Initiative Pro Netzneutralität

Von der Wall Street zur Hauptstraße

11.12.2011 21:28

Sieben Methoden die wirklichen Job-Erzeuger zu unterstützen

Es stellt sich heraus, daß die 99% und nicht die 1% Arbeitsplätze schaffen.

Von John Cavanagh und David Korten für YES! Magazine, 29.11.2011
Übersetzung: BrunO

© Foto: Gwydion M. Williams CC: by via flickr 


Wenn Sie die Debatten der Republikaner in der letzten Zeit verfolgt haben, haben Sie gehört, daß die Wall Street der wirkliche “Job-Erzeuger” unserer Wirtschaft wäre und daß der beste Weg Amerikaner wieder in Lohn und Brot zu bringen darin bestünde, alle lästigen Beschränkungen – wie Umwelt- und Arbeitsschutz-Bestimmungen oder Steuern oder das Recht sich gewerkschaftlich zu organisieren – abzuschaffen, welche dafür verantwortlich sind, daß sie nicht eingestellt werden.

Doch das Ziel der Wall Street ist es, Geld zu machen, nicht Jobs zu kreieren. Die Institutionen der Wall Street sehen Lohne und Sozialleistungen als Kostenfaktor, der minimiert werden muß. Die Manager an der Wall Street wissen, daß die sicherste Methode, den Preis der Aktien ihres Unternehmen zu erhöhen und damit auch den Wert ihrer persönlichen Aktienoptionen nach oben zu drücken darin besteht, die Entlassung von tausenden von Arbeitern anzukündigen, ihre Stellen abzubauen oder in’s Ausland zu verlagern.

Zwischen 2000 und 2009 haben beispielsweise transnationale US-Unternehmen, die ungefähr 20% aller US-Arbeiter beschäftigen, ihre US-Angestelltenzahlen radikal um 2,9 Millionen gekürzt, obwohl sie ihre Arbeiterschaft in Übersee um 2,4 Millionen erhöht haben. Das Ergebnis war sowohl ein signifikanter nationaler als auch ein weltweiter Verlust an Arbeitsplätzen.

Wer sind nun Amerikas wirkliche Job-Erzeuger?

Die Job-Erzeuger der lokalen Wirtschaft

Es stellt sich heraus, daß in den Vereinigten Staaten die meisten Jobs von Unternehmern in der lokalen Wirtschaft und nicht von den Finanz-Zauberern an der Wall Street geschaffen werden. In unserem neuen Bericht "Jobs: Eine Abhilfe für das Versagen der Wall Street aus der Hauptstraße" zeigen wir, daß die meisten Arbeitsplätze von den 99% generiert werden und daß der beste Weg die Entstehung von Arbeitsplätzen zu fördern darin besteht, für die Rechte und den Schutz der 99% einzutreten.

Eine Reihe von Studien der Kauffman Stiftung zeigen, daß fast die gesamte Zunahme an Jobs Startup-Unternehmen zu verdanken ist, die von ihrer Natur her Produkte der lokalen Wirtschaft sind. Es ist genau so deutlich zu erkennen, daß mehr als 90% (PDF) der Unternehmer, welche für die Zunahme von Arbeitsplätzen verantwortlich sind, aus der Mittelklasse oder aus dem oberen Segment der Unterklasse stammen. Weniger als 1% der amerikanischen Unternehmer die Jobs schaffen, kommen aus extrem reichen oder extrem armen Schichten.

Genauso wie die Ökonomie an der Wall Street dafür da ist, für die 1% Geld zu machen, geht es in der lokalen Wirtschaft darum, daß sich die Mittelklasse selbst organisiert, um innerhalb der Möglichkeiten des Marktes ihr Auskommen darin zu finden Betriebe zu gründen, welche die Bedürfnisse der Gemeinschaft nach Gütern, Dienstleistungen und Existenzsicherung befriedigen. Das ist jene Marktökonomie, die Adam Smith vorschwebte, als er den Reichtum der Nationen schrieb.

Das ist eine entscheidende Erkenntnis. Um Amerikas unternehmerische und Jobs schaffende Energie zu entfesseln, müssen wir Politiken voran treiben, welche die Mittelklasse erweitern und die lokale Wirtschaft stärken. Dies hat uns unsere eigene nationale Erfahrung gelehrt.

Nachdem die Wall Street Finanziers die große Depression der 30’er Jahre ausgelöst hatten, wurden in Amerika korrigierende Strukturen eingeführt. Dazu gehörte ein stark progressives Steuersystem, ein starkes soziales Sicherungsnetz und eine wirksame Regulierung der Banken und Unternehmen an der Wall Street. Diese Strukturen verschoben den Ort der finanziellen Macht von den Wall Street Finanziers zu den gewöhnlichen Amerikanern die hart arbeiteten und ihre Ersparnisse in Jobs schaffende Geschäfte investierten, welche die Bedürfnisse der Gemeinschaft befriedigten und gesellschaftlichen Wohlstand schufen.

Dieses starke ökonomische Fundament ermöglichte den Vereinigten Staaten nach dem Gewinn des Zweiten Weltkrieges den Aufstieg, Dank einer großen Mittelklasse und einer industriellen und technologischen Basis, welche sie zur mächtigsten Nation machte. Für einen großer Teil der Gesellschaft wurde der amerikanischen Traum eines sicheren und komfortablen Lebens als Lohn für harte Arbeit und das Einhalten von Spielregeln zur Wirklichkeit. Für einen kurzen Augenblick kam durch die Bürgerrechtsbewegung die Hoffnung auf, daß alle Amerikaner unabhängig von ihrer Hautfarbe an diesen Traum teilhaben könnten.

Wie die Wall Street die Regie übernahm

Anfang der 70’er Jahre machten Interessengruppen der Wall Street still und heimlich mobil, um sich von Regulierungen, Gewerkschaften und Steuern zu befreien und die Wirtschaft der Nation und die soziale Absicherung zu demontieren. Ihre Initiativen, die unter der Regierung von Reagan noch stärker wurden, reduzierten die Steuern für die Reichen, schwächten die Gewerkschaften und drückten Löhne und Sozialleistungen nach unten, bauten Jobs ab oder outsourceten diese, hoben Beschränkungen für Zinswucher und Spekulationen auf, dirigierten die Finanzmärkte von langfristigen Investitionen zur Erzeugung von wahren Wohlstand zu Gewinnen aus Wertpapier-Betrug, Wucher, Marktmanipulation, Zerschlagung und Ausschlachtung von Unternehmen und zu immer mehr finanziellen Blasen.

Es mag nun so aussehen, als ob Amerikas Wohlstand von der Wall Street abhängen würde. Diese Vorstellung ist größtenteils eine durch den Erfolg der Wall Street hervorgerufene Illusion, die Regeln neu zu schreiben, um Finanzen, produktive Ressourcen und Politiker kontrollieren zu können. Die Beziehung der Wall Street zu den Vereinigten Staaten ähnelt jener eines kolonialen Besetzers, der nur sich selbst loyal ist und dessen Interesse einzig darin besteht, sich Reichtum anzueignen, den er selber nicht erzeugen kann. Die Einrichtungen der Wall Street profitieren vom Abbau von Jobs und Sozialleistungen, Lohndrückerei, Steuerhinterziehung, Verweigerung von Leistungen der Krankenversicherung und Plünderung der Altersvorsorge.

Jeder Service der Wall Street Institutionen, wird von Institution der lokalen Wirtschaft, die vor Ort starke Wurzeln hat, besser erbracht.

Wie man die Fähigkeit der lokalen Wirtschaft, Arbeitsplätze zu schaffen, wieder herstellen kann

Occupy Wall Street hat auf die Akkumulation von Macht und deren Mißbrauch an der Wall Street hingewiesen und eine dringend nötige Diskussion angestoßen, wie man den amerikanischen Traum eines sicheren und komfortablen Lebens, als Lohn für harte Arbeit und sich an die Regeln halten, wieder neu beleben könnte.

Die New Economy Working Group, der wir beide vorsitzen, hat gerade einen neuen Bericht "Jobs: Eine Abhilfe für das Versagen der Wall Street aus der Hauptstraße" veröffentlicht. Er untersucht die systembedingten Ursachen des aktuellen ökonomischen Versagens und präsentiert ein 7 Punkte Programm, um die Mittelklasse neu aufzubauen, eine Machtverlagerung von der Wall Street zur lokalen Wirtschaft voran zu treiben und Amerika wieder in Lohn und Brot zu bringen.

  1. Unsere ökonomischen Prioritäten neu definieren, indem finanzielle Indikatoren zur Beurteilung der ökonomischen Performance durch Indikatoren für wirklichen Wohlstand ersetzt werden.
  2. Das Geldsystem umgestalten, um für die Schaffung von Jobs eine Grundlage zu schaffen, damit das Geld in finanzielle Institution der lokalen Wirtschaft fließt, welche die Schaffung von Jobs in der lokalen Wirtschaft unterstützen.
  3. Die Mittelklasse durch Wiedereinführung einer progressiven Steuer, einer Beschäftigungspolitik und eines starken sozialen Absicherungssystems wieder aufbauen.
  4. Errichtung eines ökonomischen Förderungs-Rahmenwerkes, das Mittel- und Kleinunternehmen bevorzugt, die den Menschen vor Ort gehören, die von sich aus an der Gesundheit und am Wohlergehen ihrer Gemeinde und ihrer natürlichen Umwelt interessiert sind.
  5. Märkte und Demokratie vor Korruption und Konzentration von verantwortungsloser Unternehmensmacht schützen.
  6. Die Globale Ökonomie in im Wesentlichen autonome regionale Ökonomien umorganisieren, die den Gegebenheiten und Veränderungen der Biosphäre unseres Planeten gerecht werden und nicht gegen diese arbeiten.
  7. Globale Regeln und Institutionen einführen, welche die allgemeinen Menschenrechte garantieren und demokratische Selbstverwaltung und ökonomische Selbstversorgung auf allen Ebenen fördern.

Zu einem ernstzunehmendem Arbeitsförderungs-Programm gehören notwendigerweise kurzfristige Stimulations-Maßnahmen. Das wichtigste Augenmerk wird jedoch auf strukturellen Eingriffen liegen, um den Schwerpunkt der ökonomischen und politischen Macht von der Wall Street zur Hauptstraße zu verlagern und die amerikanische Mittelklasse wieder aufzubauen.



John Cavanagh, Leiter des Institute for Policy Studies und David Korten, Geschäftsführer des YES! Magazine sind die Hauptautoren des Berichtes "Jobs: Eine Abhilfe für das Versagen der Wall Street aus der Hauptstraße" der New Economy Working Group. Der Bericht darf im Internet frei gelesen und verbreitet werden.


Der Original-Artikel "7 Ways to Support the Real Job Creator: Main Street" steht unter der Creative Commons Lizenz: by-nc-sa, welche auch für diese Übersetzung gilt.

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Erstellt: 11.12.2011 21:28
Geändert: 11.12.2011 22:11
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=57

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