00:13

Autor: Brian Bienkowski für Environmental Health News, 17.02.2016
Übersetzung: BrunO




© Foto: Oregon Department of Agriculture CC: BY-NC-ND via flickr 
Historische Aufnahme, Pendelton, undatiert. Getreideanbau, Sprayen von Agro-Chemikalien.


Ein am Dienstag (16.02.2016) veröffentlichtes wissenschaftliches Gutachten warnt, daß der Einsatz von Glyphosat extrem zugenommen habe und in den 20 Jahren seit der Einführung von gentechnisch manipulierten Nutzpflanzen ("Roundup Ready"/für Roundup vorbereitet) auf das Fünfzehnfache angestiegen ist. Die Gesundheitsbehörden der Regierung haben nach ihrer Ansicht versagt genau zu überwachen, wieviel des Herbizids in die Nahrung und die Körper der Menschen gelangt und welche Folgen das für unsere Gesundheit haben könnte.

"Es ist an der Zeit, Wissenschaft und Regulierungsbehörden der Welt aufzufordern, einen neuen, umfassenden Blick auf Glyphosat zu werfen, da jeder auf diesem Planeten damit belastet ist oder belastet werden wird", sagt Senior-Autor Charles Benbrook, ein Agro-Ökonom und Berater der Benbrook Consulting Services.

Wie aus dem Gutachten hervorgeht, nahm der Einsatz von Glyphosat als Bestandteil von Herbiziden seit seiner ersten Verwendung in den 70er Jahren exponentiell zu. Die im Journal "Environmental Health" veröffentlichte Studie wurde von 14 überwiegend universitären Gesundheitsforschern verfaßt. Pete Myers, Gründer und Chefwissenschaftler von Environmental Health Sciences und Herausgeber von EHN.org, war der Hauptautor des Berichtes.

Glyphosat, als Roundup am allerbesten bekannt, jedoch unter einer Vielzahl an Markennamen auf dem Markt, ist die am meisten verwendete landwirtschaftliche Chemikalie der Weltgeschichte. Weltweit wurden seit 1974 grob 9,4 Millionen Tonnen der Chemikalie auf Felder gesprüht. Fast 75 Prozent dieses Einsatzes fand nach einem anderen Bericht, den Benbrook bereits in diesem Monat (Februar 2016) veröffentlicht hat, in den letzten 10 Jahren statt.

Diese Zunahme bedeutet nach Aussage der Wissenschaftler, die sich mit diesen Daten befaßten, daß die Benchmarks und Grenzwerte der Regierung dem tatsächlichen Belastungsrisiko hinterher hinken. Das gilt gleichermaßen für die Öffentlichkeit wie die Umwelt.

Bundesgesundheitsbehörden wie das U.S. National Toxicology Program, die U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind, wie es im Bericht heißt, nicht auf dem neusten Stand.

"Seit den späten 80ern wurden nur ein paar wenige Studien an die US-Umweltbehörde (EPA/Environmental Protection Agency) übermittelt, die zur Identifikation und statistischen Erfassung von Gesundheitsrisiken für den Menschen relevant waren", so schrieben die Autoren und ergänzten, daß solche Bewertungen gemäß dem "aktuellen wissenschaftlichen Stand" erfolgen sollten.

Die Wirkung von Glyphosat, Hauptbestandteil vieler Unkrautvernichtungsmittel, beruht überwiegend auf der Hemmung eines Enzyms, das in Säugetieren nicht vorkommt, deshalb wurde ursprünglich angenommen, die Chemikalie wäre für Menschen und andere Wirbeltiere mit einem geringen Risiko verbunden.

Trotzdem gab es zunehmend Belege, daß eine Belastung mit Glyphosat alles andere als harmlos sein könnte. Das US-Landwirtschaftsministerium fand 2011 in 90% von 300 Proben Glyphosat in Sojabohnen, die britische Food Standard Agency stellte es 2012 in 27 von 109 Brot-Proben fest.

Glyphosat wurde mit Leber- und Nierenproblemen als auch Geburtsfehlern in Verbindung gebracht und es stellt eine Gefahr für die störungsfreie Funktion von Hormonen dar. Seit ein paar Jahren hegen Forscher zunehmend den Verdacht, es könnte zumindest teilweise etwas mit der weitverbreiteten Epidemie von Nierenerkrankungen in Sri Lanka und Teilen von Indien als auch Zentralamerika zu tun haben.

Im März des letzten Jahres hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheits-Organisation (WHO) den Status von Glyphosat von einem "möglichen" Krebserreger zu einem "wahrscheinlichen" geändert.

Eine der Hauptunzulänglichkeiten die im Bericht festgestellt werden ist, daß nicht auf endokrine Disruption getestet wird, sagte Frederick vom Saal, Biologe an der University of Missouri und Co-Autor der Arbeit. Es gibt eine zunehmende Evidenz, daß Glyphosat menschliche Hormone beeinträchtigen kann, was zahlreiche spätere Gesundheitsfolgen nach sich ziehen kann.

Die Standardtests der Behörden bestehen überwiegend darin, Labortiere hohen Dosen einer Chemikalie auszusetzen und anschließend nach auffälligen Folgen zu suchen, wie etwa Gewichtsveränderungen von Organen oder andere Fehlfunktionen, sagte vom Saal. "Es wird sehr wenig unternommen, Entwicklungsprobleme zu untersuchen."

Die in den 70er Jahren zur Zulassung von Glyphosat durchgeführten Studien waren "sehr bescheiden", sagte Benbrook. "Dosen in sehr hohen Bereichen sind problematisch, da die Forschung zu Entwicklungsproblemen in Zusammenhang mit endokriner Disruption wiederholt gezeigt hat, daß Chemikalien bei sehr viel niedrigeren Werten sehr subtile Wirkungen haben können", sagt er.

Die US-Umweltschutzbehörde (EPA) stellte in Juni 2015 in einem Bericht (PDF-Link) fest, daß es für Glyphosat als endokriner Disruptor "keine überzeugende Evidenz" gäbe.

EPA-Sprecher Robert Daguillard sagte, die Behörde wird den neuen Bericht prüfen und wies weiter darauf hin, daß sie gerade dabei wären, erste Risikoabschätzung zu Gesundheit und Umwelt abzuschließen, welche voraussichtlich 2016 zur öffentlichen Anhörung publiziert werden.

Die Gesundheitsbedenken stehen mit zunehmendem Gebrauch und allgegenwärtiger Exposition in direktem Zusammenhang. Während der letzten zehn Jahre war Glyphosat stets Teil der Debatte um genetisch veränderte Nahrungsmittel, da das meiste Saatgut von Firmen wie Monsanto, Hersteller des populärsten Glyphosat-Herbizids, genetisch dahingehend verändert ist, das Herbizid zu tolerieren.

Wenn Nutzpflanzen wie Mais und Sojabohnen über eine derartige Immunität verfügen, können Bauern ihre Felder komplett besprühen. Dies hat einen Teufelskreis in Gang gesetzt, in welchem Unkrautpflanzen zunehmend gegen die Herbizide resistent werden, was immer mehr Sprühen erforderlich macht.

"Das geographische Ausmaß und die Heftigkeit der Herausforderungen, mit denen die Unkrautkontrolle weltweit durch das Aufkommens und die Verbreitung von Glyphosat-resistentem Unkraut konfrontiert wird, ist etwas noch nie Dagewesenes", schrieben die Autoren.

Glyphosat-Herbizide haben sich als kontrovers erwiesen und sind erst kürzlich unter Druck geraden. Letzte Woche haben 35 Demokraten im Repräsentantenhaus einen Brief (PDF-Link) an die EPA geschrieben und die Behörde gedrängt, in Anbetracht der Krebs-Bewertung der WHO eine neue Risikoeinschätzung des Glyphosat-Herbizids Enlist Duo von Dow Chemical Co. durchzuführen.

"Die EPA hat Enlist Duo zugelassen, ohne diese Krebs-Bewertung zu berücksichtigen und ohne eine einzige der Studien zum Krebsrisiko durch Glyphosat zur Kenntnis zu nehmen, die in den letzten zwanzig Jahren veröffentlicht worden sind", schrieben die Abgeordneten unter Führung der Repräsentanten Earl Blumenauer und Peter DeFazio.

Dow Chemical Co. hat auf eine Bitte um Stellungnahme zur aktuellen Studie nicht geantwortet. Die Monsanto-Sprecherin Charla Marie Lord antwortete per Email, daß die Bedenken der Studie nicht mit dem übereinstimmen, was Regulierungsbehörden festgestellt hätten.

"Keine Regulierungsbehörde auf der Welt hält Glyphosat für ein Karzinogen", meinte sie. "Regulierungsbehörden hatten keinerlei Bedenken bezüglich Gesundheit gehabt, welche solche Untersuchungen notwendig machen würden, wie sie die Autoren dieser Arbeit vorschlagen."

Der Konzern erhob Januar 2016 eine Klage gegen das kalifornische Amt zur Abschätzung von umweltbedingten Gesundheitsgefahren (Office of Environmental Health Hazard Assessment), deren Zweck darin besteht zu verhindern, daß Glyphosat in die staatliche Liste bekannter Karzinogene aufgenommen wird.

Niemand weiß, welche Wirkung ein Statement einer Gruppe von Wissenschaftlern auf die Bundespolitik haben kann. Doch vom Saal sagte, selbst wenn die EPA ihre Testmethoden nicht verändert, könnte dieses progressivere Staaten wie Kalifornien zum Handeln anregen.

Benbrook sagte, ein zeitgemäßer, von unabhängigen Wissenschaftlern durchgeführter Test ist längst überfällig.

"Schön wäre, wenn sie nichts fänden und wir wie gehabt weitermachen könnten", sagte Benbrook. "Doch selbst wenn es nur eine geringe Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Auswirkungen gibt und es jeden Menschen auf diesem Planeten betrifft, sollte uns das zur Vorsicht veranlassen."



Der Originaltext "Experts call on feds to re-evaluate the world’s most heavily used herbicide" wurde unter CC: BY-SA veröffentlicht. Für diese Übersetzung gilt das Lizenzmodell dieses Blogs CC: BY-NC-SA.



Twitter-Links:
Der Autor: @BrianBienkowski
EHN: @EnvirHealthNews
Peter Myers: @petemyers
Charles Benbrook: @chuckbenbrook


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Erstellt: 20.02.2016 00:13
Geändert: 22.02.2016 18:53
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