Initiative Pro Netzneutralität

Bildungsstreik 2009

26.07.2009 20:29

Um Bildung geht es seit der 68’er Bewegung. Damals fing es mit der Forderung nach zeitgemäßeren Bildungsinhalten und anderen Lernformen an. Heute werden bessere materielle Voraussetzungen und eine Demokratisierung des Bildungssystemes gefordert. Im Prinzip geht es um Gerechtigkeit. Gleiche Lebenschancen für alle. Dem kann natürlich fast jeder zustimmen. Darum sind konkretere Forderungen besser.

Ich habe altersbedingt schon länger keine Schule mehr von innen gesehen. Zum Glück nichtmal als Besucher. Mir scheint aber, daß sich seit meinem ersten Schultag irgendwann in den frühen Sechzigern nicht viel geändert hat.

Ich finde lebenslanges Lernen gut und notwendig. Das meiste, was ich in meinem Leben gelernt habe, lernte ich jedoch autodidaktisch außerhalb von Institutionen. Auch Berufsrelevantes. Vor ein paar Jahren verschlug es mich in eine vom Arbeitsamt geförderte Umschulung. Das didaktische Niveau lag unter dem, was ich am Gymnasium erlebt hatte. Mitte der 70’er Jahre trieb ich mich an einer sogenannten Reformuniversität herum. Anfänglich gab es noch keine Studienordnung. Das Lernen hing von der eigenen Initiative ab. Gelegentlich wurde das Lernen selber von uns Studenten thematisiert.

Ich weiß nicht wirklich, wie es heute an Schulen und Universitäten aussieht, hege aber ein prinzipielles Mißtrauen gegen diese Institutionen. Den meisten inhaltlichen Forderungen vergangener wie aktueller Bewegungen für bessere Bildung stimme ich zu, soweit ich sie als Unbeteiligter verstehe. Daß Bildung von einem ideellen Gut zum Ware wird, hätten die 68’er auch kritisiert und sie würden es heute tun, wenn sie noch wach wären. Mir geht diese Kritik jedoch nicht weit genug. Ich möchte eine prinzipielle Frage stellen.

Was ist Bildung? Ist es das Anhäufen von Wissen oder ist es die Fähigkeit zu Lernen? Sicher ist gute Bildung eine Mischung aus beidem. Was aber ist das Grundlegendere? Für mich ist es das Lernen. Wird dieses an Schulen und Universitäten wirklich gelehrt, geübt, gelernt? Ist es nicht immer noch so, daß man als Schüler zwar gesagt bekommt, was man bis wann zu lernen hat, nicht aber wie man dies am besten tut?

Ich argwöhne, daß die an unseren Schulen angewandte Didaktik nicht dem Stand der Forschung entspricht. Außerdem kann man die Erkenntnis daß Lernen ein aktiv erlebter Prozeß ist bestens neutralisieren, indem man Lernprojekte organisiert. Das hat nichts mit eigenständigem durch Interesse am Thema motiviertem Lernen zu tun. Vermutlich werden den meisten deutschen Schülern nichtmal für’s Einmaleins und zum Vokabeln lernen effektive Methoden angeboten. Um Curricula wird parteipolitisch immer wieder heftigst gestritten, nicht aber um das, was bei den Schülern ankommt.

Man kann sozial besser selektieren, wenn man das Lernen selber nicht vermittelt. Darum hält sich das alte Schulmodell so hartnäckig. Es geht nicht um Lernen sondern um Dressur. Menschen sollen nur funktionieren – nicht selber denken.

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Erstellt: 26.07.2009 20:29
Geändert: 26.07.2009 20:41
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=20

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