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Tunesien: Vernachlässigung jener, die bei der Revolution verwundet wurden

21.04.2012 23:17

Autor der englischen und arabischen Fassung: Salah Almhamdi für Global Voices, 20. April 2012
Deutsche Übersetzung: BrunO

Dieser Beitrag gehört zum Global Voices Themenschwerpunkt tunesische Revolution 2011.

Tunesier haben ihre Unzufriedenheit und Wut über die unzureichende Behandlung jener zum Ausdruck gebracht, die während der tunesischen Revolution verletzt wurden. Bevor Präsident Zine El Abidine Ben Al aus dem Amt gejagt wurde, wurden hunderte von Menschen bei Zusammenstößen mit der Polizei verwundet, doch man hat sie seitdem vernachlässigt. Manchen von ihnen müssen immer noch Geschosse aus ihrem Körper entfernt werden und andere denen Gliedmaßen amputiert wurden, warten immer noch auf Prothesen. Viele haben aufgrund der Komplexität ihrer Fälle keine angemessene Behandlung erhalten.

Die prominente Bloggerin und Aktivistin Lina Ben Mhenni schrieb in einem mit “Die Verwundeten der Revolution, die auf etwas warten, das nicht kommen wird” betitelten Blogbeitrag [arabisch]:

منذ أكثر من سنة و جرحى الثورة التونسية يعانون من اهمال و لا مبالاة أولئك الذين توالوا على دفّة الحكم من مسؤولي حكومات مؤقّتة. فتعدّدت المبرّرات و تنوّعت و كأنّ العلاج و حلّ المشاكل الصحية لمن ضحّوا في سبيل الوطن و يحتمل الانتظار , فتذرّعت كلّ حكومة باسباب واهية فمن الحكومات من تعلّلت بأنّها وقتيّة و لا تملك الصلوحيّات الكاملة لاتخاذ التدابير اللازمة لعلاج هؤلاء الأبطال الذين واجهوا عنف البوليس و عرّضوا أجسادهم للرصاص الحيّ حالمين بتغيير أحوال البلاد فلجأ بعض الجرحى الأبطال الى النضال بأجسادهم مرّة أخرى ليضمنوا حقّهم الشرعيّ في العلاج و هو أبسط ما يمكن أن نقدّمه لهم فدخلوا في اضراب مفتوح عن الطعام قبيل الانتخابات بفترة قصيرة و ذلك بعد أن طرقوا جميع الأبواب التي أوصدت في وجوهم مرات و مرات.
Seit über einem Jahr haben jene die während der tunesischen Revolution verwundet wurden unter der Vernachlässigung und Gleichgültigkeit deren die an die Macht gekommen sind gelitten – Vertreter der Übergangsregierungen. Es gab immer mehr und immer unterschiedlichere Rechtfertigungen, als ob die Behandlung und die Lösung der Gesundheitsprobleme jener die sich selber für die Nation geopfert haben warten könnte. Jede dieser Regierungen hat fadenscheinige Begründungen geliefert; eine Regierung sagte, sie sei nur vorübergehend und habe nicht die Befugnisse, die Maßnahmen zu ergreifen die notwendig sind, um die Helden zu behandeln, die unter der Polizeigewalt litten und ihre Körper scharfer Munition aussetzten, während sie von einer Veränderung der Verhältnisse im Land träumten. Deshalb haben manche der verwundeten Helden erneut den Kampf aufgenommen, setzten ein weiteres Mal ihren Körper ein, um ihr legitimes Recht auf Behandlung zu garantieren, was das Mindeste ist, was wir ihnen anzubieten haben. Nachdem sie überall angeklopft haben und ihnen die Türen immer wieder vor der Nase zugeschlagen wurden, sind sie kurz vor den Wahlen in einen unbefristeten Hungerstreik [arabisch] getreten.
Die Familien Verwundeter veranstalten während der Revolution ein Sit-in. - © Foto: machhad.com (CC: BY-NC-ND 3.0).

(Fotos für Slideshow anklicken)
Tarek Dziri und Muslim Bin Fraj Kasdallah, die drohten, sich vor der verfassungsgebenden Nationalversammlung am 18. April 2012 zu verbrennen, bevor die Regierung beschloß, sie für eine Spezialbehandlung in´s Ausland zu schicken. - © Foto: machhad.com (CC: BY-NC-ND 3.0).

Die Bloggerin Hada Ana beschrieb einen Fall:

في تونس ما بعد الثورة, يموت جرحى ثورتنا في المستشفيات الغير مجهزة بمعدات قادرة على شفائهم . اليوم في تونس ما بعد الثورة, و بعد صراع دام 8 أشهر قضها مقعد في فراشه و لا يجد من يتذكره ولا يواسيه في محنته, توفي جريح ثورتنا حسونة بن عمر
Im nachrevolutionären Tunesien sterben die Verwundeten unserer Revolution in Krankenhäusern, die nicht dafür ausgerüstet sind, sie zu behandeln. Heute starb im nachrevolutionären Tunesien Hassouna Ben Omar nach einem achtmonatigen Kampf, den er im Krankenbett zugebracht hat, niemand wird sich an ihn erinnern oder das Leid seiner Qualen teilen.
Mohamed Bin Tijani El-Hanchi hat eine Kugel in seinem Körper. - © Foto: machhad.com (CC: BY-NC-ND 3.0).
Die Eltern von Rashad El-Arbi gingen für mehrere Tage in einen Hungerstreik, bevor die Regierung beschloß, für seine Behandlung die Verantwortung zu übernehmen. - © Foto: machhad.com (CC: BY-NC-ND 3.0).

Yassine Ayari twitterte über die regierende Ennahda-Partei:

@yassayari: نواب النهضة بش يداويو جرحى الثورة بالقرأن و النشيد الوطني..
Die Abgeordneten von Ennahda werden die Verwundeten mit dem Koran und der Nationalhymne behandeln…

Der Blogger Abdelkader Hammami wies auf einen anderen Aspekt hin:

وتنشر الصفحات القريبة من النهضة معلومات مثيرة لم نقدر على إثبات مصدرها جاء في بعضها: «من غرائب الثورة التونسية وجود 7 آلاف مطلب فوق مكتب سمير ديلو وزير حقوق الإنسان يدعي أصحابها أنهم جرحوا خلال الثورة، كثير منهم جرحوا في أحداث عنف لا علاقة لها بالثورة، ويجب أن تلاحقهم الدولة من أجل التحيل والابتزاز».
[Facebook-]Seiten die mit Ennahda in Verbindung stehen haben interessante Informationen veröffentlicht, deren Quellen wir nicht verifizieren können. Nach denen gehört “die Präsenz von siebentausend Anträgen auf dem Schreibtisch des Ministers für Menschenrechte, Samir Dilou, zu einer der Eigentümlichkeit der tunesischen Revolution. Die Antragsteller sagen, sie wären während der Revolution verletzt worden, doch viele von ihnen wurden bei Gewalttaten verletzt, die nichts damit zu tun haben und die Regierung sollte sie wegen Betrug und Erpressung strafrechtlich verfolgen.”

Im folgenden Video von Melomanx wird ein Sit-in gezeigt, das während der Revolution verwundete Männer am 26. März 2012 vor dem Ministerium für Menschenrechte und Übergangs-Justiz durchgeführt haben:

Dieses Video von TunisiaTalks beschreibt das Leid von Verwundeten der Revolution:


Der Originalartikel “Tunisia: Neglect of Those Wounded in the Revolution” wurde unter Creative Commons: BY veröffentlicht. Für diese Übersetzung gilt das Lizenzmodell dieses Blogs.

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Erstellt: 21.04.2012 23:17
Geändert: 22.04.2012 01:04
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=99

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