Initiative Pro Netzneutralität

Attac-Ratschlag beschließt Kampagne für Vermögensabgabe

27.03.2012 20:07

Pressemeldung und Attac
Jena / Frankfurt am Main, 25.03.2012


© Foto: seven resist CC: BY-NC-SA via flickr 
Widerstand gegen europaweite Verarmungspolitik bei Aktionstagen im Mai

Die europaweiten Aktionstage vom 17. bis 19. Mai in Frankfurt und eine Vermögensabgabe-Kampagne werden den Schwerpunkt der Attac-Aktivitäten in den kommenden Monaten bilden. Das haben die Aktiven des globalisierungskritischen Netzwerkes am Wochenende bei ihrem Ratschlag – der Bundesvollversammlung – in Jena entschieden. Zentrales Thema des Treffens war die Rolle von Attac im Widerstand gegen die deutsche und europäische Krisenpolitik. “Wir müssen uns auch hier zu Lande entschieden gegen die europaweite Verarmungspolitik wehren und zugleich offensiv für mehr Verteilungsgerechtigkeit kämpfen”, sagte Roland Süß vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis.

Mit einem breiten Bündnis bereitet Attac die Proteste im Mai unter dem Motto “Blockupy Frankfurt” vor und mobilisiert zu ihnen. Geplant sind Besetzungen zentraler Anlagen, Blockaden der EZB und anderer Banken sowie eine große Demonstration. Auch der Wissenschaftliche Beirat von Attac unterstützt die Aktionstage und hat einen entsprechenden Aufruf veröffentlicht. Thomas Sablowski, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats: “Wir können nicht tatenlos zusehen, wie ganze Gesellschaften kaputt gespart werden. Enteignen wir diejenigen, die uns enteignen! Die Reichen, die Banken und Konzerne müssen für die Krise zahlen.”

Mit einer Kampagne für eine europaweit koordinierte Vermögensabgabe wird Attac sich für eine radikale Umverteilung von oben nach unten sowie von Privat zu Öffentlich einsetzen. “Irrsinnigerweise wachsen die privaten Vermögen gerade während der Krise rasant weiter”, sagte Steffen Stierle vom Attac-Koordinierungskreis.” Die Krisenlasten müssen durch den Abbau dieser immensen Vermögen gestemmt werden und nicht durch brutale Kürzungsorgien.” 2010 betrugen die privaten Vermögen in Deutschland 10,1 Billionen Euro. Davon verfügte die Hälfte der Bevölkerung über 1,7 Prozent; das reichste eine Prozent der Gesellschaft besaß etwa 40 Prozent des Gesamtvermögens. Steffen Stierle: “Wir sind die 99 Prozent, denen das eine Prozent gegenübersteht. Dieses obere eine Prozent wird im Fokus unserer Kampagne stehen.”

Original-Quelle: attac.de


Senf des Blogmeisters:

Ich fand Attac schon immer gut, deswegen übernehme ich hier ab und zu Pressemeldungen von denen. Das was Attac schreibt, liest sich nicht nur wie Occupy, da ist auch Occupy drin, bzw. Occupy-Gruppen arbeiten mit Attac zusammen. Das paßt, zumal Occupy-Themen von je her typische Themen der Attac-Bewegung waren. Ich frage mich nur, wieviel Occupy es in Deutschland überhaupt gibt. Womöglich waren das eh alles Attac-Anhänger und es kamen kaum neue Leute dazu, um hier in Deutschland etwas gegen den neoliberalen Wahn loszutreten.

Im Gegensatz dazu haben die amerikanischen Occupyer den Winter hindurch fleißig Bündnisse geschmiedet und mobilisiert, während manche bei uns nicht nur die deutsche, sondern gerade die amerikanische Occupy-Bewegung für tot hielten. Diese beweist zur Zeit das Gegenteil. Nicht nur ist der Union Square seit mehreren Tagen besetzt, während eine Neubesetzung des Zuccotti-Parks nicht möglich war. Mehrmals die Woche finden Märsche mit etlichen Tausend Teilnehmern statt und es wird geraunt: “Wartet erstmal ab, bis es wieder richtig warm wird!”

Occupy hat zwar angeblich keine eigenen Themen, außer dem Gegensatz zwischen den 1% und den 99%, greift aber alles auf, was an gesellschaftlichem Unmut da ist und letztlich auf die ungerechte Einkommensverteilung zurückzuführen ist. Bei uns hier gibt es nichts dergleichen, wir haben eben keinen Unmut.

Warum bekommen wir z.B. keinen Hoodie-Marsch für ein berliner transsexuelles Kind zustande, das nicht der Norm entspricht? Einen jungen Menschen zu den eigenen Problemen auch noch ein Stigma aufzudrücken ist nicht humaner wie jemanden zu erschießen weil er verdächtig aussieht. Unser Bürgermeister ist angeblich schwul, was würde besser passen und wie viele Leute pilgern jedes Jahr zum Christopher Street Day? Warum die nicht alle in die Occupy-Bewegung integrieren, indem man wenn es sich anbietet eines ihrer Themen aufgreift? Wenn dazu noch alle Hartzies bei Occupy mitmachen würden, wäre echt was los im stagnierenden Land.

Nachtrag zum letzten Blogpost:

“Disrupt Dirty Power” fand tatsächlich statt, obwohl diese Aktion anders als ich annahm nicht gestreamt wurde und in den Tumulten einer Demo gegen Polizeigewalt unterging. Die New Yorker Polizei tat genau das, weshalb gegen sie demonstriert wurde. Im Vorfeld der Demo wurde eine Petition gestartet die fordert, daß der New Yorker Generalstaatsanwalt gegen die Polizei ermitteln soll. Bitte unterzeichnen! Die Occupyer, die sich an jenem Samstag theatralisch geschniegelt und in Anzüge geschmissen hatten, machten eine ganz seltsame Erfahrung. Die Polizei war auf einmal nett zu ihnen und hatte trotz Festnahmen sogar Verständnis für die Aktion vor dem UN-Hauptsitz. Kleider machen Leute.


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Erstellt: 27.03.2012 20:07
Geändert: 27.03.2012 20:38
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=95

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