Initiative Pro Netzneutralität

MCS als Benchmark-Test für Wikipedia

13.08.2009 01:16

Zugegebenermaßen benutze ich Wikipedia unkritisch. Das heißt ich sehe nach, was zu einem Thema auf Wikipedia steht. Oft genügt das und als Anfang für weitergehende Recherchen ist es erst recht gut zu gebrauchen. Ich vertraue auf die Selbstreinigungskräfte der Wikipedia-Community.

Nun wird es spannend! Wie das Chemical Sensitivity Network berichtet, befindet es sich derzeit mit zwei Wiki-Admins um den Eintrag zu Multiple Chemical Sensitivity (MCS) im Edit-War. Die Einträge des CS-Networks werden von diesen Admins immer wieder umgeschrieben.

Bekanntermaßen versuchen Interessengruppen auf Wikipedia ihre Ideologien zu verbreiten oder bekannte Personen wollen sich in besserem Licht erscheinen lassen. So etwas hat normalerweise keinen Bestand. Andere Autoren ändern und korrigieren es sofort. Selbst Vandalismus kann nicht viel anrichten. Wenn es die User nicht wieder herstellen (könnten), gibt es immer noch die chronologisch in der Datenbank abgelegten Versionen.

Aufgabe der Admins ist es, diese Vorgänge zu beobachten und Edit-Wars zu verhindern. Schlimmstenfalls wird ein Artikel für die weitere Bearbeitung gesperrt. Was ist nun aber, wenn sich Admins die vielleicht vom Fach sind mit anderen Usern einen Editier-Krieg liefern?

Es geht um die Ursachen der Überempfindlichkeit gegen verschiedene Chemikalien. Das CS-Network versucht den aktuellen wissenschaftlichen Stand einzubringen während die Admins MCS als psychisch bedingte Überempfindlichkeit dargestellt sehen möchten.

Ich hoffe, daß Wikipedia diesen Streit fair auflösen kann. Es gibt nicht nur für jeden Wissensbereich eine Redaktion, es gibt auch die Möglichkeit ein Vermittlungsverfahren einzuleiten, nachdem eine Klärung auf persönlicher Ebene nicht möglich war.

Beide Admins sind Ärzte. Manche solche tendieren dazu, bei schwierigen oder uneindeutigen Diagnosen psychische Ursachen anzunehmen. In einer so auf Objektivität pochenden Wissenschaft wie der ihren wird die subjektive Wahrnehmung des Patienten oft abgetan. Wo nix zu finden ist, kann nix sein.

Im vorliegenden Fall kommt man nicht ganz umhin, Lobby-Arbeit zu vermuten. MCS läßt sich leicht in einen politischen Zusammenhang stellen. Die Admins wollen das offenbar nicht. In der Krise könnten wir es uns sowieso nicht leisten, öffentliche Gebäude zu sanieren oder gar die Bevölkerung unnötig noch mehr zu verunsichern.

Seit Jahrzehnten wurde eine unüberschaubare Anzahl von Chemikalien entwickelt und in die Umwelt frei gesetzt. Von einigen Stoffen weiß man, daß man dies besser nicht hätte tun sollen, z.B. DDT und FCKWs. Leider merkt man sowas oft erst nach sehr langer Zeit wenn es zu spät ist und oft wird Teufel durch Belzebub ersetzt. Belzebub erscheint anfänglich weniger schädlich, da er noch wenig in der Umwelt vorkommt. Die meisten Stoffe sind nie als besonders gefährlich aufgefallen. Wenn diese von einzelnen Individuen nicht vertragen werden, kann man das leicht diesen als persönliches Unvermögen anhängen.

Ich hatte von MCS bisher noch nichts gehört. Als ich aber darüber las, kam mir einiges wohl bekannt vor. Ich mußte mich ca. 10 Jahre mit einer Haut-Allergie rumplagen, mit der Ärzte nichts anfangen konnten. Ich konnte den Stoff identifizieren und meiden. Ein Allergietest auf bekannte allergene Naturstoffe hätte nicht weiter geholfen. Den lehnte ich ab. Hoffentlich testen Hautärzte nicht immer noch nur auf Blütenpollen und ähnlichen Scheiß. Wen’s interessiert, es war Styrol. Ich kann heute wieder mit Epoxyd kleben oder vergießen. Stattdessen würde ich mich nun als elektro-sensibel bezeichnen und habe einen Tinnitus. Ich spinne also immer noch.

WIKIPEDIA WIRD UNS HOFFENTLICH NICHT ENTTÄUSCHEN!

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Erstellt: 13.08.2009 01:16
Geändert: 13.08.2009 01:25
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=23

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