Initiative Pro Netzneutralität

Merkblatt zu endokrin disruptiven Chemikalien der Endocrine Society

11.12.2016 16:16


© 2016 Copyright Endocrine Society
Die Endocrine Society, welche 2016 ihr 100-jähriges Jubiläum feiern konnte, hat im August dieses Jahres auf ihrem Portal Hormone Health Network ein nützliches Merkblatt zu EDCs (endokrin disruptive Chemikalien) 1) veröffentlicht. Die Endocrine Society ist die größte weltweite Vereinigung von Ärzten, Wissenschaftlern und Lehrkräften, die auf dem Gebiet der Endokrinologie tätig sind. Dankenswerterweise wurde mir gestattet, dieses Merkblatt in's Deutsche zu übersetzen und hier zum Download anzubieten.

Download-Link: HHN_EDCs_deutsch_12-2016.pdf

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Für diese Datei gilt das Lizenzmodell dieses Blogs ausdrücklich nicht! Alle Rechte an Text und Graphik inklusive meiner Übersetzung verbleiben bei der Endocrine Society.





Im Folgenden ein paar weitere Ausführungen zu hormonell wirksamen Substanzen:

Warum EDCs ein Thema sein sollten?

Die Endokrinologie erschien mir früher als ein Spezialgebiet, das ich kaum beachtete. Ich hatte zwar schon sehr früh von Umweltproblemen wie der Feminisierung von männlichen Fischen gehört, doch daß hormonell wirksame Substanzen ein großes Problem darstellen und die Endokrinologie somit eine wichtige Wissenschaft ist, war mir nicht bewußt. Das änderte sich, als ich von einer Studie von Tyrone Hayes 2) erfuhr. Er untersuchte die Wirkung des bei uns in Deutschland seit 1991 verbotenen Herbizids Atrazin auf Krallenfrösche, von denen nicht nur 90% feminisiert wurden, sondern von denen sich 10% trotz männlicher Chromosomen zu Weibchen entwickelten, die jedoch nur männliche Nachkommen hatten. Da ich dazu für CSN-Deutschland einen meiner wenigen eigenen Artikel schrieb 3), befaßte ich mich mit dieser Studie etwas ausführlicher.

Was ist das Besondere an EDCs?

Am Auffälligsten, aber vielleicht auch am noch umstrittendsten ist, daß sie nicht dem Paradigma des Paracelsus folgen, nach welchem die Dosis das Gift macht. Die Toxikologie ist keine brauchbare Wissenschaft, um die Gefährdung durch EDCs zu beschreiben. Etwas versöhnlicher kann man es so ausdrücken: Die Toxikologie beschreibt, welche Dosis von einer Substanz nötig ist, um bei einer einmaligen Exposition einen unmittelbaren Schaden anzurichten. Sie macht aber keine Aussagen über die Wirkung von Langzeitexpositionen durch niedrige bis niedrigste Dosen. EDCs besitzen dieses Schädigungspotential bei Dosen von wenigen ppb und darunter. Das sind Dosen im µGramm und Nanogramm Bereich. Hormonrezeptoren reagieren auf solche winzigen Mengen eher, als auf hohe Konzentrationen. Deshalb wird von einem nichtmonotonem Dosis-Wirkungs-Zusammenhang gesprochen. 4) 5) 6)

Was haben nach meiner Meinung alle EDCs gemeinsam?

Es sind Stoffe, die nicht in unserer Umwelt waren, als wir uns stammesgeschichtlich entwickelt haben. Die meisten EDCs sind petrochemische Stoffe, also aus Erdöl hergestellt, das damals im Erdboden verborgen war. Aber auch Schwermetalle schaden unserer Gesundheit. Auch sie waren nicht in diesen Konzentrationen wie heute in unserer ursprünglichen Umwelt. Selbst das allgegenwärtige Aluminium lag nicht in Reinform vor. Unser Immunsystem kennt all diese Stoffe nicht und deshalb wundert es nicht, daß manche an Hormonrezeptoren andocken können, obwohl sie keine Hormone sind. Wenn wir ein paar Tausend bis Millionen Jahre warten wollen, können wir vielleicht auf eine Anpassung hoffen. Leider ist die Evolution wesentlich langsamer als die Entwicklung unsere Technologie und wir bringen ständig neue Substanzen in die Umwelt. Geschätzt werden zwischen 80 und 140 tausend künstliche, nicht mehr rückholbare Substanzen. Diese Expositionslast spiegelt sich in der Zunahme zivilisationsbedingter Erkrankungen wieder.

Ob wir schon wirklich von ca. 1000 hormonaktiven Stoffen wissen, wie es im Merkblatt heißt, kann ich nicht beurteilen. Ich tippe eher auf weniger. Ich kann mir aber vorstellen, daß die gesamte Petrochemie in unterschiedlichem Grade hormonaktiv sein könnte. Auch deshalb und nicht nur wegen dem außer Kontrolle geratenem Klima, hätten wir das Erdöl lieber in der Erde lassen sollen. Nebenbei bemerkt hat es uns, solange es nahezu unbegrenzt zur Verfügung stand, zu energietechnisch ineffizienter und dummer Technologie verleitet. Überall kam ein Motor dran, der einfach nur stark genug sein mußte. Effiziente Energieverwendung kam erst später, als es Umweltprobleme gab. Wir sind meistens nur Ausbeuter, selten wird von Anfang an vernünftig gehaushaltet. Der von mir geschätzte David Benfell meint sogar, wir haben den Test zum Überleben auf diesem Planeten nicht geschafft. 7)


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Gesundheitskosten durch EDCs

Die gesundheitlichen Folgen hormonaktiver Substanzen bedeuten nicht nur individuelles Leid. Für Europa gibt es Schätzungen der durch sie verursachten Gesundheitskosten.

Laut eines Berichtes der Health and Environment Alliance (HEAL) von 2014, könnten in Deutschland ca. 5 Milliarden und in der EU bis zu 31 Milliarden Euro Ausgaben im Gesundheitssystem vermieden werden, wenn die Belastung mit endokrinen Disruptoren reduziert würde. 8)

Der Guardian berichtete 2015, von einer Studie der Endocrine Society, nach der in Europa jährlich über 150 Milliarden an EDC-bedingten Gesundheitskosten anfallen. 9)

2016 veröffentlichte die Endocrine Society in ihrem "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism" eine Studie, welche ökonomische Verluste und Gesundheitskosten durch EDCs in der EU, allein für Reproduktionsstörungen bei Frauen, auf 1,5 Milliarden Euro schätzt. 10)

Natürlich sind diese Schätzungen nicht für bare Münze zu nehmen. Jeder möge sie selber prüfen und sich am Ende fragen, welchen Unterschied etwas günstiger ausgefallene Schätzungen in der Sache machen. Wollen wir einem Kind, das nie die Chance hatte, gesund geboren zu werden sagen, das ist eben der Preis für unseren technischen Fortschritt?

Lobbyismus und EDCs

Da es für die Hersteller hormonaktiver Substanzen um viel Geld geht, ist es verständlich, daß sie Anstrengungen unternehmen, eine Regulierung von EDCs oder gar das Verbot bestimmter Stoffe zu verhindern. So ist die EU-Kommission Dank ihres Einflusses nach wie vor der Ansicht, EDCs könnten wie andere Chemikalien rein toxikologisch bewertet werden 11) dabei versäumt sie es seit 2009, sich überhaupt zu einer Definition von EDCs durchzuringen und beharrt trotz eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs 12) darauf, auch die wirtschaftlichen Verluste durch eine Regulierung von EDCs in deren Beurteilung eingehen zu lassen. 13) Damit wird die Gesundheit von Menschen unverblümt mit wirtschaftlichen Gewinnen verrechnet und am Ende zählt nur die höhere Rendite.

Anfang 2015 berichtete der Guardian 14) über das Zurückhalten eines wissenschaftlichen Berichts zur Identifizierung und Klassifizierung von EDCs, der das Verbot von 31 Agrochemikalien zu Folge gehabt haben könnte. Die Verluste für Hersteller wären in die Milliarden gegangen.

Wie die Lobby in der EU arbeitet, kann man sich im Dokumentarfilm "Endocrination" von 2014 auf unterhaltsame aber eventuell wenig erheiternde Weise ansehen. 15)

Ein recht absurdes Beispiel der rein toxikologischen Bewertung von EDCs lieferte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Anfang 2016. In einer kleinen Studie 16) wurde das Herbizid Glyphosat trotz Reinheitsgebot in verschiedenen Biersorten festgestellt. Die Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 µGramm pro Liter. Die Höchstwerte lagen damit fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser. Das BfR ist der Ansicht, Glyphosat im Bier sei absolut harmlos, denn man müsse bei einem Körpergewicht von 60 Kilogramm an einem Tag rund 1000 Liter Bier mit einer Konzentration von 30 µGramm Glyphosat pro Liter trinken, um eine schädigende Wirkung zu erzielen. 17) Nach ähnlichem Muster funktionieren Tierstudien der Industrie. Es wird stets mit absurd hohen Dosen getestet und danach das Risiko für den Menschen analog zu dessen tatsächlicher Exposition herunter gerechnet. Für Bisphenol A, das mittlerweile als Material zur Herstellung von Babyfläschchen verboten wurde 18), hat man in solchen Tests lediglich eine Gewichtsabnahme festgestellt. Dürfte am schlechten Nährwert von BPA liegen. 19)

Ergänzung zum Merkblatt

Ich möchte ein paar Weitere Beispiele für das Vorkommen von EDCs anführen: Konservendosen, Kassenbons aus Thermopapier, Möbel, insbesondere Polsterungen, Teppichböden, Hausstaub und PVC-Produkte. Bei Kinderspielzeug aus lackiertem Holz wäre ich auch vorsichtig.

Die Epoxid-Innenbeschichtung von Konservendosen gibt BPA an den Inhalt ab. 20) Besonders fatal dürfte das sein, sofern die Dosen während der Produktion zusammen mit dem Inhalt erhitzt werden, oder falls der Verbraucher dies tut.

BPA kann recht leicht über die Haut resorbiert werden. Das sollte bei Kassenbons aus BPA-haltigem Thermopapier beachtet werden. 21)

Möbelpolsterungen können u.U. der Grund für Unfruchtbarkeit sein. 22)

Synthetische Teppichauslegware aber auch imprägnierte Naturteppiche können perfluorierte Chemikalien (PFCs) freisetzen. 23) Darüber hinaus akkumulieren Schadstoffe in Hausstaub 24), der sich in Teppichböden ablagern und anhäufen kann.

PVC ist bereits bei der Herstellung ein großes Problem 25), gibt aber auch Schadstoffe wie Weichmacher (z.B. Phthalate) ab. 26)

Wollen Sie etwas tun und auf eine machbare Weise radikal konsequent sein?

2010 übersetzte ich für CSN-Deutschland ein Interview mit Frederick vom Saal 27), der zu Bisphenol A forscht. Ich halte dieses Interview immer noch für eine gute Einführung in EDCs, selbst wenn es nur um einen einzigen Stoff geht. Dieser gehört immerhin zu den Chemikalien, die weltweit in den größten Mengen hergestellt werden. Vom Saal weiß sehr viel über BPA zu berichten, doch etwas anderes ist mindestens genau so interessant. - Er beschäftigte sich nur mit diesem einen Stoff, dennoch verbannte er aus reiner Vorsicht sämtliche Kunststoffe aus seiner Küche und ersetzte sie durch Stahl, Glas, Holz, etc. Das tue ich heute auch, was anfänglich mit Kosten verbunden war. Ich brauchte jedoch ca. 4 Jahre und mußte noch sehr viele weitere Artikel über EDCs lesen, bevor ich ihn verstand und die gleiche Konsequenz zog. Es ist Ihre Wahl, vermeidbare Expositionen tatsächlich zu vermeiden. "Alles ist giftig, es hat eh keinen Zweck!" ist fatalistisch und hilft nicht weiter.


Referenzen:
 
1) Original-Version des Merkblatts: hhn_aug_infographic_edcs.pdf
 
2) Atrazine induces complete feminization and chemical castration in male African clawed frogs (Xenopus laevis)
http://www.pnas.org/content/107/10/4612.abstract
 
3) Die Störung des Hormonhaushaltes durch Chemikalien
http://www.csn-deutschland.de/blog/2010/03/05/die-storung-des-hormonhaushaltes-durch-chemikalien/
 
4) Hormones and Endocrine-Disrupting Chemicals: Low-Dose Effects and Nonmonotonic Dose Responses
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3365860/
 
5) Unsafe at any Dose? Diagnosing Chemical Safety Failures, from DDT to BPA
https://www.independentsciencenews.org/health/unsafe-at-any-dose-diagnosing-chemical-safety-failures-from-ddt-to-bpa/
 
6) Low doses, big effects: Scientists seek 'fundamental changes' in testing, regulation of hormone-like chemicals
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2012/low-doses-big-effects
Deutsch: Chemikalien: Selbst niedrige Konzentrationen können sehr gesundheitsschädlich sein
http://www.csn-deutschland.de/blog/2012/03/23/chemikalien-selbst-niedrige-konzentrationen-konnen-sehr-gesundheitsschadlich-sein/ Sorry for masculinizing Theo Colborn!
 
7) We have failed the test
https://disunitedstates.org/?p=9145
 
8) Health costs in the EU - How much is related to EDCs? - Health and Environment Alliance
http://www.env-health.org/news/latest-news/article/health-costs-in-the-eu-how-much-is
Reduktion der Belastung mit hormonell wirksamen Chemikalien in der EU könnte Einsparung von bis zu 31 Mrd. EUR an Gesundheitskosten bringen
http://www.env-health.org/IMG/pdf/140618_german_press_release_final-2.pdf
 
9) Health costs of hormone disrupting chemicals over €150bn a year in Europe, says study | Environment | The Guardian
http://www.theguardian.com/environment/2015/mar/06/health-costs-hormone-disrupting-chemicals-150bn-a-year-europe-says-study
 
10) Female Reproductive Disorders, Diseases, and Costs of Exposure to Endocrine Disrupting Chemicals in the European Union: The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism: Vol 101, No 4
http://press.endocrine.org/doi/10.1210/jc.2015-2873
 
11) Endocrine disruptors: The manufacture of a lie.
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2016/dec/endocrine-disruptors-the-manufacture-of-a-lie
 
12) Endocrine disruptors: European Commission 'breached law' - BBC News
http://www.bbc.com/news/world-europe-35111241
 
13) Endocrine disruptors: The secret history of a scandal — Environmental Health News
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2016/june/endocrine-disrupters-the-secret-history-of-a-scandal
 
14) 'Suppressed' EU report could have banned harmful pesticides worth billions | Environment | The Guardian
http://www.theguardian.com/environment/2015/feb/02/suppressed-eu-report-could-have-banned-pesticides-worth-billions
 
15) Endocrination - Documentary by Stéphane Horel (France, 2014
https://youtu.be/6ks5OSVDl00
 
16) Test: Glyphosatrückstände in deutschem Bier
http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/glyphosat/test-glyphosat-rueckstaende-in-deutschem-bier.html
 
17) Vorläufige Einschätzung zu Gehalten von Glyphosat in Bier
http://www.bfr.bund.de/cm/343/vorlaeufige-einschaetzung-zu-gehalten-von-glyphosat-in-bier.pdf
 
18) Neue Grenzwerte für Massenchemikalie Bisphenol A
https://www.umweltbundesamt.de/themen/neue-grenzwerte-fuer-massenchemikalie-bisphenol-a
 
19) Bisphenol A General Toxicity, eine Seite des American Chemistry Council (ACC)
http://www.bisphenol-a.org/human/herGeneralToxicity.html
ACC Mitglieder:
https://www.americanchemistry.com/Membership/MemberCompanies/
Bitte suchen Sie auch nach Netzwerken in den obigen Referenzen. Sie werden viele nützliche Informationsquellen zu EDCs finden.
 
20) Wer Dosensuppe löffelt, isst die Chemikalie BPA mit
http://www.csn-deutschland.de/blog/2011/11/29/wer-dosensuppe-loffelt-isst-die-chemikalie-bpa-mit/
Canned Soup Consumption and Urinary Bisphenol A: A Randomized Crossover Trial
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3367259/
 
21)Recipe for high BPA exposure: Canned vegetables, cigarettes and a cashier job
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/bpa-and-pregnant-women
Deutsch: Die Quittung für BPA
http://www.csn-deutschland.de/blog/2010/10/11/die-quittung-fur-bpa/
 
22) http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/flame-retardants-and-human-fertility
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/flame-retardants-and-human-fertility
 
23) Worst Endocrine Disruptors Revealed, and They Could Be Raising Your Family’s Cancer Risk
http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2013/11/13/worst-endocrine-disruptors.aspx
Dirty Dozen Endocrine Disruptors
http://www.ewg.org/research/dirty-dozen-list-endocrine-disruptors
 
24) Consumer Product Chemicals in Indoor Dust: A Quantitative
http://pubs.acs.org/doi/full/10.1021/acs.est.6b02023
Deutscher Artikel zur Studie: Gesundheit: Hausstaub enthält oft viele giftige Schadstoffe
http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/gesundheit-hausstaub-enthaelt-oft-viele-giftige-schadstoffe-20160915202304
 
25) Mossville, Rücksichtslosigkeit oder Menschenversuch?
http://www.csn-deutschland.de/blog/2010/05/03/mossville-rucksichtslosigkeit-oder-menschenversuch/
 
26) ÖKO-TEST: Bodenbeläge, PVC
http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=101174&bernr=01&seite=01
 
27) A Warning by Key Researcher On Risks of BPA in Our Lives by Elizabeth Kolbert: Yale Environment 360
http://e360.yale.edu/feature/a_warning_by_key_researcher_on_risks_of_bpa_in_our_lives/2344/
Deutsch: CSN Blog » Warnung eines bedeutenden Forschers – Über die Risiken, mit denen BPA unser Leben bedroht
http://www.csn-deutschland.de/blog/2010/12/07/warnung-eines-bedeutenden-forschers-uber-die-risiken-mit-denen-bpa-unser-leben-bedroht/

Weitere Ressourcen finden Sie in meiner Linksammlung:
Bisphenol A http://partsperhuman.info/bpa_links.html
EDCs allgemein http://partsperhuman.info/edc_links.html


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Erstellt: 11.12.2016 16:16
Geändert: 12.12.2016 16:58
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=149

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Pressemeldung zu Standing Rock

23.11.2016 21:33


Szene am 20.11.2016, Vorabend des Geschehens
© Foto: Dark Sevier CC: BY-NC via flickr 


ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG
22. November 2016, 9 Uhr CST (USA)

Kontaktinfo zur Spamvermeidung weggelassen, Quelle siehe unten

Herausgegeben vom Rat der Mediziner und Heiler des Standing Rock Dakota Access Pipeline Widerstands-Camps
Übersetzung: BrunO

Am 21. November wurde als direkte Folge des gewaltsamen Polizeieinsatzes gegen unbewaffnete Menschen, welche die Dakota Access Pipeline ablehnen, eine 21 Jahre alte Frau aus New York City namens Sophia Wilansky schwer verletzt, als eine von der Polizei geworfene Konkussionsgranate [explodiert ohne Splitterwirkung] Ihren Arm traf und explodierte. Sophia war gerade dabei, unbewaffneten Leuten Wasser zu bringen, die seit mehreren Stunden von Einsatzkräften des Morton County Sheriffs angegriffen worden waren. Die Dienststelle des Morton County Sheriffs hat erklärt, sie wäre durch eine angebliche Propangasexplosion verletzt worden, die laut deren Behauptung von den unbewaffneten Leuten verursacht worden wäre. Diese Behauptungen werden durch die Schilderung von Sophia und durch mehrere Augenzeugen widerlegt, welche die Polizei beobachteten, wie sie absichtlich Konkussionsgranaten auf unbewaffnete Menschen warf, desweiteren durch das Nichtvorhandensein von Verkohlungen an der Wundstelle und durch die Granatenteile, die bei einer Operation aus ihrem Arm entfernt wurden und die für eine gerichtliche Aufarbeitung gesichert werden.

Es gelang, Sophia aus Nord-Dakota heraus zu holen und zu einer Notoperation zu bringen. Sie ist in stabilem Zustand. Es folgt ihr Statement, wie es von ihrem Vater, Rechtsanwalt Wayne Wilansky, übermittelt wurde:

"Um etwa 4 Uhr 30 früh, nachdem die Polizei die Brücke mit Wasserwerfern, Gummigeschossen und Pfefferspray beschossen hatte, schmissen sie ein paar Konkussionsgranaten, die nicht dafür vorgesehen sind, direkt auf Menschen geworfen zu werden, auf die Protestierenden oder Protektierenden, wie sie genannt werden wollen. Eine Granate explodierte in dem Augenblick, als sie Sophia am linken Vorderarm traf und riß einen Großteil der Unterseite ihres linken Armes mit sich. Sowohl ihre Radialarterie als auch ihre Ellenarterie (Arteria ulnaris) sind vollständig zerstört. Ihre Speiche (Radius) wurde zerschmettert und ein großes Stück davon fehlt. Auch von ihrem Mittelarmnerv (Nervus medianus) fehlt ein großer Abschnitt. Die gesamte Muskulatur und das Weichgewebe zwischen ihrem Ellbogen und Handgelenk wurden weg gesprengt. Die Polizei tat dies nicht aus Versehen - es war ein absichtliches Vorgehen, [die Granate] direkt auf sie zu werfen. Genau so schoß die Polizei den Leuten [Gummigeschosse] mit der Absicht in's Gesicht und in den Unterleib, möglichst großen Schaden anzurichten. Sophia wird morgen wieder operiert, da Schritt für Schritt versucht wird, so etwas wie einen funktionierenden Arm und eine funktionierende Hand wieder aufzubauen. Bei der ersten Operation wurde eine Vene aus ihrem Bein entnommen und in ihren Arm als Ersatz für die fehlenden Arterien eingepflanzt. Sie wird mehrere Operationen benötigen, um zu versuchen, eine gewisse Brauchbarkeit von Arm und Hand zu gewinnen. Sie wird für alle Zeit jeden Tag fürchten müssen, ihren Arm und ihre Hand zu verlieren. Keine Worte können den Schmerz beschreiben, wenn ich meine Tochter weinend sagen sehe, daß ihr der Kummer Leid tut, den sie mir und meiner Frau bereitet hat. Ich bin heute tausend Tode gestorben und das wird für längere Zeit so bleiben. Ich finde keine passenden Worte, um die Beklemmung zu beschreiben, wenn ich zusehe, wie sie ihren nun ihr fremd gewordenen Arm und ihre Hand anschaut."

Es gibt eine verifizierte, von Freunden eingerichtete Spendenaktion zu ihrer Wiederherstellung:
https://www.gofundme.com/30aezxs

Der Rat der Mediziner und Heiler von Standing Rock bedauert den anhaltenden Einsatz von Gewalt durch den Staat von Nord-Dakota, als Reaktion auf die Sorgen von abertausenden von Menschen, die sich friedlich versammelt haben, um auf das Recht auf sauberes, gesundes Trinkwasser zu bestehen.

Wasser ist Leben, Mni Wiconi

Unterzeichner:

Linda Black Elk, PhD, Ethnobotanist, Sitting Bull College
Michael Knudsen, MPH candidate, Standing Rock Medic & Healer Council
Noah Morris, EMT
Amelia Massucco, RN
John Andrews, RN
Kristina Golden, EMT, herbalist
Sebastian Rodriguez, RN
Rosemary Fister, RN, MNPHN, DNP Candidate
Rupa Marya, MD, DoNoHarm Coalition, University of California – San Francisco
David Kingfisher, MD, JD, Wichita State University
Jesse Lopez, MD, Heartland Surgical Care
Kalama O Ka Aina Niheu, MD, Aha Aloha Aina
Howard Ehrman, MD, MPH, University of Illinois - Chicago
Geeta Maker-Clark, MD, University of Chicago
Elizabeth Friedman, MD
Vanessa Bolin, ALS Paramedic

Quelle:
https://docs.google.com/document/d/1sU15VLnlJlEdVB4H6SmLaQ2gQ25mtSjpFpVu4daGVTE/preview


Hashtags auf Twitter:
#NoDAPL
#StandingRock
#IdleNoMore
(Keine Anmeldung zum Lesen erforderlich)



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Erstellt: 23.11.2016 21:33
Geändert: 23.11.2016 21:33
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=148

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Falls Donald Trump seine politischen Vorhaben verwirklicht, muß er sich vor Gericht verantworten

11.11.2016 23:13


Autor: Anthony D. Romero, ACLU Geschäftsführer, 09.11.2016
Übersetzung: BrunO


© Foto: Gage Skidmore CC: BY-SA via flickr 

Heute früh wurde Donald J. Trump als der 45. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt und ACLU hat eine Nachricht an ihn.

Gewählter Präsident Trump, da Sie das höchste Amt der Nation übernehmen, legen wir Ihnen dringend nahe, bestimmte Wahlversprechen die Sie gemacht haben zu überdenken und Ihren Kurs zu ändern. Dazu gehört Ihre Absicht, Einheiten zur Deportation von 11 Millionen nicht dokumentierter Migranten aufzustellen; desweiteren, die Einreise von Muslimen in unser Land zu verbieten und sie aggressiv zu überwachen; Frauen die abtreiben lassen zu bestrafen; Waterboarding und andere Formen der Folter wieder zu legalisieren; sowie die Beleidigungsgesetze unseres Landes zu ändern und die freie Meinungsäußerung einzuschränken.

Diese Vorhaben sind nicht einfach nur unamerikanisch und fehlgeleitet, sie sind ungesetzlich und verfassungwidrig. Sie verletzen die erste, vierte, fünfte, achte und vierzehnte Verfassungsnovelle. Wenn sie nicht einlenken und stattdessen Anstrengungen unternehmen, diese Wahlversprechen Wirklichkeit werden zu lassen, werden Sie bei allem was Sie tun gegen die volle Schlagkraft von ACLU ankämpfen müssen. Unser Stab aus Prozeßanwälten und Aktivisten aus allen Bundesstaaten, sowie tausende Freiweillige und Millionen eingetragene Mitglieder und Unterstützer stehen bereit, gegen jeden Eingriff in unsere wertgeschätzten Freiheiten und Rechte zu kämpfen.

Eines ist sicher: Wir werden an jedem Tag Ihrer Präsidentschaft ohne Unterlaß wachsam sein. Und wenn Sie das Oval Office verlassen, werden wir mit Ihrem Nachfolger genau so verfahren, so wie wir es während der 100 Jahre unseres Bestehens getan haben. Die Verfassung und der Rechtsstaat sind stärker als jede Person. Wir werden dafür sorgen, daß es so ist. Wir werden nie klein bei geben.


Aktion für US-Bürger und weitere Informationen (Englisch):


Übersetzung mit freundlicher Genehmigung. Für diese gilt das Lizenzmodell dieses Blogs ausdrücklich nicht! URL des Originaltextes siehe unten.

Copyright 2016 American Civil Liberties Union
Originally posted by the ACLU at
https://www.aclu.org/blog/speak-freely/if-donald-trump-implements-his-proposed-policies-well-see-him-court


ACLU auf Twitter: @ACLU



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Erstellt: 11.11.2016 23:13
Geändert: 12.11.2016 10:32
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=147

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Klimaerwärmung grafisch veranschaulicht

03.09.2016 14:07


In einem Blogpost veröffentlichte der Klimaforscher Ed Hawkins am 24.08.2016 die obige (anklickbare) Grafik. Er ist am NCAS (National Centre for Atmospheric Science) der University of Leeds (UK) tätig.

Diese Darstellung mittels Small Multiples zur Datenvisualisierung basiert auf relativen Temperaturabweichungen, nicht auf absoluten Temperaturen. Die Zweitspanne zwischen 1961 bis 1990 dient als Referenz. Die Daten reichen wie zu sehen ist von 1850 bis 2016. Jede Einzelgrafik stellt einen miniaturisierten Wärmeatlas dar. Blau symbolisiert Temperaturabweichungen nach unten, Rot nach oben. Liegen für eine Region weniger als 6 Monate mit Daten vor, die von der Referenz abweichen, ist sie grau dargestellt.

Die Gesamt-Tendenz der Klimaerwärmung ist auf einem Blick zu sehen. Ein genauerer Blick zeigt eine Klimakurve mit Unter- und Überschwingern, wie man sie aus der Regelungstechnik kennt. Von 1880 bis 1910 kühlte es offenbar ab, obwohl in dieser Phase auch Regionen mit zunehmender Erwärmung zu erkennen sind. Eine relative Abkühlung ist auch zwischen 1950 und 1970 angedeutet.

Das Klima kämpft um ausgeglichene Temperaturen, aber der törichte Mensch in Gestalt rücksichtsloser Absahner ist stärker. Und es ist natürlich genau so unsere Bequemlichkeit dies zuzulassen, anstatt umweltfreundlichere Technologien zu fordern und notfalls etwas mehr Geld für sie auszugeben oder auf das ein oder andere zu verzichten. Auf Dauer werden wir den Kürzeren ziehen und unsere Lebensgrundlagen zerstören. Ich gebe der Menschheit keine weiteren 1000 Jahre. Warum sollte sich die Religion der Gier in unserer Ökonomie plötzlich ändern? Warum soll das auf der UN-Klimakonferenz vereinbarte Ziel erreicht werden, die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten?

Link zur Datenquelle und Originalauflösung der Grafik sind im Originalpost zu finden, welcher unter CC BY-SA veröffentlicht wurde.

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Erstellt: 03.09.2016 14:07
Geändert: 03.09.2016 14:07
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=146

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Unzulässige Richtervorlage zur Verfassungswidrigkeit von Arbeitslosengeld II Sanktionen

03.06.2016 10:53


© Foto: yoni sheffer CC: BY-NC-ND via flickr 

Am 26. Mai 2015 beschloß das Sozialgericht Gotha, das Klageverfahren eines Betroffenen auszusetzen, um dem Bundesverfassungsgericht die Frage vorzulegen, ob die Sanktionsregelung nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II) mit Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1, Art. 12 Abs.1 GG sowie mit Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG vereinbar ist. Es ging von der Verfassungswidrigkeit der Hartz IV Sanktionen aus.

Am 02.06.2016 hat das Bundesverfassungsgericht eine Presseerklärung zu seiner Entscheidung vom 06.05.2016 veröffentlicht. Es lehnt die Richtervorlage aus Gotha als unzulässig ab.

Kernsatz ist für mich: "Es fehlt (jedoch) an einer hinreichenden Begründung, warum die Verfassungswidrigkeit der §§ 31 ff. SGB II im Ausgangsverfahren entscheidungserheblich sein soll."

Im Klartext heißt das, ob Hartz IV Sanktionen verfassungswidrig sind, interessiert in dem ausgesetzten Verfahren nicht. Vielmehr müsse geklärt werden, ob die Sanktionsbescheide gegen den Kläger formal korrekt waren.

Dafür kann man das Verfassungsgericht nicht rügen. Es prüft eben nicht automatisch die vorgelegte Frage, sondern welcher Entscheidungsbedarf in dem zugrunde liegenden Verfahren besteht und ob diese Entscheidung nicht vom vorlegenden Gericht selber getroffen werden kann. Dem Kläger wäre gegebenenfalls mit einer Aufhebung der Sanktionen geholfen gewesen. Was wäre aber, wenn das Sozialgericht Gotha die Sanktionen zwar für nach geltendem Recht korrekt erteilt, die Sanktionspraxis aber trotzdem für verfassungswidrig befunden hätte? War die Richtervorlage einfach nur ungeschickt formuliert oder zu früh vorgelegt?

Ich möchte keinem der beiden Gerichte die Verantwortung für den Mißerfolg zuschreiben. Dieser Vorgang zeigt leider, wie schlecht unser System funktioniert und daß ohne ausreichend öffentlichen Druck nichts von selber besser wird. Viel schlimmer finde ich, daß diese Entscheidung, nicht über die Verfassungsmäßigkeit von Sanktionen zu entscheiden, bei Betroffenen oder Interessenvertretern so gut wie keine unmittelbaren Reaktionen ausgelöst hat.

Liegt es daran, daß noch weitere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes zu der Frage anstehen, ob die Jobcenter bis zum Entzug der Existenzgrundlage sanktionieren dürfen? Oder haben die meisten längst ihre Hoffnungen aufgegeben und erwarten von unserem höchsten Gericht nichts mehr? So wie manche nichts mehr von Wahlen, Parteien oder Demokratie an sich halten? War ich der Einzige, der auf diese Entscheidung gewartet und Hoffnungen mit ihr verbunden hat?

Welcher Druck würde von uns allen fallen, wenn wir endlich Schwarz auf Weiß hätten, daß Hartz IV Sanktionen grundgesetzwidrig sind. Dies würde auch die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen voran bringen, damit wir endlich mal ein soziales Problem lösen und uns als Gesellschaft ein Stück weiter entwickeln.

Stattdessen scheint die Entwicklung zu einer sozialeren Gesellschaft eher zu stagnieren. Das Tempo kann sich sogar noch verlangsamen oder Entwicklungen können rückwärts gehen. Je nach dem, ob in Zukunft mutige oder nur systemkonforme Menschen für das Amt als Verfassungsrichter berufen werden oder ob rechte, rückwärtsgewandte, menschenverachtende Einstellungen noch mehrheitsfähiger werden, als sie beschämenderweise schon sind.

Ich könnte nun schreiben, wie masochistisch man sein muß, oder wie frustrierend es für einigermaßen gut informierte Menschen ist zu wissen, daß wir mit unserer Kreativität außer der Halbwertszeit von Plutonium fast alle Probleme lösen könnten und daß alle Menschen auf diesem Planeten ein naturgegebenes Recht auf ein gutes Leben haben, sofern die Regeln unseres Zusammenlebens auf Chancengleichheit und Partizipation beruhen sollen. Doch was ändert das bloße Jammern?

Genau so gut könnte ich mir den Text der Entscheidung des hohen Gerichtes ansehen und eine Analyse schreiben. Bin mir nicht sicher, ob ich dabei mehr zustande brächte, als es andere hoffentlich noch tun werden. Ich weiß auch nicht, ob es hier jemand liest, so selten wie ich mich zu Wort melde.

Warten wir also ab, wie die noch ausstehenden Entscheidungen ausfallen werden und hören wir nicht auf, unsere Utopien von einer gerechteren Welt zu verbreiten. Je größer der Kontrast, desto besser ist etwas zu sehen.


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Erstellt: 03.06.2016 10:53
Geändert: 03.06.2016 10:53
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