Initiative Pro Netzneutralität

Bienen in der Stadt

12.02.2015 15:35


© Foto: greg lilly CC: BY-NC via flickr 


Am 11. Februar 2015 wurde in den Proceedings B der Royal Society die Studie "Where is the UK's pollinator biodiversity? The importance of urban areas for flower-visiting insects"* von Katherine C. R. Baldock, Mark A. Goddard, et al (DOI: 10.1098/rspb.2014.2849) veröffentlicht, welche zu einem erstaunlichen Ergebnis kommt. Im städtischen Grün findet man genau so viele Pollinatoren, also bestäubende Insekten, wie in der freien Natur.
*Wo findet man die Biodiversität der Pollinatoren in Großbritannien? Die Bedeutung städtischer Bereiche für Blüten besuchende Insekten

Die Forscher verglichen drei Landschaftstypen: Stadtraum, landwirtschaftlich genutzte Flächen und Naturschutzgebiete. In jeweils 12 solcher "Landschaften" wurden mit Hilfe eines Netzwerkes aus Meßpunkten bestäubende Insekten auf einer Fläche von einem Quadratkilometer stichprobenartig gezählt. Dazu gehörten Wildbienen, Hummeln, Honigbienen, solitäre Bienen und Schwebfliegen. In allen drei Landschaftstypen gab es ungefähr die selbe Vielfalt an bestäubenden Insekten. Es gab auch ungefähr gleich viele Bienen, im städtischen Raum wurden jedoch mehr Bienenarten festgestellt, so auch mehr Wildbienen. Dagegen gab es auf Ackerland und in Naturreservaten mehr Schwebfliegen als in der Stadt. Seltenere Insektenarten kamen in allen drei Landschaftstypen ungefähr gleich häufig vor.

Ebenso erstaunlich ist, daß in der Stadt die den Insekten zur Verfügung stehende Pflanzenvielfalt am größten ist. Ich hätte eher auf Naturschutzgebiete getippt.

Diese Studie zeigt, wie wichtig die Stadt für das Überleben der Bienen geworden ist. Ohne die von Bienen erbrachte Arbeit der Bestäubung, sähe das Angebot an Obst und Gemüse ein wenig bescheidener aus, als wir es gewohnt sind.

Obwohl es die Chemie-Lobby anfänglich geschafft hatte, der Öffentlichkeit weiß zu machen, daß einzig die Varroamilbe und damit eigentlich das Unvermögen langjährig erfahrener Imker dafür verantwortlich wäre, daß immer weniger Bienenvölker den Winter überleben, sind die Zusammenhänge mittlerweile besser bekannt. Längst werden Neonicotinoide in Pflanzenschutzmitteln für das Sterben von Bienen und anderen bestäubenden Insekten verantwortlich gemacht. Die EU-Kommission hat zum vorsorglichen Schutz von Bienen die Verwendung der neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam ab dem 1. Oktober 2013 stark eingeschränkt.

Eine neuere Studie, Christopher Moffat, Joao Goncalves Pacheco, et al (DOI: 10.1096/fj.14-267179), hat sogar einen Wirkzusammenhang aufgezeigt und eine Schädigung der Mitochondrien in Hirnzellen durch Neonicotinoide bei Hummeln nachgewiesen, was sich direkt auf deren Verhalten und Überlebensfähigkeit auswirkt. Dies wurde mit Feldversuchen in pestizidfreier Umgebung im Schottischen Hochland belegt. Zuvor haben zahlreiche andere Studien das Bienensterben (auch CCD - Colony Collapse Disorder genannt) mit Neonicotinoiden in Zusammenhang gebracht. Die EU-Kommission will nach Ablauf von zwei Jahren die wissenschaftliche Literatur erneut prüfen und wird hoffentlich Neonicotinoide dauerhaft verbieten.

Leider muß man sich um deren Unabhängigkeit Sorgen machen. So wurde erst Anfang Februar 2015 bekannt, daß ein Bericht, der möglicherweise das Verbot von bis zu 31 Pestiziden wegen endokriner Eigenschaften zur Folge gehabt hätte, zurückgehalten wurde.

Aufgrund der anfangs vorgestellten Studie wissen wir nun aber, daß wir selbst in der Stadt etwas für die unter Druck stehende Bienenpopulation tun können. So sollten wir politisch Einfluß darauf nehmen, daß unser Stadtgrün noch bienenfreundlicher gestaltet wird. Wer einen Garten hat, kann dies selber tun und sollte vor allem auf den Einsatz von Chemie verzichten. Doch auch wer einen Balkon oder sogar nur einen Blumenkasten auf dem Fensterbrett hat, kann einen kleinen Beitrag leisten. Welche Pflanzen dafür am besten geeignet sind, läßt sich durch eine Recherche leicht herausfinden.

Besonders sympathisch finde ich, daß das Hotel Westin Grand hier in Berlin seit 2013 auf seinem Dach ein paar Bienenvölkern ein Zuhause bietet. Da der nahe gelegene Boulevard "Unter den Linden" tatsächlich von vielen Linden gesäumt wird und der Tiergarten nicht weit ist, finden diese Bienen reichlich Nahrung und haben weniger Pestizide als auf dem Land zu fürchten.

Seit 2009 gibt es im Prinzessinnengarten Stadtbienen. Es wurden aber auch schon Wildbienen gesichtet. Desweiteren gibt es Veranstaltungen für Bienenfreunde und potentielle Bienenhalter in der Stadt.

Seit 2011 läuft die Aktion "Berlin summt", Teil der bundesweiten Kampagne "Deutschland summt!". U.a. werden Bienenvölker auf "prominenten" Dächern bekannter Gebäude abgestellt.

Nach Auskunft des Imkerverbandes soll es in Berlin über 800 Stadtimker und damit sicher mehr Bienen als Einwohner geben. Wer Bienen auf dem Balkon halten möchte, kann bei der BienenBox einen Bausatz bestellen.

Oder wie wäre es mit einem Insekten Hotel im Garten?



Ein paar Links zu Studien und Berichten habe ich hier gesammelt:
www.ufocomes.de/sources/bee_links.html - Siehe auch meinen Eintrag von 26.01.2015
(Bitte herunterladen, nicht verlinken. Danke!)


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Erstellt: 12.02.2015 15:35
Geändert: 20.02.2015 19:18
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Ist ihre Kaffeemaschine giftig?

10.02.2015 02:46

Autor: Anastasia Pantsios für EcoWatch, 2. Februar 2015
Übersetzung: BrunO



© Foto: Sten Dueland CC: BY-SA via flickr 


Für viele Menschen ist die köstlich duftende Tasse Kaffee entscheidend, um den Tag auf dem richtigen Fuß zu beginnen. Auch hat man uns beigebracht, daß (nicht übermäßiges!) Kaffeetrinken gut für die Gesundheit sein kann. Eine 2012 im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie hat ergeben, daß Menschen die Kaffee trinken länger leben als solche, die dies nicht tun - vorausgesetzt sie rauchen nicht.

Natürlich ist dies nicht ganz so einfach. Welchen Kaffee sollen wir trinken? Fair Trade und aus Bioanbau sind sicherlich für uns und den Planeten am besten.

Doch Toxine können über eine weitere Quelle in Ihren Kaffee gelangen, an die Sie vielleicht bisher wenig gedacht haben: Ihre Kaffeemaschine. Während Sie versucht haben, sich für eine der vielen, möglichen Zubereitungsmethoden zu entscheiden, weil die Kaffeezubereitung mittlerweile so etwas wie eine zeitgenössische Kunstform geworden ist, haben sie vielleicht nicht bedacht, daß die Kaffeemaschine selbst toxisch sein könnte.

Vielen Kaffeetrinkern ist unmittelbar nach dem Kauf ihrer neuen Kaffeemaschine aufgefallen, daß ihr Kaffee merkwürdig nach Plastik schmeckt. Dies ist ein Hinweis, daß etwas in Ihren Kaffee gerät, das nicht aus den Kaffeebohnen kommt. Es wird immer mehr darüber bekannt, daß Plastikbehälter unterschiedlicher Art Chemikalien an - was auch immer sie enthalten - abgeben können, insbesondere wenn es sich um heiße Flüssigkeiten handelt. Bisphenol A (BPA), das zu reproduktiven Störungen wie Unfruchtbarkeit und sogar zu einigen Typen von Krebserkrankungen [und zu Diabetes 2] führen kann, wurde sowohl in einer Vielzahl von Plastikgegenständen als auch in den Beschichtungen von Konservendosen nachgewiesen.

Da sich diese Information immer mehr verbreitet hat, entfernen viele Hersteller BPA aus Produkten, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Dazu gehören die Hersteller einiger Plastik-Kaffeekannen, die ihre Produkte als BPA-frei bewerben. Doch viele Kaffeemaschinen aus Plastik sind nicht gekennzeichnet, deshalb kann man nicht wissen, ob sie BPA-frei sind. Und Firmen die damit werben, daß ihre Produkte BPA-frei sind, ersetzen diese Chemikalie unter Umständen mit einer anderen, die nicht weniger bedenklich für uns ist.

Das Sicherste was man tun kann ist, nach einem Kaffeezubereiter ohne Plastikteile zu suchen, oder wenigstens ohne solche, die mit dem Inhalt der Kaffeekanne in Berührung kommen. Das kann heißen, die Art wie Sie Ihren Kaffee zubereiten, neu zu überdenken. Während Einportion- und Tropfbrüh-Kaffeemaschinen die bequemsten sind, gehören diese auch zu jenen, die am allerwahrscheinlichsten überwiegend aus aus Plastik hergestellt werden.

Doch es gibt andere Arten von Systemen zur Kaffeezubereitung die eher aus Glas und rostfreien Stahl gemacht sind - sehr viel sicherere Optionen, wenn Sie wegen schädlichen Chemikalien im Kaffee besorgt sein sollten. Der altmodische Perkolator den Ihre Großmutter benutzt hat, ist eines von diesen. Wenn sie ihn nicht weg geworfen hat, nachdem sie sich eine Maschine aus Plastik gekauft hat, sichern Sie sich diesen! Diese vintagemäßigen Kaffeekannen aus Metall mögen globig aussehen, doch sie können als sicher erachtet werden, sofern sie aus rostfreiem Stahl bestehen und nicht aluminiumbeschichtet sind. Es sind auch einige neuere Modelle auf dem Markt, falls Sie den von Ihrer Großmutter nicht mehr finden können.

Bei vielen der neuen, trendigen Arten der Kaffeezubereitung kommen ebenfalls plastikfreie Gerätschaften zum Einsatz. Mit ihren gläserenen Karaffen und rostfreien Stahlgewebe-Filtern lassen die schicken französichen Kaffeepressen Kunststoff ganz außen vor. Das Prozedere ist etwas komplizierter als Kaffeemaschinen, die man nur einzuschalten braucht. Doch wenn das morgendliche Aufbrühen Ihres Kaffees für Sie ein gemütliches Ritual ist, ist dies eine perfekte Lösung - und viele Leute schwören, daß die fertige Tasse weit überlegen schmeckt.

Es gibt auch ein paar gut bekannte Kaffee-Systeme auf dem Markt, die plastikfrei sind. Eines davon ist die vollständig aus Glas bestehende Kaffeekanne von Chemex. Die vor fast 75 Jahren erfundene Chemex-Kaffeekanne hat Design-Wettbewerbe gewonnen und wird im Museum of Modern Art in New York City permanent ausgestellt. Zu ihren Besonderheiten gehört eine hitzebeständige, blasenfreie Glaskaraffe, eine Manchette aus Holz, ein Filter aus Echtpapier - und kein Plastik.

Porzellan ist eine weitere Alternative zu Plastik. Die in Deutschland hergestellten Kaffeemaschinen und Tassenfilter von Walküre sind bestens bekannt. Ihre Konstruktion erfordert weder einen Papierfilter noch ein Metallsieb. Wie Chemex-Kannen haben sie eine lange Geschichte, die über 100 Jahre zurück reicht. Und wie Chemex wirbt Walküre mit dem überlegenen Geschmack, den das Verfahren bietet.

Es mag ein bißchen mehr Arbeit sein. Doch mit der Gewißheit, daß keine ungesunden Chemikalien in Ihren Kaffee gelangen, mag sich diese lohnen.



Die Rechte für den Original-Artikel "Is Your Coffee Maker Toxic?" als auch für diese Übersetzung liegen bei EcoWatch. Für diese Übersetzung gilt die Standardlizenz dieses Blog ausdrücklich nicht. Einer nichtkommerziellen durch EcoWatch gestatteten Übernahme stimme ich ohne Nachfrage zu.

Disclaimer: Der Artikel enthält kommerzielle Links, für die ich nicht bezahlt werde! Anfragen dieser Art sind unerwünscht und werden nicht beantwortet.


EcoWatch auf Twitter: @ecowatch


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Erstellt: 10.02.2015 02:46
Geändert: 10.02.2015 02:46
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Bleivermächtnis schädigt Blut und Nieren

04.02.2015 19:53

Erythrozyten
Erythrozyten (rote Blutzellen) © Grafik: Maurizio De Angelis 2010
B0007649, Wellcome Images CC: BY-NC-ND 


Immer wieder stellt sich heraus, wie wenig wir die Folgen unserer Technologie im Griff haben. Aus rein technischen Gründen wurde Benzin mit Blei versetzt, damit Automotoren besser laufen. Irgendwann hat sich dies als umweltschädlich und ungesund herausgestellt und obwohl heute Benzin schon sehr lange bleifrei ist, macht uns dieses Blei, das wir nie mehr aus der Umwelt heraus bekommen werden, immer noch Probleme, selbst in Spuren.

Ähnlich verhält es sich mit anderen Schadstoffen, die nicht mehr in Gebrauch sind oder deren Verwendung stark eingeschränkt wurde. Trotzdem werden immer mehr neue Stoffe in die Umwelt freigesetzt, von denen wir noch gar nicht wissen, welche langfristigen Folgen sie haben.

Jene, die daran verdienen, erklären diese Stoffe aufgrund rein toxikologischer Tests für sicher. Solche Tests sagen bestenfalls etwas darüber aus, in welchen höheren Konzentrationen ein Stoff unmittelbare gesundheitliche Folgen hat. Sie sagen nichts über die Schädlichkeit niedriger Dauerbelastungen aus. Sofern sie überhaupt interessenneutral durchgeführt wurden.

Wie der frühere Artikel "BPA Belastung verändert Stammzellen und verringert Spermienproduktion" beschrieb, gibt es sogar Stoffe, die in niedrigen Dosen unmittelbaren Schaden anrichten können. Leider kann BPA noch viel mehr.

Der folgende Artikel stellt einen Erklärungsansatz vor, wie Blei gesunde rote Blutzellen dazu bringt, falsche Signale auszusenden, die ihre vorzeitige Entsorgung zur Folge haben. Aufgrund ihres hohen Eisengehaltes führt dies zur oxidativen Schädigung der Nieren.

Saat der Toxicität? Erythrozyten und bleibedingter Nierenschaden


Autorin: Julia R. Barrett für Environmental Health Perspectives, Februar 2015
Übersetzung: BrunO


Die Kontamination der Umwelt mit Blei hält an, trotz Jahrzehnte stark verminderter Verwendung und Freisetzung des Metalles. Aufgrund dessen werden wir nach wie vor mit Blei gesundheitlich belastet. Die durchschnittlichen Bleiwerte im Blut von Erwachsenen der US-amerikanischen Bevölkerung liegen bei 1–2 μg/dL.1,2 Blei schädigt zahlreiche Organsysteme, die spezifischen Mechanismen der Schädigung sind jedoch nicht immer bekannt. Die Autoren einer neuen in den Environmental Health Perspectives veröffentlichten Studie schlagen eine Hypothese zur Erklärung der Toxizität von Blei in der Niere vor und stützen diese mit detaillierten in vivo und in vitro Daten.1

Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, daß Nierenschäden bei Bleiwerten bis hinunter zu 5 μg/dL auftreten können.2 Besondere Bevölkerunggruppen mit bereits bestehenden Nierenerkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck, mögen durch die Wirkung einer niedrigen Bleibelastung sogar noch stärker gefährdet sein.2,3 Nach in vivo wie auch in vitro Daten ist oxidativer Streß ein Faktor bei bleibedingtem Nierenschaden, doch es war bisher unklar, wie dieser Streß zustande kommt.1,2

In der aktuellen Studie haben die Forscher Beobachtungen aus früheren Studien zu einer überprüfbaren Hypothese verknüpft. Sie zogen die Ablagerung von Eisen - mutmaßlich aus eisenreichen roten Blutzellen (Erythrozyten) - in den Nieren von Individuen mit Nierenerkrankungen in Betracht. Desweiteren berücksichtigten sie die Rolle der Nieren, Erythrozyten aus dem Blutkreislauf zu entfernen, wenn diese alt oder schadhaft werden.

In Verlauf eines Prozesses, der Erythrophagozytose genannt wird, werden alternde Erythrozyten von anderen Zellen umhüllt und abgebaut. Die Erythrophagozytose spielt sich hautsächlich in den Zellen von Milz und Leber ab, aber proximale epitheliale Tubuluszellen in der Niere verfügen ebenfalls über diese Fähigkeit. Das Signal für die Entfernung eines Erythrozyten aus der Blutzirkulation geht von einer Verbindung namens Phosphatidylserin (PS) aus. Bei einem normalen, gesunden Erythrozyten ist PS ein Bestandteil im Inneren der Zelle, ohne direktem Kontakt mit ihrer äußeren Umgebung. Alte und beschädigte rote Blutzellen verlagern das PS allmählich an die äußere Oberfläche. Mitglieder aus diesem Forschungteam haben erst kürzlich herausgefunden, daß Bleibelastung mit einer sprunghaften Erhöhung der Externalisierung von PS verbunden ist, gefolgt von verstärkter Erythrophagozytose in der Milz.4

In dieser Studie stellten die Forscher die These auf, daß Bleibelastung die Anzahl der PS-markierten Erythrozyten erhöht, welche von den proximalen epithelialen Tubuluszellen in der Niere verarbeitet werden. Zusätzlich nahmen sie an, daß sich Eisen aus den Erythrozyten in dem Nierenzellen anhäuft, wo es die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies auslöst, dem ersten Schritt einer oxidativen Schädigung.

Das entgültige biologische Resultat einer toxischen Belastung ist häufig eine Kombination zweier Faktoren - individuelle Reaktionen verschiedener Gewebe und nachfolgender, komplexer Interaktionen veränderter Gewebe - sagt Coauthor Jin-Ho Chung, Professor am College of Pharmacy an der Seoul National University. "Nach unseren Überlegungen muß eine bleibedingte Nephrotoxizität (Nierentoxizität) eher im Kontext der Systembiologie interpretiert werden und nicht isoliert als Schädigung der Niere", sagt Chung.

Chung und seine Kollegen führten eine Reihe von in vitro Experimenten mit HK-2 Zellen5 [menschliche Tubuluszellen der Niere, s.o.] und mit Erythrozyten durch, die aus Blutproben von Freiwilligen gewonnen wurden. Sie zeigten, daß sich die Lebensfähigkeit von mit Blei belasteten HK-2 Zellen ohne anwesende Erythrozyten nicht signifikant von der Lebensfähigkeit unbelasteter HK-2 Zellen unterschied. Doch wenn bleibelastete Erythrozyten zusammen mit unbelasteten HK-2 Zellen kultiviert wurden, phagozytierten (fraßen) die HK-2 Zellen nicht nur die Erythrozyten, sondern wiesen auch eine erhöhte Produktion von reaktiven Sauerstoffspezies auf, sowie verringerte Lebensfähigkeit und eine erhöhte Expression von Genen, die auf einen Nierenschaden schließen lassen.1

Als nächstes wurden die in vitro Ergebnisse mit Ratten überprüft. [Leider immer noch Tierversuche!] Proben aus Blut, Milz und Nierengewebe wurden Ratten entnommen, die über 12 Wochen mit 0 oder 1.000 ppm Blei über das Trinkwasser belastet wurden. Diese wurden biochemisch und histologisch (gewebekundlich) analysiert. Diese Analysen ergaben statistisch signifikante Veränderungen, die mit einem Nierenschaden übereinstimmen. Für ein zweites 12-wöchiges Experiment wurden Gewebeproben von Ratten verwendet, die Trinkwasser mit 0, 250 oder 1.000 ppm Bleiacetat zugeführt bekamen; diese Resultate bestätigten die in vitro Ergebnisse ebenfalls. Die in vivo Resultate stimmten mit zwei Arten von Nephrotoxizität aus epidemiologischen Studien überein: proximale tubuläre Nephropathie und interstitielle Fibrose.1

William McClellan, ein Medizin-Professor der Emory Universität in Atlanta, der an dieser Studie nicht beteiligt war, warnt davor, diese Ergebnisse direkt auf die menschliche Gesundheit zu übertragen. Ferner weist er darauf hin, daß diese Ergebnisse reproduziert werden müssen. McClellan sagt, "Ich denke, wenn man zu vergleichbaren Ergebnissen kommt, wird großes Interesse bestehen, ein paar humane Studien durchzuführen".



Referenzen und Anmerkungen

1. Kwon SY, et al. Erythrophagocytosis of lead-exposed erythrocytes by renal tubular cells: possible role in lead-induced nephrotoxicity. Environ Health Perspect 123(2):120–127 (2015); doi: 10.1289/ehp.1408094.

2. NTP. NTP Monograph: Health Effects of Low-Level Lead. Research Triangle Park, NC:National Toxicology Program, National Institute of Environmental Health Sciences, National Institutes of Health (June 2012). Available: http://ntp.niehs.nih.gov/ntp/ohat/lead/f​inal/monographhealtheffectslowlevellead_​newissn_508.pdf [Zugriff am 14. Januar 2015].

3. Soderland P, et al. Chronic kidney disease associated with environmental toxins and exposures. Adv Chronic Kidney Dis 17(3):254–264 (2010); doi: 10.1053/j.ackd.2010.03.011.

4. Jang WH, et al. Low level of lead can induce phosphatidylserine exposure and erythrophagocytosis: a new mechanism underlying lead-associated anemia. Toxicol Sci 122(1):177–184 (2011); doi: 10.1093/toxsci/kfr079.

5. HK-2 Zellen sind ein Typus menschlicher proximaler epithelialer Tubuluszellen




Empfohlene Zitierweise: Barrett JR. 2015. Seeds of toxicity? Erythrocytes and lead-associated kidney damage. Environ Health Perspect 123:A42; http://dx.doi.org/10.1289/ehp.123-A42

Dieser Artikel wurde von den Environmental Health Perspectives als Public Domain veröffentlicht. Für diese Übersetzung gilt das Lizenzmodell dieses Blogs.

Das Wissenschaftsjournal Environmental Health Perspectives (ISSN-L 0091-6765) erscheint monatlich, ist peer-reviewed und wird vom National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS), sowie dem National Institute of Health und dem U.S. Department of Health and Human Services unterstützt.

Eslohnt sich wirklich EHP @EHPonline auf Twitter zu folgen. Hier wird keine abgestandene Schulmedizin oder Elfenbeinturm-Wissenschaft gepflegt. Es ist state of the art!


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Erstellt: 04.02.2015 19:53
Geändert: 04.02.2015 19:53
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Übersetzung eines brasilianischen Interviews mit Lexi Alexander

30.01.2015 15:45

Dies ist eine Übersetzung der englischen Fassung auf Pirate Times vom 27.01.2015
Das Interview führte Thiago Cardim
Übersetzung: BrunO


Filmklappe Lexi Alexander Wonder Woman
© Foto: Tim Reckmann CC: BY-NC-SA via flickr 


Vor einiger Zeit hat uns Hollywood-Regisseurin Lexi Alexander (@lexiAlex) von Ihren Ansichten zu Filesharing erzählt. Sowohl die Bösartigkeit der Reaktionen aus der Filmindustrie als auch das mangelnde Interesse von Seiten der Piraten-Community machten sie sprachlos. Trotzdem hat sie den Kampf aufgenommen, gewinnt an Respekt und ihre Stimme wird in Kreisen von Filmmachern und Kinogängern auf der ganzen Welt gehört. Wir sind stolz darauf, daß wir Ihnen die einzige englische Version eines Interviews präsentieren können, das Thiago Cardim geführt hat. Die Originalfassung auf JUDÃO trägt den Titel: "Lexi Alexander, ein in Hollywood keineswegs beliebtes Girl".

Als sie von Deutschland nach Kalifornien zog, hatte sie alles um ein Star zu werden. Als Karate-Champion ging sie mit nicht viel mehr als Mut in die USA, da sie unbedingt beim Film arbeiten wollte. Sollte man nicht denken, als Schauspielerin? Ganz ohne Quatsch! Doch stattdessen bevorzugte sie es, in Actionfilmen als Stuntwoman zu arbeiten, um ein paar großen Kerlen in den Arsch zu treten, bevor sie anfing eigene Kurzfilme zu machen. Bingo! Sie wurde Regisseurin.

Obwohl "Lifted" (in Brasilien nicht veröffentlicht) ihr neuster Dreh ist, ein Film über einen Jungen der versucht Sänger zu werden, um damit fertig zu werden, daß sein Vater als Reservist in das Konfliktgebiet Afghanistan abkommandiert wurde, ist sie für "Hooligans" mit Elijah Wood am besten bekannt, in dem es um die gewalttätige Welt englischer Fußballfans geht. Sie war auch für einen Film mit einer Figur aus den Marvel Comics verantwortlich, dem seelischen Looser "Punisher: War Zone" - in einer der vielleicht originalgetreusten Versionen von Frank Castle [aka Punisher] auf großer Leinwand (sorry, Thomas Jane) und sie wurde als aussichtsreiche Kandidatin für die Regie von Wonder Woman gehandelt.

Doch in den vergangenen Monaten wurde Lexis Stimme überall in der Filmwelt wegen ihren kontroversen Ansichten zum Filesharing vernommen.

"Nein, Kopieren ist nicht Diebstahl", sagt sie ganz entschieden zu Beginn dieses exklusiven Gesprächs mit JUDÃO. Schon allein dieser Satz wäre genug dafür zu sorgen, daß sie zu den besten Parties in Hollywood nicht mehr eingeladen wird. Doch ehrlich gesagt, scheint es Lexi nicht viel auszumachen, daß sie sich im radikalen Gegensatz zu den meisten ihrer Filmmacher Kollegen positioniert hat, die eine Kriminalisierung von Piraterie offen favorisieren. "Hollywood kann nicht länger die Öffentlichkeit verarschen". Sie erklärt dies mit der Distribution von Filmen auf internationaler Ebene, als es im Gespräch um die Macht der Verbraucher im neuen digitalen Zeitalter geht, bevor sie über den Status einer Frau hinter der Kamera im Land des "Seventh Art" Film-Magazines weiter erzählt. Sie sagt: "Die Situation ist verheerend und sie wird schlimmer."

Thiago: Laß' uns hier als Erstes den Rahmen abstecken: Gibt es für Dich einen Unterschied zwischen Filesharing und Piraterie? Oder kurz: Ist Kopieren das gleiche wie Klauen?

Lexi: Nein, Kopieren ist nicht Diebstahl. Weil, wenn Du etwas stiehlst bedeuted das, daß die andere Person es nicht mehr hat. wenn Du etwas kopierst, verliert die andere Person niemals ihren Besitz. Deshalb nennt der US Supreme Court den Tatbestand des Herunterladens eines Filmes ohne zu bezahlen "Kopier-Verstoß" und nicht Diebstahl. Über diese Formulierung gibt es viele Mißverständnisse. Ich weiß nicht, wie es dazu kam, daß man Filesharer Piraten nannte, aber soweit ich es verstehe, haben sie in einer Trotzhaltung beschlossen, diesen Namen anzunehmen. Das macht die Dinge kompliziert, besonders wenn die Leute aus der Copyright-Bewegung plötzlich darauf bestehen, daß alle die darüber debattieren, das Problem "Filesharing" und nicht "Piraterie" nennen sollten. Besonders die Amerikaner sind sehr verwirrt, wenn es jemand von der "Piratenpartei" ist, der darauf besteht, den Begriff "Piraterie" fallen zu lassen. Ich verstehe, wo die Piraten her kommen, aber sie haben sich sicher keinen guten Gefallen getan, sich zuerst den Namen zu eigen zu machen und dann zu versuchen, ihn aus den Debatten um Filesharing heraus zu halten.

Thiago: Bist Du jemand von denen die glauben, daß das Teilen von Content die Profite der Unterhaltungsindustrie direkt schädigt? Mehr Leute die teilen bedeutet zwangsläufig weniger zirkulierendes Geld und mehr Arbeitslosigkeit in der Industrie - oder ist das Bullshit?

Lexi: Das ist totaler, ausgewachsener Bullshit. Hör' zu, ich bin Teil dieses Systems. Ich habe mich intensiv mit der Verteilung von Profiten aus geistigem Eigentum im Filmgeschäft befaßt. Filesharing ist nicht das, was den Künstlern das Geld weg nimmt. Die großen Studios sind es. Aber schau', wie alle großen Unternehmen sind sie schlau und haben Geld, um ausnahmslos jeden von uns einer Hirnwäsche zu unterziehen, damit wir denken, die uns verbleibenden Schecks wären viel größer, wenn die Leute unsere Filme nicht illegal herunterladen würden. Scheiß drauf, sie sagen das zu uns Filmemachern, während sie gleichzeitig gerade dabei sind, uns bis auf das letzte Hemd zu berauben. Die wahren Artful Dodgers [kindlicher Trickdieb von C. Dickens] sitzen in der MPAA (Motion Picture Association of America).

Thiago: Filesharing hat, in der Tat, die Industrie verändert? Auf welche Weise?

Lexi: Ich denke, was sich verändert hat ist, daß Hollywood die Öffentlichkeit nicht mehr länger dazu überlisten kann, für einen schlechten Film eine Karte zu kaufen. Wenn über einen Film etwas durchsickert (was letztlich immer passiert) und die Filesharer heraus bekommen werden, daß der Film eine echte Bombe ist, werden sie diesen Tipp genau so schnell wie gute Mundpropaganda verbreiten. Prinzipiell kann man also im digitalen Zeitalter die Leute nicht mehr so sehr bescheißen, da der Vorhang viel früher hochgezogen wird. Darüber hinaus hat das Publikum wenig Geduld, auf die Veröffentlichung eines Filmes zu warten, wenn er schon vor Monaten in anderen Ländern veröffentlicht worden ist. Und das ist recht so. Der Bullshit, daß manche Länder in den Genuß von früheren Aufführungen kommen, bevor der Rest der Welt dran kommt, ist elitär und herablassend, insbesondere da sie ja von uns erwarten, daß wir im Internet über ihre Produkte reden. So sollen wir also den Europäern und Südamerikanern etc. erzählen, wie toll der Film ist... während sie keine Chance haben, ihn zu sehen. Das ist ungeheuerlich. Das ist wie ein gemeines, reiches Kind, das mit seinem Eis von den Gesichtern anderer Kinder herum wedelt, wohl wissend, daß sie sich kein's leisten können oder das Eisauto verpaßt haben. Ehrlich gesagt, weigere ich mich, an diesem Elitarismus beteiligt zu sein.

Thiago: Für mich sieht es so aus, als ob Hollywood vergessen hätte, junge Leute in ihrer eigenen Sprache anzusprechen. Stimmst Du dem zu?

Lexi: Absolut! Gleichzeitig bin ich aber von den jungen Leuten enttäuscht, die das nicht krumm nehmen. Ihr seid die Konsumenten, entscheidet wem ihr Euer Geld gebt. Ich bin gegen die Kriminalisierung von Filesharing, was mir in Hollywood viel zu schaffen gemacht hat, da es ein unpopulärer Standpunkt ist, den man einnehmen kann. Viele andere Filmmacher werden offen sagen, daß sie glauben, jeder der einen Film herunterläd, solle mindestens zehn Jahre Gefängnis bekommen. Weshalb sollen also junge Leute Karten für den Film dieses Regisseurs kaufen? Der selbe Typ, der sie in's Gefängnis werfen würde (denn seien wir doch ehrlich, jeder unter Zwanzig, der sich einen Computer leisten kann, hat irgendwann einen Film, ein Musikstück oder eine Fernsehshow herunter geladen). Deshalb sollten junge Leute also nachforschen, welchen Standpunkt der Filmmacher zum Thema Filesharing einnimmt, bevor sie überhaupt Geld für ihn ausgeben.

Thiago: Hat Dir diese Position, die in der Tat nicht die populärste ist, irgendwelche Probleme in diesem Markt bereitet, nachdem Du sie öffentlich gemacht hast?

Lexi: Ja, aber das war es wert. Ich vertrete nicht den Status Quo, nur weil man das von mir erwartet. Die ganze Idee, Filesharer festzunehmen ist lächerlich und in hundert Jahren wird es dann lustige Cartoons über jene Idioten geben, die versucht haben, den technischen Fortschritt zu kriminalisieren. Ich möchte in diesen Cartoons nicht vorkommen und wenn das bedeutet, daß meine Kollegen mich deshalb ausschließen und auf eine schwarze Liste setzen werden... um so besser. Die Cartoons über sie werden besonders lustig sein.

Ich glaube außerdem, daß wir die Verantwortung haben, Kultur für alle Menschen zugänglich zu machen, nicht nur für jene, die es sich leisten können in's Kino zu gehen. Ich denke viele meiner Kollegen haben keinen blassen Dunst über den globale Prozentsatz von Leuten, die NIE ein Kino besuchen können, schon gar nicht mit der ganzen Familie. Ich möchte keine Filme für die Reichen machen. Deshalb bin ich nicht Filmmacherin geworden. Ich glaube auch nicht, daß Leute die weniger Glück im Leben hatten warten sollen, bis ein Film im öffentlichen Fernsehen umsonst erstaufgeführt wird, während reichere Leute ihn Monate früher zu sehen bekommen. Denke darüber nach. Kultur ist in nahezu allen Berufen von Bedeutung, wenn sich also zwei Leute für einen Job vorstellen... einer davon kann sich über dem neusten Kassenschlager unterhalten, da er es sich leisten konnte, ihn im Filmtheater zu sehen und die andere Person kann das nicht, einfach weil sie oder er sich die Karte nicht leisten kann... dann trägt meine Industrie - mit ihren Einschränkungen der Distribution unseres Produktes - direkt zur ökonomischen Ungleichheit bei. Ich möchte nicht Teil davon sein. Wenn meine Kollegen für eine Minute innehalten würden, um über sich selbst zu reflektieren und stattdessen darüber nachdenken würden, was für ein Wunder Filesharing ist und wie nützlich das sein könnte... dann könnten wir die Welt wirklich verändern. Aber schau' nur... wenn kein Paparazzi in der Nähe ist... sind in Hollywood auch nicht so viele Philanthropen zu finden.

Thiago: Wie könnte die Unterhaltungsindustrie vom Filesharing profitieren? Wie könnten sie dies möglicherweise zu ihrem Gunsten nutzen?

Lexi: Sie tun dies bereits, aber sie würden es nicht zugeben. Vielen, vielen Filme hat die Mund-zu-Mund Werbung durch Piraterie geholfen. Die Sache mit der Filmindustrie ist, sie möchten nicht mit Filesharing arbeiten... sie wollen es kontrollieren. So wie das, was mit Napster passiert ist. Du hörst nicht, wie sich Apple und Amazon über digitalisierte Aufnahmen beklagen, nein?

Thiago: Gibt es eine Besonderheit an der Piraterie, die Dich stört? Z.B. daß gestohlene Filme geleakt werden, bevor sie fertig sind?

Lexi: Hör mal, kein Filmemacher mag seine Filme in einem unfertigen Zustand gezeigt haben. Ich weiß daß das passiert, aber wenn Du Filme liebst und Respekt vor der Kunst hast... dann sehe Dir keine illegalen Mitschnitte an. Ich meine... ganz im Ernst... Leute die sich Videocam-Mitschnitte ansehen sind armselig für mich. Das ist wie unglaublich mieses, mieses Bier trinken, das irgend ein Amateur gebraut und dann mit Wasser gestreckt hat. Das ist krass! Dir entgeht so viel vom Film, woran so viele Menschen gearbeitet haben. Bildeinstellung und Beleuchtung sind für Dich vielleicht nicht wichtig, doch sie sind es. Du nimmst es nur nicht als solches wahr. Ich kann Dir trotzdem versprechen, wenn Du korrekte Bildeinstellung und Beleuchtung weg läßt... weil ein Idiot eine Kinoleinwand mit einer Handkamera abfilmt, betrügst Du Dich selbst um das wirkliche Erlebnis dieses Films. Was ich also damit sagen will ist, wenn Du Mist kopierst... kopiere ihn gut und mit dem Respekt den er verdient (zur Info, wenn es um Pornos geht, ist das egal).

Thiago: Lassen wir dieses Thema: Ich möchte Deine Meinung zum derzeitigen Anteil von Frauen in der Filmindustrie hören. Sowohl was Regie als auch Hauptrollen in Superhelden Filmen betrifft, zum Beispiel. Was fehlt immer noch für ein gleichberechtigteres Hollywood?

Lexi: Es ist verheerend, verheerend, verheerend und es wird schlimmer. Und übrigens, die Leute verstehen nicht, daß der Kampf der MPAA gegen Piraterie und Hollywoods starrsinniger Ausschluß von Frauen und ethnischen Minderheiten direkt zusammen hängen. Reiche, eigennützige Arschlöcher sind reiche, eigennützige Arschlöcher bezüglich so gut wie allem, was mit der Geldmenge zu tun hat, die sie verdienen oder möglicherweise verlieren könnten. Gerne teilen tun sie überhaupt nichts und sie werden mit Sicherheit niemandem Platz am Tisch machen, der nicht so wie sie ist. Wenn Du in Hollywood kein weißer Mann bist, mußt Du Dir mit den Ellbogen einen Stuhl am Tisch erkämpfen und ihn danach die ganze Zeit weiter verteidigen. Nur ist es so... an diesem Tisch verlierst Du bald den Appetit, denn wer möchte in solcher Gesellschaft speisen.

Meine Hoffnung ist, daß die digitale Technologie für noch mehr Gleichheit sorgen und schließlich die Vetternwirtschaft eliminieren wird. Aber die Technik kann das nicht allein. Auch das Publikum muß noch kritischer werden und nicht auf jeden großen Eventfilm hereinfallen, weil es per Hirnwäsche dazu gebracht wurde zu denken, das ist der Film, den man sehen muß. Ich meine, wir haben kaum noch Originalfilme. Jungs, es ist alles Mist, was wir Euch servieren. Junge Leute sollten genau hinsehen, ein besseres Produkt verlangen, wählerisch sein, nicht einfach nur Coca Cola oder Pepsi trinken, weil das die einzige Sodagetränk-Marke ist, die einem einfällt. Rege Dich stattdessen darüber auf, daß es zwei Marken geschafft haben, in Deinem Hirn so Platz einzunehmen, den sie sich hauptsächlich mit Abermillionen Dollars für manipulative Werbung gekauft haben. Ich hoffe, hoffe wirklich, daß die kommenden Generationen nicht derart leicht getäuscht werden können. Solange ich noch Filme und TV-Shows mache, habe ich Hoffnung.



Thiago Cardim macht PR und ist Journalist. Überzeugt, verrückt, Film- und Fernseh-Nerd. Ein entschiedener Vegetarier und er ist Vater von zwei Kindern. :)



Englische Version: "An Interview from Brazil featuring Lexi Alexander". Copyright: Thiago Cardim und Lexi Alexander CC: BY-NC-SA, was auch der Standard-Lizenz dieses Blogs entspricht.


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Erstellt: 30.01.2015 15:45
Geändert: 30.01.2015 15:45
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BPA Belastung verändert Stammzellen und verringert Spermienproduktion

28.01.2015 14:25


Autor: Brian Bienkowski, 22.01.2015, für Environmental Health News
Übersetzung: BrunO



© Foto: Joyce Harper, UCL, Wellcome Images CC: BY-NC-ND


BPA und andere östrogene Verbindungen stören die Entwicklung von Stammzellen, welche bei Mäusen für die Produktion von Spermien verantwortlich sind. Dies deutet darauf hin, daß eine derartige Belastung für die bei Männern sich verringernden Spermienzahlen mitverantwortlich sein könnte, wie eine neue Studie ergeben hat.

Die von PLoS Genetics veröffentlichte Studie ist die erste die nahelegt, daß niedrige, kurzzeitige Belastungen mit Bisphenol-A oder anderen Östrogenen, wie etwa jene die zur Verhütung eingesetzt die Gewässer belasten, in frühen Lebensabschnitten Stammzellen verändern können, welche in späteren Lebensabschnitten für die Produktion von Spermien zuständig sind.

Eine Belastung mit Östrogenen "wirkt sich nicht einfach nur auf die gerade produzierten Spermien aus, sondern beeinträchtigt die Stammzellenpopulation. Dies wird sich auf die Spermienproduktion während des gesamten Lebens auswirken", sagt Patricia Hunt, Genetikerin an der Washington State University, Leiterin der Studie.

BPA ist eine allgegenwärtige Chemikalie, die in den meisten Menschen nachweisbar ist und zur Herstellung von Polykarbonat verwendet wird. Sie kommt auch in Beschichtungen von Konservendosen und Kassenzetteln vor. Die Menschen sind ebenso den synthetischen für Verhütungszwecke verwendeten Östrogenen ausgesetzt, welche überall nachweisbar die Gewässer belasten, selbst nach der Klärung.

Die oberste amerikanische Behörde für Lebensmittel und Arzneimittel (FDA) hat 2012 BPA zur Herstellung von Babyfläschchen verboten, ist aber weiterhin der Ansicht, daß die derzeitige Verwendung von BPA für Lebensmittelbehälter und Verpackungen sicher ist. Und erst kürzlich (21.01.2015) hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in einer neuen Bewertung erklärt, "von Bisphenol-A gehen keine Gesundheitsrisiken für den Verbraucher aus".

Die Studie von Hunt liefert jedoch einen weiteren Beleg, daß wir durch niedrige Belastung mit diesen Verbindungen geschädigt werden können.

Hunt und ihre Kollegen setzten einen Teil von neu geborenen Mäusen einer Belastung mit BPA aus, einen anderen Teil exponierten sie mit einem synthetischen Östrogen, das zur Verhütung und Hormontherapie eingesetzt wird.

Diese Belastungen - die etwa der menschlichen Exposition gegenüber diesen Substanzen entsprechen - verursachten in den für die Spermienproduktion verantwortlichen Stammzellen "dauerhafte Veränderungen", wie die Autoren schreiben.

Die Forscher haben zudem diese Stammzellen in nicht belastete Mäuse verpflanzt und so die Auswirkung auf die Entwicklung der Spermien belegt.

Dies ist ein "ernüchternder Hinweis" auf mögliche schädliche Auswirkungen einer kurzzeitigen Belastung, sagte Mary Ann Handel, eine leitende Wissenschaftlerin vom auf genetische Forschung spezialisierten Jackson Laboratory.

Forscher haben erst kürzlich festgestellt, daß sich eine Belastung mit BPA auf die Größe der Hoden und die Entwicklung der Spermien von Mäusen und auf das Wachstum der Prostata auswirkt. Doch was Hunt und ihre Kollegen gemacht haben, ist etwas anderes - sie haben einen möglichen Grund gefunden, weshalb dies geschieht: Veränderungen in den Stammzellen, die für die männliche Reproduktion unverzichtbar sind.

"Zu den negativen Auswirkungen östrogener Chemikalien auf den sich entwickelnden männlichen Organismus zählen eine immer länger werdende Liste von unmerklichen Veränderungen des sich entwickelnden Gehirnes, des reproduktiven Traktes und der Hoden", schrieben die Autoren. "Veränderungen in allen dreien haben das Potential, größere reproduktive Auswirkungen zu verursachen... biologische Erklärungen gibt es noch nicht".

Im Verlauf weniger Jahrzehnte haben Forscher die Abnahme von Spermienzahl und Qualität sowohl in Europa und Japan als auch in den Vereinigten Staaten festgestellt. In Dänemark haben über 40 Prozent der jungen Männer Spermienzahlen, die Unfruchtbarkeit oder verringerte Fruchtbarkeit bedeuten.

"Wenn man nachweist, daß man Stammzellen auf diese Art schädigen kann - ist das ein Hammer", meint Frederick vom Saal, Wissenschaftler an der University of Missouri, der an der Studie nicht beteiligt war. "Diese Belastung kann durchaus die Grundlage für einen generationsübergreifenden Verlust an Spermienaufkommen sein".

Die Spermienproduktion ist ein kontinuierlicher Prozeß: Nachdem junge Männer die Pubertät erreicht haben und anfangen Spermien zu produzieren, beginnen die Stammzellen sich langsam zu teilen und geben neue Zellen zur Produktion von Spermien ab.

Und, obwohl es einige Einschränkungen gibt, Ergebnisse des Mausmodelles auf Menschen zu übertragen, haben ihre reproduktiven Systeme "die gleichen Grundlagen", sagte Hunt.

Nichtsdestotrotz schreibt Steven Hentges vom American Chemistry Council, der die chemischen Hersteller vertritt in einer Email-Antwort, daß mehrere große Studien "übereinstimmend keine reproduktiven Auswirkungen auf Männer oder Frauen bei Belastungswerten nachweisen, die auch nur entfernt jenen Werten nahe kommen, denen Menschen tatsächlich ausgesetzt sind".

Er sagt, Hunts Studie habe "eine begrenzte Relevanz für die menschliche Gesundheit" und daß die verwendeten Dosen sehr viel höher wären als die aktuelle menschliche Belastung. 1)

Hunt sagt, das stimmt nicht.

"Die Dosen die wir benutzt haben basieren auf vorausgegangenen Studien und haben sehr niedrige Blutwerte zur Folge, die niedriger als jene sind, die bei Menschen festgestellt wurden".

Vom Saal sagt, es ist wichtig in zukünftigen Studien zu prüfen, ob die durch die Belastung hervorgerufenen Veränderungen an Folgegenerationen weitergegeben werden. Hinweise legen nahe, daß östrogene Substanzen offenbar die Fähigkeit von Genen verändern, richtig zu funktionen, ein Phänomen das man als epigenetische Veränderungen bezeichnet.

Wenn solche Veränderungen vorkommen, kann das ähnliche Probleme für die Spermienproduktion nachfolgender Generationen bedeuten. Und "weil die meisten Menschen beständig einer Belastung mit BPA und anderen östrogenen Substanzen ausgesetzt sind, könnte sich das mit jeder Generation ein bißchen mehr verschlimmern", erläuterte vom Saal.

Hunt und ihre Kollegen hatten jedoch ein Problem. Es gibt Nebeneffekte wie etwa Einlagerung von Flüssigkeit, was es erschwert, die Stammzellen-Forschung einen Schritt weiter zu bringen und nach Korrelationen zwischen Spermienzahl und Daten über Reproduktivfähigkeit zu suchen.

"Expositionen wirken nicht nur auf die Hoden, sondern auf das ganze Tier", sagt Hunt.

Hunt gibt zu daß dies "komplizierte genetische Fragen" sind, doch sie sagt, daß dies sehr sehr bedeutende Konsequenzen hat.

"Dies hat etwas mit Zellen ganz weit flußaufwärts zu tun" und kann für die "Generationen welche nach der Exposition folgen" zum Problem werden, erklärte sie.



Der Original-Artikel "BPA exposure linked to changes in stem cells, lower sperm production" wurde von wurde von Environmental Health News unter CC: BY-SA veröffentlicht. Für diese Übersetzung gilt das Standard-Lizenzmondell dieses Blog. Also keine kommerzielle Nutzung!

Dem Autor auf Twitter folgen: @BrianBienkowski.



1) Hier spricht ein Demagoge! Vielleicht weiß er selbst, daß EDCs bei niedrigen Dosen wirken und nicht dem linearen Modell der Toxikologie folgen, aber er greift auf das populärwissenschaftlich verbreitete Verständnis von Toxizität zurück, nach welcher höhere Dosen gefährlicher sind. Folglich muß er auch behaupten, die in der Studie angewendeten Dosen wären höher als die, denen Menschen im Alltag ausgesetzt sind. Daß das Paracelsische Paradigma nicht auf alle Stoffe zutrifft, ist noch ein langer Weg für Wissenschaft und Allgemeinbildung. Solange haben Leute wie er in der Öffentlichkeit leichtes Spiel. Leseempfehlung wäre hier: Thomas S. Kuhn, Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Frankfurt 1978, Original Chicago 1962. Kuhn zeigt, wie langsam Paradigmenwechsel vor sich gehen und daß die dabei geführten Debatten nicht immer mit Wissenschaft, sondern oft mit Wahrung von Interessen zu tun haben.

Wer sich mit BPA weiter befassen möchte, wird hier fündig:
http://ufocomes.de/sources/bpa_links.html

Oder Environmental Health News @EnvirHealthNews und der Environmental Working Group @EWG auf Twitter folgen.


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Erstellt: 28.01.2015 14:25
Geändert: 28.01.2015 14:25
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