Initiative Pro Netzneutralität

Lieber Herr Müller!

23.12.2010 18:23

Antwort auf "Macht es Sinn, eine Idee zum Dauerthema zu machen, wenn sie nie realisiert werden wird?" (Albrecht Müller/NachDenkSeiten).

Vollbeschäftigung ist unter den herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen nicht weniger utopisch wie das bedingungslose Grundeinkommen! Wenn es aber darum geht, die Gesellschaft zu verändern, ist mir das bedingungslose Grundeinkommen als Utopie weitaus sympathischer, als unbedingt jeden in ein Lohnverhältnis zwingen zu wollen. Sie vertreten hier eine Position der Vergangenheit.

Warum sollte man die technischen Möglichkeiten rationeller Produktion nicht nutzen? Natürlich kann man sich neue sinnvolle Arbeitsplätze vorstellen. Warum sollten bestimmte Produkte der Qualität oder Gesundheit wegen nicht von Hand gefertigt werden?

Das bedingungslose Grundeinkommen würde eine gewisse Gleich(er)heit der Menschen schaffen, so daß jeder seine Existenzberechtigung nicht nur auf dem Papier stehen hat. Sie müßten sich eben doch mal mit den Gedanken von "Freiheit statt Vollbeschäftigung" befassen. Wenn ich nicht um des Überlebens Willen arbeiten muß, wird Arbeit auch angemessen bezahlt und so manch einer würde arbeiten, statt sich mit dem nötigsten zu begnügen oder sich zu langweilen.

Ich kann mir ein Grundeinkommen auch nicht so ohne weiteres vorstellen, aber nur deshalb, weil bei uns keiner etwas geschenkt bekommen darf. Bei uns gerechtere Verhältnisse einzuführen wäre jedoch eine schöne Vorübung für Gerechtigkeit auf der ganzen Welt. Letzere wäre sogar vorrangig und weil wir die Welt dominieren, bzw. wie es heißt globalisieren, sollten wir erstmal bei uns anfangen und unser Wertesystem überdenken.

Würden wir andere Kontinente und deren Ressourcen nicht weiter ausbeuten, käme in der Tat viel Arbeit auf uns zu, die wir selber tun müßten. Dennoch hat es die technische Entwicklung, d.h. die Kreativität des Menschen, so an sich, daß die Produktivität steigt und immer mehr Arbeitskraft überflüssig wird. Das ist die Erkenntnis von Herrn Götz Werner und er denkt über Lösungen nach.

Schneiden Sie bitte Ihre alten Zöpfe ab. Was die ethischen und materiellen Werte angeht, empfehle ich ebenso wie Sie, immer danach zu fragen, wem was nützt. Doch wen unterstützen Sie, wenn Sie von Vollbeschäftigung träumen?

Bezüglich Finanzierbarkeit des BGE scheinen Sie vom heutigen System auszugehen. Stellen Sie sich aber nur mal vor, man würde das Arbeitsamt abschaffen und das eingesparte Geld den Hartz IV Empfängern zu ihrem bisherigen Regelsatz dazu geben. Ich vermute, daß wäre sogar zu viel. Vielleicht rechnet das mal jemand nach. Ich möchte jetzt nicht alle Argumente wiederholen, die andere besser formuliert haben, es gäbe aber noch weitere Leistungen, die man ohne Bureaukratie einfach gewähren könnte. Wie man das dann nennt, wäre mir egal, Hauptsache jeder bekommt seine Kohle. Daß wir Staatsschulden haben zeigt doch eher, daß das jetzige System nicht finanzierbar ist (legale Steuerhinterziehung mal außen vor gelassen).

Daß es keine Partei gibt, die sich des Themas bedingungsloses Grundeinkommen angenommen hätte, ist schlichtweg falsch. Auch das sagt etwas über Ihre politische Wahrnehmung aus. Die Piratenpartei nimmt man eben nicht ernst. Derzeit steht das BGE zwar noch nicht im Parteiprogramm, es wird aber um eine Lösung der Existenzsicherung gerungen.

Ist Ihre Botschaft an alle auswegslos Eingesperrten: “Macht es Sinn, Freiheit zum Dauerthema zu machen, wenn Du nie frei sein wirst”? – Ich plädiere für echte Utopien, ansonsten haben die Absahner längst gewonnen.

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Erstellt: 23.12.2010 18:23
Geändert: 23.12.2010 23:59
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