Rückblick auf ein Arbeitsleben
29. Oktober 2020 23:28
Der Text ist ein wenig lang...
© ZackeWas mein Leben angeht, blicke ich mit 66 noch nicht zurück, sondern nach Vorne. Mein Arbeitsleben habe ich jedoch abgeschlossen und beziehe Grundsicherung, da ich von meiner Rente nicht leben könnte. Mir werden nach allen Abzügen 385,05 Euro Rente ausgezahlt. Ich stelle mein Arbeitsleben als Beispiel für ähnliche Erfahrungen zur Diskussion.
Es folgt eine nicht ganz chronologische Schilderung meiner sogenannten Karriere:
Ich weiß leider nicht mehr, ob ich mal Lokführer, Pfarrer oder Bankräuber werden wollte. Als ich das Alter erreichte, in dem ich dies hätte entscheiden können, hatte ich wenig Optionen. Mein Vater wollte, daß ich BWL studiere und seine Firma übernehme. Er machte Hausverwaltungen im großen Stil und ich arbeitete probehalber ein halbes Jahr bei ihm mit. Für mich, nicht für ihn! Es gefiel mir nicht und ich wollte eigentlich nicht studieren.
Die Bundeswehr wollte gerade, daß ich der damaligen Wehrpflicht nachkomme und die Wehrbereichsverwaltung wollte mich nicht als Kriegsdienstverweigerer anerkennen. Nach der damaligen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts war absolute Gewissensnot Voraussetzung zur Anerkennung. Mensch durfte also nicht rational gegen Militär argumentieren, was ich tat. Jahrzehnte später erfuhr ich aber, daß die Prüfungsausschüsse tägliche Quoten hatten und daß somit Antragssteller auch unabhängig von ihrer Argumentation nach Überschreitung der Quote nicht anerkannt wurden.
Ich mußte mir damals wegen meiner Kriegsdienstverweigerung sehr viele Gedanken machen. Dies hat mich und andere sehr politisiert, obwohl wir in der Provinz und im Ländle, fernab der verebbten Protestbewegung der 68er aufwuchsen.
Ich hatte mir nach diesem Nachdenken alles sehr schön zurecht gelegt und mich in einer Einrichtung für geistig Behinderte vorgestellt. Ich wollte dort meinen Zivildienst ableisten und daraus vielleicht sogar einen Beruf machen. Dieser selbst gewählte, mit sehr viel Idealismus aufgeladene Berufsstart wurde mir versagt und für mich entstand Leerlauf, da ich auf die nächste Verhandlung warten mußte. Diese Geschichte sollte sich durch weitere Instanzen erfolglos bis zum Bundesverwaltungsgericht hinziehen.
Ich fing an, doch zu studieren. Allerdings nicht wie von mir gewünscht Psychologie in Bremen, dazu wäre ein besserer Numerus Clausus nötig gewesen, sondern Diplom-Sozialwissenschaften an der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg. Das war eine schöne Zeit von ca. 5 Jahren und ich hörte lange nichts von der Bundeswehr.
Einen Abschluß machte ich in der Zeit nicht, obwohl ich fast fertig war. Das Fach lag mir zwar, aber ich wußte selber nicht, wozu es später gut sein sollte und war falsch beraten. Außerdem hatte ich mich zeitlich ein wenig verkalkuliert. Als ich vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen die Bundesrepublik Deutschland unterlag, den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigern zu dürfen, sollte ich plötzlich eingezogen werden. Stolz war ich trotzdem, mich vor diesem hohen Gericht selber vertreten und zumindest in der Verhandlung behauptet zu haben. Im Nachhinein sagte mir ein Anwalt, ich hätte eher möglichst schnell einen Abschluß machen, in ein wissenschaftliches Projekt einsteigen und mir ein Unabkömmlichkeitsgutachten ausstellen lassen sollen. Danke dafür, dies erfahren zu haben, nachdem es zu spät war.
Ich zog es vor, mich nach Berlin abzusetzen. Einer von Vielen damals. Diese Zeit war lange mit Alpträumen verbunden und ich war auf der vom Osten umzingelten Insel eingesperrt. Ich bekam anonyme Post, melden Sie sich bitte unter diesen Nummer bla-bla... An der Freien Universität konnte und wollte ich nicht Fuß fassen. Mir wurde zu wenig meiner bereits erworbenen Studienleistungen anerkannt.
Ich jobbte gelegentlich als Löter und als meine Eltern jegliche Zahlungen einstellten, übernahm mich ein großzügiger Chef. Das war Anfang der 80er Jahre.
Der Traum vom Rockstar
Parallel zum bürgerlichen Arbeitsleben hegte ich den Traum, Profimusiker zu werden. Ich hatte schon zu Schulzeiten eine Band und auch in Oldenburg spielte ich in einer, die aber zeitgleich mit meiner Flucht nach Berlin auseinander fiel. In Berlin beschränkte ich mich darauf, Songs zu schreiben und diese ohne Band allein spielen zu können. Auch liebäugelte ich mit einem Home Recording Studio, um alles selber aufzunehmen. Dann hätte nur noch der Hit gefehlt.
© ZackeLeider mochte ich keine Hits, sondern wollte nur meine Musik spielen, die sich nicht am gängigen Kommerz orientierte. Daß ich damit in Berlin Einer von ganz Vielen war, wußte ich recht gut. So blieb es beim Träumen von als Traum erkannten Träumen und bei ganz wenigen Auftritten in Kneipen und auf U-Bahnhöfen.
Wäre der Fall der Mauer nicht dazwischen gekommen, hätte ich heute vermutlich eine recht gute Rente und eine lange, relativ schöne Zeit verbracht. Aber plötzlich gab es Konkurrenz aus dem Osten. Menschen die vor dem Nichts standen, gründeten neue Firmen und unterboten jeden Preis. Plötzlich brachen uns Aufträge weg und wir standen vor der Pleite.
Ich verließ die Firma, u.a. weil ich andere Vorstellungen von der anvisierten Krisenbewältigung hatte und versuchte tatsächlich, eine Weile von Straßenmusik zu leben, bis ich bei der Post anfing, nachts Briefe zu sortieren. Ich wurde sogar so etwas wie ein Vorarbeiter und hatte eine Weile in einem benachbarten Zustellstützpunkt bis morgens um Sechs die alleinige Aufsicht. Ich kehrte aber wegen zu viel Streß wieder auf meine alte Stelle zurück. Das ging tatsächlich. Problem war später ein neuer Chef, der mich weg mobben ließ. Das hatte ich nie verstanden, aber ich war zu Zeiten eines Einstellungsstops auf eine Sonderstelle eingestellt worden und diese für ihn überflüssige Stelle wollte der neue Chef, der sich bewähren mußte, natürlich möglichst schnell wieder los werden. Dies hatte wieder einmal nichts mit meiner Person zu tun.
Warum nicht selber Unternehmer werden?
Einen dritten Strang meines Karrierestrebens kann ich zeitlich nicht mehr genau in meine Schilderung einbauen. - Ich versuchte auch, mich selbständig zu machen, wurde dazu bei der Industrie und Handelskammer vorstellig und erhielt die offizielle Genehmigung, Spulen wickeln zu dürfen. Es ging um Tonabnehmer für elektrische Gitarren, die sogar recht gut waren, da ich mit neuartigen Materialien und in Ermangelung von Produktionsanlagen mit anderen Herstellungsmethoden experimentierte. Leider hat mir dies eine inzwischen wieder abgeklungene Styrolallergie eingebracht, die mich zehn Jahre lang plagte.
Zwecks Feedback hatte ich ein paar Muster verschickt und spielte jahrelang mit meinen selbst hergestellten Pickups. Ich entdeckte sogar eine Marktnische: Tonabnehmer für türkische Lauten (Manyetik Saz için). Auch da kam ich über den Status von Prototypen nicht hinaus. Vielleicht hätte ich mich mit Leuten mit ähnlichen Ideen zusammentun und wie es neudeutsch heißt, ein Startup gründen sollen. Vielleicht, vielleicht, auch die ganzen Ich-AGs haben nur wenige Unternehmer hervorgebracht.
Wie wäre es mit IT?
Nachdem ich bei der Post Dank Unterstützung einer Gewerkschafterin wenigstens mit einer Abfindung aufhörte, verbrachte ich ein ganzes Jahr zu Hause und mit Jobsuche. Ich stellte mich öfter persönlich vor. Es gab jedoch nicht all zu viele gute Jobs zum Bewerben und außerdem darf mensch bei der Bewerbung auf minder qualifizierte Jobs leider nie erwarten, finanziell wieder das zu bekommen, was er oder sie zuletzt hatte. Daraus machen die Jobcenter ganz schnell den Vorwurf, nicht arbeiten zu wollen. Dabei sind die großen Absahner jene, die etwas lassen, weil es sich nicht rechnet. Warum darf das der arbeitende Mensch nicht? - Weil er oder sie in der schwächeren Position ist! Und damit der Mensch immer ausbeutbar bleibt, wird es nie ein bedingungsloses Grundeinkommen geben.
Obwohl ich mich erst nach einem Jahr arbeitslos meldete, gab das keinen Ärger, wohl mußte ich aber ab da an allen möglichen Maßnahmen teilnehmen. Wie mensch sich bewirbt, wie mensch MS-Word bedient usw. Es waren auch lehrreichere Maßnahmen dabei, aber keine brachte mich einem Job näher.
Schließlich erkämpfte ich mir eine Umschulung zum Fachinformatiker. Günstigerweise standen Wahlen an und die Arbeitslosenzahlen sollten möglichst niedrig gedrückt werden. Die Umschulung war pädagogischer Unfug. Der Stoff- oder Lehrplan sah so aus, wie gerade Dozenten aus dem Pool zur Verfügung standen und wir wurden im Schweinsgalopp durch den Stoff gejagt. Trotzdem glaubte ich bis zuletzt an den Sinn. Oder ich hoffte. Erst als ich für einen Praktikumsplatz Türklinken putzen mußte, wurde mir klar, daß diese Umschulung eher dem Träger und dem Jobcenter, nicht aber mir was bringt. Ich fand keine gute Stelle, da die Firmen lieber besser qualifizierte Absolventen von den Unis haben wollten. Auch herrschte damals das Praktikumsunwesen, dem erst später durch Gesetze Einhalt geboten wurde. Es gab eine Menge gut ausgebildeter Leute, die von einem zum anderen Praktikum hangelten und nie eine Stelle angeboten bekamen.
Während ich noch in der Umschulung war, mußte ich nicht nur aus Altersgründen meinen Traum begraben, irgendwann irgendetwas professionell mit Musik zu tun zu haben. Ich hatte schlichtweg keine Zeit mehr, meine ca. 100 Songs regelmäßig zu üben. Leider habe ich nur die Texte auf Papier und die Musik nur als grobe Taktschemen mit Akkorden notiert. Obwohl Studio Equipment in meiner Wohnung herum stand, habe ich die Songs nie aufgenommen. Wenig Zeit hatte ich allein aufgrund des langen Weges nach Hennigsdorf und von dort zurück.
Auf dem Weg zu meiner Praktikumsstelle saß ich noch länger in der Bahn. Täglich ca. vier Stunden. Zum Musikmachen blieb keine Zeit mehr. Ich gab das Gitarrespielen ganz auf. Zudem hatte mein Gehör Schaden genommen. Ungefähr seit dem Kollabieren des DDR-Arbeiter- und Bauernzoos habe ich einen Tinnitus und zeitweilig mochte ich gar keine Musik, nichtmal die Eigene!
Leider war ich für mein Praktikum in eine Firma geraten, die gerade den Bach runter ging. Hinzu kam ein interner Betrugsfall und mich holte meine alte, an sich auskurierte Bronchitis wieder ein. Ich brach das Praktikum und die Umschulung ab. Eine Sachbearbeiterin des Jobcenters erzählte mir von ihrem Sohn, der viel besser als ich geraten wäre und brüllte mich an. Ich brüllte noch lauter zurück und mußte später zu einer Psychologin, die einen Burnout oder dergleichen diagnostizierte. Somit war ich für die versemmelte Umschulung nicht regreßpflichtig.
Eine kleine Erfolgsbilanz der Umschulungsmaßnahme zum Fachinformatiker möchte ich nicht vorenthalten. Die Zahlen sind Hausnummern, die ich nicht mehr ganz exakt erinnere. Die Ausbildung kostete etwa 36.000 DM pro Person. Von 25 Teilnehmern schafften 7 die Prüfung. Ein paar wenige waren wie ich vorher abgesprungen. Von den Erfolgreichen hatten zwei Jahre später 3 einen Job.
Ist Dauerarbeitslosigkeit eine Berufung oder gar ein Beruf?
© Zacke2003, nach Abbruch der Umschulung stand ich wieder ohne Aussicht auf einen Job da. Meine Dauerarbeitslosigkeit sollte erst um 2014 herum enden. Ich möchte mich hier ausdrücklich bei Guido Westerwelle, Wolfgang Clement und Herrn Thilo Sarrazin für die Diffamierung von Arbeitslosen bedanken. Herr Westerwelle wurde damals von ein paar Arbeitslosen wegen Beleidigung angezeigt, ich hatte leider keinen Mumm dazu. Er verglich die nicht gerade üppigen Hartz IV Regelungen mit einer Einladung zu
spätrömischer Dekadenz. Für Herrn Clement waren Arbeitslose
Parasiten und Herr Sarrazin wollte Arbeitslosen eine
Abmagerungskur verordnen. Natürlich gibt es in jedem Bereich der Gesellschaft Menschen, die betrügerisch eine Situation für sich ausnutzen. Alle drei haben aber generalisiert und dies allen Hartzis unterstellt.
Ich hatte mich damit arrangiert, daß richtig bezahlte Jobs im Moment für mich nicht verfügbar sind und daß die Maßnahmen des Jobcenters absolut nichts mit dem ersten Arbeitsmarkt zu tun haben. Dafür lebte der kulturelle Bereich von der Arbeit von Ein-Euro-Jobbern. Das Jobcenter war also der größte Kunst- und Kulturförderer. Kann sein, daß dies auch für den sozialen Bereich zu traf, aber da war ich nicht tief genug drin.
Ich machte diverse Ein-Euro-Jobs und Ehrenämter. Ein Ehrenamt fand in der Szene der Patienten-Selbsthilfe statt. Ich arbeitete für einen
vielgelesenen Blog als Übersetzer. So lernte ich medizinisches Englisch. Ich verfaßte auch ein paar eigene Artikel. Es ging um Umwelterkrankungen oder sogenannte seltene Erkrankungen, mit denen die Schulmedizin nicht klar kommt. Eine davon gerät gerade als eine der möglichen Langzeitfolgen von Covid19 in den öffentlichen Fokus: ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic fatigue syndrome). Später habe ich mich noch sehr intensiv mit
Hormonschadstoffen, EDCs (Endocrine Disrupting Chemicals) befaßt.
Die Stellen für meine Ein-Euro-Jobs habe ich mir zum Teil selber organisiert und wurde dabei von den Sachbearbeitern des Jobcenters unterstützt. Ich bekam aber auch gute Stellen vorgeschlagen. So z.B. ein spannendes Fotoprojekt. Die Fotos davon hingen ein paar Jahre auf den Fluren des Jobcenters in der Rudi-Dutschke-Straße. Ich war mit ein paar wenigen anderen sehr aktiv und "leitete" das Projekt mehr oder weniger. Es war eine völlig neue Erfahrung, im Jobcenter von den Kollegen der für die Ausstellung zuständigen leitenden Mitarbeiterin hofiert zu werden. Technisch und organisatorisch habe ich durch diese Ausstellung sehr viel gelernt. U.a. mußte ich als Linuxer für einen Profidrucker auf einem Windowsrechner sieben Treiber installieren, bis dieser tat, was er sollte. Ich habe alles dokumentiert und eine CD mit dem Handbuch des Druckers beigelegt. Trotzdem kam nach einem Jahr ein Anruf vom Träger, daß der Drucker nicht funktioniert.
Der nächste Ein-Euro-Job brachte mich passenderweise als Öffentlichkeitsarbeiter an das Kunsthaus ACUD. Ich hängte ein Jahr Ehrenamt an und leitet ab da das Büro des ACUD-Theaters. Da war ich auch Bühnenfotograf und Elektriker. Viele, die damals im ACUD waren, machten sich Hoffnung auf einen richtigen Job, deshalb wurde dies vom Jobcenter toleriert, obwohl mir mein Sachbearbeiter sagte, daß das Jobcenter nicht zur Förderung von Kunst und Kultur da wäre. Der Laden brummte, konnte aber kaum seine laufenden Rechnungen bezahlen.
Es war eine bunte Mischung von Menschen auch aus dem bürgerlichen Lager vorhanden. Manche blühten noch einmal richtig auf und lernten etwas Neues, da sie zuvor noch nie mit der linken Kulturszene in Berührung gekommen waren. Die meisten wurden böse enttäuscht. Doch kein fester Job und das Gefühl, nur ausgenutzt worden zu sein. Irgendwann war der Laden faktisch pleite. Auf welcher Basis er heute weiter existiert, weiß ich nicht und will ich nicht wissen.
Ich ging und fing wieder mal an, mich erfolglos auf dem ersten Arbeitsmarkt um Jobs zu bewerben. Diesmal im kulturellen Bereich. Ich fand nichts, denn plötzlich sollte ich für alles, was ich konnte, formale Qualifikationen nachweisen, die ich nicht hatte. Mensch darf in Deutschland aber gerne die selbe Arbeit unbezahlt machen.
Es folgte ein skurriler Ein-Euro-Job für zwei Monate. Ich mußte für einen Ausfall einspringen. Ich bekam mich mit den meisten anderen Teilnehmern böse in die Wolle, die lediglich wegen dem bißchen Kohle da waren und ihre Zeit möglichst ungestört absitzen wollten. Ich wirbelte, hatte ja noch die ganzen Pressekontakte vom vorausgegangen Projekt und lies die eingeschlafene Webseite aufblühen. Dankenswerterweise hat mir dabei das Festival of Lights sehr geholfen. Es war ein Projekt, das niedrigpreisige und kostenlose Freizeitangebote sammelte. Es gab ein Ladenlokal, wo jeder hinkommen und sich beraten lassen konnte. Auch das störte die Ruhe von manchen.
Auf der Webseite des Projektes gab es neben dem von mir eingerichtetem Blog mit Veranstaltungstipps ein Verzeichnis mit Hilfsangeboten jeglicher Art. Ich ergänzte diese nach Absprache mit dem Träger um medizinische Anlaufstellen für Mittellose. Damit diese jeder findet, machte ich Fotos zu den Einträgen. Ich war also überall vor Ort. Des weiteren klapperte ich alle Babyklappen Berlins ab und stellte diese ein. Ich bewertet sie danach, ob sie wirklich geeignet sind, einer verzweifelten Mutter die Möglichkeit zu bieten, ihr Kind unbeobachtet, sicher und anonym abzugeben. Einige ließen sehr zu wünschen übrig und schreckten eher ab.
Daß mensch in zwei Monaten so viel auf die Beine stellen kann, wunderte mich selber. Leider war der Träger nicht in der Lage, die Webseite auf einen anderen Webspace umzuziehen. Es war offenbar auch niemand da, sie danach zu reparieren.
Mein letztes Projekt brachte mich zum
Pfad der Visionäre. Das kann sich jeder im Netz ansehen und ich möchte nichts dazu sagen.
Bisher nicht erwähnt habe ich das Heimatmuseum in Johannisthal. Dort war ich auch recht gerne. Erwog sogar, in diesen schönen Bezirk zu ziehen. Es kam anders. Es geht eben nicht gut, wenn Menschen das als Ein-Euro-Job machen müssen, wofür sie ausgebildet worden sind und womit sie jahrelang ihren Lebensunterhalt verdient haben. Wenn dann noch einer ohne Ausbildung kommt und das gleiche tun darf, oder manches sogar besser weiß, sind Konflikte vorprogrammiert. Hartz IV demütigt viele Menschen, auch dafür nochmal Danke an die Herren Schröder und Fischer.
Endlich Jobs in Sicht
Als mein Ein-Euro-Job im letzten Projekt auslief, hatte ich nicht das Bedürfnis, diesen verlängern zu lassen. Ich wußte längst, daß meine Arbeit eine angemessene Bezahlung auf dem ersten Arbeitsmarkt wert war. Auf ideelles Engagement für ein sicher gutes Projekt hatte ich keine Lust mehr.
© ZackeMittlerweile wandelte sich der Arbeitsmarkt. Es ging mit schlecht bezahlten Jobs aufwärts, es gab einen Mindestlohn und so wollte ich es nochmal wissen, bevor ich die Altersarmut antrete.
Eine kurze Schulung zum Callcenter-Agent mißlang. Auch wegen der Geheimniskrämerei der beklopften Firma, die es nicht zuließ, Schulungsunterlagen zum Lernen mit nach Hause zu nehmen. Deshalb waren meine paar wenigen Interaktionen mit Hilfe suchenden Kunden für beide Seiten eine Katastrophe.
In dieser Zeit schickte ich etliche hundert Bewerbungen raus und bekam viele unbrauchbare, sanktionsbewehrte Jobvorschläge vom Jobcenter. Ausgerechnet der Chef einer Verleihbude in Potsdam gab mir den richtigen Tipp. Wenn ich wieder in der Elektronikbranche arbeiten möchte, muß ich wenigstens eine kurze Qualifizierung machen.
Aus kurz wurde leider ein halbes Jahr, aber danach durfte ich mich zertifizierter SMD-Löter nennen. Wow! Gegen Ende meiner Karriere meine erste offizielle Berufsbezeichnung!
Damit fand ich wirklich Jobs! Zuerst einen kurzen in Fredersdorf, wo mich der Chef nach einem halben Jahr mit der Bemerkung verabschiedete, ich wäre keine große Hilfe gewesen. Dort gab es wieder Mobbing-Geschichten. Eifersüchtige Altangestellte machten jedem und jeder Neuen das Leben schwer. Ich bedankte mich trotzdem dafür, daß ich da arbeiten durfte, denn ich hatte eine Augenoperation hinter mir und wußte nicht, ob das mit meinen Augen nicht nur in der Qualifizierung sondern auch in einem Betrieb funktioniert. Der Herr verplapperte sich spontan: "Sie sind doch sehr geschickt!" - Nur eben keine große Hilfe?
Der nächste Job war nicht besonders gut bezahlt, hat aber eine ganze Weile Spaß gemacht. Auch habe ich da meine Lebenspartnerin gefunden. Leider war ich über Zeitarbeit da, bekam aber immerhin 10 Euro die Stunde. Als das nicht mehr ging und die Firma mich hätte übernehmen müssen, wollte ich mehr Geld haben. Daraufhin schickte mich der Betrieb zur Zeitarbeitsfirma zurück.
Es ist sowieso merkwürdig, wenn Mitarbeiter über Jahre per Zeitarbeit durchgezogen werden. Dem wurde nun gesetzlich ein Riegel vorgeschoben. Die Kunden der Zeitarbeitsfirmen haben aber einen neuen Trick parat. Sie stellen die Leute unter den gleichen Bedingungen wie die Leiharbeitsfirmen ein, ebenfalls nur befristet und bei gleicher Bezahlung. Dadurch sparen sie sogar und für die Mitarbeiter ändert sich überhaupt nichts, bis sie dann nach einer Weile, wenn wieder fest übernommen werden muß, bei immer noch gleicher Bezahlung unbefristet eingestellt werden.
Meine Zeitarbeitfirma hatte eine neue Einsatzfirma für mich. Wohl auch, weil der Personalchef mich im Gegensatz zum Chef sehr gerne behalten hätte und ein gutes Wort für mich eingelegt hatte, sollte ich dort sogar mehr Geld bekommen. Nach wenigen Tagen wurde ich jedoch wieder abgemeldet, ohne daß irgend wer mit mir gesprochen hätte. Es war eine sehr gut ausgestattete Firma mit einem riesigen Maschinenpark und mit sehr netten Mitarbeitern. Sehr merkwürdig!
Nach einer, aufgrund meines vorangeschrittenen Alters erfolglosen Vorstellung in einem kleineren, aber technisch interessanten Betrieb in Blankenburg, schickte mich meine Zeitarbeitsfirma in einen größeren Betrieb, in dem auch menschlich alles stimmte. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit, ich bekam 12 Euro die Stunde und durfte recht diffizile Arbeiten machen. Ich gehörte zu den wenigen SMD-Reparaturlötern. Nach nichtmal einem Jahr, wurde ich am 31.03.20, meinem letzten Arbeitstag, fast wie ein Langjähriger mit einem veganen Freßkorb und einer Rede des Abteilungsleiters verabschiedet. Der Chef schenkte mir einen Amazon-Gutschein. Ich hätte da vielleicht auch ohne Zeitarbeit noch weiter arbeiten und zu meiner kärglichen Rente dazuverdienen können. Aber ich hatte mich auf die Zeit des Ruhestandes zu sehr gefreut und genieße sie auch mit wenig Kohle. Ich kann jetzt z.B. diesen Blogpost bis spät in die Nacht schreiben.
Fazit zum Rückblick auf ein Arbeitsleben
© Zacke - Schwalbenschwanzfalter (Papilio machaon) auf den Ahrensfelder BergenWas habe ich nun zu dieser "Karriere" zu sagen? Daß ich von Hartz IV nichts halte und für ein bedingungsloses Grundeinkommen eintrete, ist schon angeklungen und geht auch aus meinen früheren Blog-Einträgen hervor.
Im Moment läuft eine europäische Bürgerinitiative für ein Bedingungsloses Grundeinkommen in der gesamten EU. Ich empfehle, sie zu
unterzeichnen. Dies kann noch bis zum 25.09.2021 getan werden. Bitte fleißig weiter verbreiten! Danke!
Ich bin auch dafür, daß Politiker für ihr Handeln im Auftrag des Wählers haften. In den USA ist ein Präsident für über 200.000 Coronatote verantwortlich, bei uns wurden Millionen Menschen arm und z.T. obdachlos gemacht. In Großbritannien bringen sich Menschen aus Verzweiflung um, weil selbst Schwerbehinderte und Todkranke im Auftrag der Regierung von einer privaten Firma als fit to work bzw.
arbeitsfähig (Youtube) eingestuft werden und deshalb keine weitere finanzielle Unterstützung erhalten. Die UN hat dies
gerügt, aber eine Frau May meinte dazu, alles wäre OK.
Daß ich meine Karriere auch selber vergurkt habe, spielt für mich keine Rolle (mehr). Sehr wohl aber die Frage, warum sich für unser berufliches Fortkommen alles in den frühen Lebensjahren entscheiden muß, so daß manche Eltern bereits Kleinstkinder auf Leistung trimmen, indem sie mit ihnen pauken und stupide abfragen, was sie gerade im Bilderbuch sehen. Die Kids wissen dann schon, wie Dinge heißen, die sie im wirklichen Leben noch gar nicht entdeckt haben. Vogel, Baum, Pferd, Briefkasten, Blume etc.
Ich habe öfter einen Neuanfang versucht. Nachdem ich eine Weile in meinen ersten festen Job arbeitete und noch vom Rockstar träumte, habe ich mich mit schon über Dreißig vergeblich für eine betriebliche Ausbildung beworben. Natürlich gönnte ich den Jüngeren die stattdessen genommen wurden ihre Lehrstelle.
Noch mehr frage ich mich, warum Zeiten der Arbeitslosigkeit nicht für ein Studium genutzt werden dürfen. Diesbezügliche Klagen haben Arbeitslose verloren. Nach Ansicht der Jobcenter und des Gesetzgebers muß mensch als Arbeitsloser dem Arbeitsmarkt stets zur Verfügung stehen, selbst wenn dieser nichts von einem wissen will. Ansonsten gibt es kein Arbeitslosengeld. Wäre es nicht sinnvoller, wenn jene die dies wollen, damit ein Studium finanzieren könnten? Ich hätte in der Zeit meiner Arbeitslosigkeit mindesten zwei Abschlüsse nachholen können, zumal für meinen Ersten nicht viel fehlte. Dafür hätte ich aber nach Oldenburg zurück gemußt und weitere Kosten verursacht.
Ferner wäre eine verbindliche Verantwortung aller Betriebe für die berufliche Weiterbildung ihrer Mitarbeiter angebracht, statt Minderqualifizierte als billige Arbeitskräfte auszunutzen. Zeitarbeitsfirmen als Standard-Arbeitsmodell sollte es gar nicht geben. Ich erinnere mich noch bestens, wie die Gewerkschaften anfangs gegen Zeitarbeit gewettert haben, um dann später Tarifverträge mit ihnen zu machen. Daß Arbeitgeber aus Tarifverbänden austreten dürfen, sollte gar nicht erlaubt sein. Deshalb haben wir Arbeitnehmer erster, zweiter und dritter Klasse. Viele haben nichts von Tarifabschlüssen und werden niemals weiterqualifiziert, sondern bleiben ihr Leben lang Handlanger, als ob dies eine angeborene Eigenschaft wäre.
Menschen, die aufgrund von Behinderung nicht voll arbeiten können, sollten trotzdem genug zum Leben verdienen und nicht zu Allmosenempfängern degradiert werden. Niemandem sollte dies widerfahren. Es macht ökonomisch keinen Sinn. Die Wirtschaft lebt nicht von den Reichen allein, sondern von den Massen, die Geld in der Tasche haben müssen, damit die Wirtschaft etwas zu tun hat. In Anbetracht der Notwendigkeit, die Umwelt als unsere Lebensgrundlage nicht weiter zu zerstören und gesund zu erhalten, ist auch zu fragen, welchen Zielen die Wirtschaft zu dienen hat. Nur der Reichtumsanhäufung von Wenigen oder der Versorgung der Menschen mit lebensnotwendigen Gütern? Damit kommen wir sehr schnell zu grundlegenden Fragen wie Gerechtigkeit und Menschenrechte. Wenn alles wie bisher nur für die Bedürfnisse der Reichen weiter läuft, verkacken wir den Klimawandel und die Reichen werden sich auf keine Inseln retten können. Bestenfalls auf den Mars oder den Mond.
Das Bedingungslose Grundeinkommen
Es gibt eine Lösung, die den Menschen gleichzeitig von der Existenzangst befreit und sein Potential entfaltet. Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) als materielle Ausgestaltung des Existenzrechtes. Es würde die Lotterie der Geburt ein wenig abmildern und jedem Menschen bessere Startchancen bieten. In einer Gesellschaft, die auf Ausbeutung der Natur und des Menschen durch den Menschen beruht, wird dies aber schwierig zu erreichen sein.
Ich wiederhole nur kurz, was ich früher bereits
ausführlicher beschrieben habe. Wenn alle Lebensressourcen privatisiert sind, schuldet mir die Gesellschaft ein Mindestauskommen, da ich nicht mehr in die Natur ausweichen und dort von meiner Hände Arbeit leben kann. Der Wald und das Land gehören bereits jemandem. Es wäre sowieso nicht effektiv, wenn jede oder jeder wieder als kleiner Bauer zu überleben versuchen würde. Das würde die Natur nicht weniger wie jetzt ruinieren. Als Menschheit sind wir reich, der Reichtum ist nur ungleichmäßig verteilt. Das Grundeinkommen wäre eine Idee, dies durch Umorganisieren und Rationalisieren der bereits gewährten Transferleistungen zu verändern, ohne jemand etwas wegzunehmen und ohne das Chaos einer zerstörerischen, blutigen Revolution zu veranstalten. Für die Finanzierung gibt es genügend Vorschläge. Es wäre nicht unfinanzierbar und als negatives Einkommensteuermodell müßte es an jene die es nicht brauchen, gar nicht ausgezahlt werden.
Das Leben ohne Existenzangst würde die Menschen ermutigen, sich zu engagieren und in die Gemeinschaft einzubringen. Es würden nicht
zu viele Menschen geben, die mit einem Leben ohne Arbeit und auf niedrigem materiellem Niveau vorlieb nehmen würden. Dazu sind wir viel zu sehr eine Konsumgesellschaft. Viele würden sich etwas leisten und dazu verdienen wollen und hätten, da für ihre Existenz gesorgt ist, bei der Bewerbung um einen Job, eine viel bessere Verhandlungsposition. Menschen würden sich nicht mit Jobs die sie nicht mögen quälen, sondern mit dem was sie am besten können und am liebsten machen gute Arbeit leisten. Das Argument, daß mit einem BGE kein Mensch mehr arbeiten würde, ist ein sehr dummes und nur Ausdruck der Angst vor Machtverlust. Natürlich wäre eine solche Gesellschaft aus selbstbewußten Menschen
unbeherrschbar. Aber sie könnten zusammen Großes leisten. Z.B. das Klimaproblem lösen, wozu unsere heutigen Politiker weder fähig noch willens sind, da sie auf die Lobby der Mächtigen hören (müssen).
Ein
vorübergehendes Probe-BGE könnte eine Lösung für jene Probleme sein, die uns das Coronavirus gerade bereitet.
Meta: Arbeit,
Armut,
Ausbildung,
bedingungsloses Grundeinkommen,
BGE,
Ein-Euro-Job,
EU,
Existenzrecht,
Gerechtigkeit,
Hartz IV,
Klima,
Menschenrechte,
Militär,
Reichtum,
Studium,
UBI,
Umwelt,
Zukunft
Erstellt: 29. Oktober 2020 23:28
Geändert: 3. November 2020 20:29
URL: http://blog.ufocomes.de/index.php?id=153
Was mich an Coronaleugnern am meisten stört
27. Oktober 2020 21:57
Daß sich diese Szene mit unverbesserlich Gestrigen und Verschwörungstheoretikern aller Art mischt, verwundert mich überhaupt nicht. Beschämend daran ist höchstens, daß im Gegensatz dazu das linke Lager weniger über inhaltliche Differenzen hinwegsieht, um endlich etwas in Richtung Hoffnung für die Zukunft zu bewegen.
Daß sich Links und Rechts in solchen obskuren Bewegungen unter Umständen sogar treffen ist auch nichts Neues. Das war schon im Zusammenhang mit Syrien zu beobachten. Oder sehen wir uns sogenannte Anti-Imperialisten an, die nichts anderes tun, als die eine Großmacht abzulehnen und sich auf die Seite der anderen zu stellen. Menschen mögen einfache Erklärungen für alles. Am besten einen Schuldigen und los geht's. Der Dorfdepp hatte früher wenigstens seine Existenzgarantie.
An den Coronaleugnern stört mich deren Selbstüberheblichkeit, der Anspruch, als Einzige die Wahrheit erkannt zu haben und uns nun die Welt richtig zu erklären.
Wenn ich diejenigen ausnehme, die wissen was sie tun und die bewußt agitieren, die sich so vielleicht eine permanente Dopaminausschüttung verschaffen, dann haben diese Leute keine Ahnung, wie Wissenschaft funktioniert. Weder wissen sie, wie und wo Studien veröffentlicht werden, welche Publikationen und welche Wissenschaftler renommiert sind, wie mensch heutzutage ohne großen Aufwand Studien nachschlagen und etliche sogar im Volltext lesen kann, noch suchen sie in Texten, die sie lesen oder in Videos die sich sich ansehen, nach den Quellen der Aussagen. Sie wären auch nicht in der Lage, umfangreich zu recherchieren, um sich eine objektive Meinung zu bilden oder den Stand der Wissenschaft zu einem Thema festzustellen. Im Glücksfall lernt mensch so etwas ansatzweise in der Schule und vielleicht an der Universität. Selbstverständlich müssen nicht alle Menschen studiert haben, um mitreden zu dürfen, aber dazu später mehr.
Natürlich gibt es Probleme in der Wissenschaft. Forscher können sich irren oder aus opportunistischen Gründen methodisch exaktes Arbeiten nicht so ernst nehmen. Der Wissenschaftsbetrieb hat es aber so an sich, daß dies früher oder später auffliegt. Erst recht Betrug. Es ist guter Brauch, daß Arbeiten vor der Veröffentlichung in Journalen einem Peer Review Prozeß unterzogen werden. Forscher, die nicht an der Arbeit beteiligt waren, sehen sich diese an. Trotzdem ist es nie verkehrt, bei jeder Studie zu fragen, wer was mit welchen Absichten veröffentlicht und vor allem finanziert hat. Von Zulassungsstudien für Medikamente oder Pestizide ist bekannt, daß diese meistens von den Herstellern bereit gestellt werden und ausschließlich das Ziel der Zulassung haben. Bekannt ist leider auch, daß sich die entscheidenden Behörden oft nur auf die Studien der Hersteller und nicht auf solche von unabhängigen Wissenschaftlern verlassen. Daß dabei wirtschaftliche Interessen und Lobbyisten eine Rolle spielen, weiß fast jeder. Das wäre doch ein Fressen für Coronaleugner, aber so weit reicht ihr Blick auf die Wissenschaft gar nicht.
Auch daß Studien hinter Bezahlschranken verschwinden, obwohl sie unter Umständen mit Steuergeld finanziert wurden, und daß sich dagegen längst Initiativen organisiert haben, müßte erwähnt werden, wenn es hier lediglich um eine Beschreibung des Wissenschaftsbetriebes ginge.
Coronaleugner tun wissenschaftliche Erkenntnisse und den Stand der Wissenschaft unbesehen ab. Sie wissen es einfach selber besser. So wie Trump, der öffentlich sagte, Wissenschaftler können
dies nicht wissen. Ich denke sowieso, daß Trump viel dafür getan hat, daß Menschen ungeniert Fakten ignorieren. Schuf der doch den Begriff der alternative facts. Also, etwas gilt zwar allgemein als wahr, aber dann gibt es ja noch die alternative Wahrheit.
Wer sich auf den Pfad eines solchen Denkens begibt, verläßt einen gesellschaftlichen Grundkonsens. Wissenschaft versucht, sich von jeder sachfremden Definitionshoheit zu befreien. Die Kirche kann heute nicht mehr bestimmen, daß die Erde der Mittelpunkt des Universum und eine Scheibe ist, über welche die Sterne in komplizierten Bahnen wandern. Die Wissenschaft konnte sogar die allermeisten Menschen davon überzeugen, daß dies nicht der Fall ist. Sie ist bemüht, uns zu anderen Fragen ähnlich gesicherte Antworten zu liefern. Dabei ist der Stand der Wissenschaft eher ein konservatives Statement und spiegelt nicht immer die allerneusten Forschungsergebnisse wieder. Wenn Studienergebnisse reproduzierbar sind, wenn mehrere Studien, am besten mit völlig unterschiedlichen Ansätzen, zu ähnlichen Ergebnissen kommen und dies in der wissenschaftlichen Community akzeptiert wird, stellt dies den Stand der Wissenschaft dar. Unter den gleichen Bedingungen können neue Erkenntnisse bisher gesichertes Wissen korrigieren. Die Wissenschaft lernt! So galten lange Zeit Magengeschwüre als psychisch bzw. durch Streß bedingt, Illustrierte schrieben von der Managerkrankheit, bis das Bakterium Helicobacter pylori entdeckt wurde, das diese verursacht. Menschen suchen immer nach Erklärungen und nehmen diese auch dann an, wenn sie falsch sind. So dachten die alten Germanen, daß im Himmel Götter miteinander kämpfen, wenn es blitzt und donnert. Auch fanden sie Beweise. Versteinerte Innenskelette von Belemniten waren für sie die von den Göttern verschleuderten Donnerkeile. Welches Mysterium müßte erst radioaktive Strahlung und die von ihr verursachte Strahlenkrankheit sein, hätten wir keine Erkenntnisse über sie.
Bisher gab es bei uns den Grundkonsens, daß Wissenschaft dem möglichst objektiven Erkenntnisgewinn dient. Natürlich wurde damit auch Schindluder getrieben. In den 60er Jahren galt für manche Menschen etwas bereits als wahr, weil es nicht handschriftlich sondern gedruckt war. Später reichte es immer noch, ohne Beleg die Wissenschaft zu erwähnen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, Wissenschaftler haben herausgefunden daß... usw. Manche Boulewardmedien sind heute noch auf diesem Niveau und Youtube erblödet sich, Vorschläge zum weiteren Angucken aufgrund rein textlicher Übereinstimmung zu präsentieren. Nur weil ich etwas auf Youtube oder sonstwo gesehen habe und es mir mit meinem derzeitigen Wissen als plausibel erscheint, muß es lange noch wissenschaftlich korrekt sein.
Es muß nicht jeder studiert haben, aber erfreulicherweise haben wir immer mehr Möglichkeiten, uns gut zu informieren. Als ich Mitte der 70er an der Uni war, mußte ich lange durch Karteikarten wühlen, bis ich ein paar Bücher zu meinem Thema fand. Unter Umständen waren diese gerade ausgeborgt oder nur in einer ortsfernen Bibliothek vorhanden. Ich mußte sie bestellen und warten, um dann unter Umständen festzustellen, daß nicht alle Bücher für mich brauchbar waren. Heute kann ich in einer Stunde mehr herausbekommen, als früher in Wochen, ohne mich vom Schreibtisch erheben zu müssen. Dabei den Schrott herauszufiltern und Falschinformationen nicht aufzusitzen, nennt sich Medienkompetenz. Diese kann sich mensch mit gutem Willen mit der Zeit selbst aneignen. Noch besser wäre natürlich, sie wäre Teil der Allgemeinbildung. Davon blubbern unsere Politiker schon ewig. Am besten wäre, Schulen würden nicht sozial sieben, sondern jeder und jedem unabhängig von der Herkunft das Lernen beibringen, damit Menschen ihr Leben lang mühelos und vielleicht sogar mit Genuß lernen.
Wer sich vom Grundkonsens verabschiedet, daß uns die Wissenschaft hilft, wer es besser weiß als Menschen, die täglich daran arbeiten, uns mit möglichst gesichertem Wissen zu versorgen, wer diesen Menschen von vorneherein andere Absichten unterstellt, dem fällt es sicher auch leicht, sich von anderen Grundsätzen zu verabschieden, die unser zivilisiertes Zusammenleben regeln. Zum Beispiel, daß alle Menschen das gleiche Recht auf Leben und Glück haben.
Meta: alternative facts,
Coronaleugner,
Coronavirus,
Covid19,
Erkenntistheorie,
Fakenews,
Faschismus,
Kirche,
Konsens,
Lernen,
Recht auf Leben,
Stand der Wissenschaft,
Werte,
Wissenschaft
Erstellt: 27. Oktober 2020 21:57
Geändert: 29. Oktober 2020 02:54
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Genetik eröffnet neue Wissenschaft des Lebens
16. Februar 2017 19:59
Autor: Jonathan Latham, PhD, für Independent Science News, 6. Februar 2017
Übersetzung: BrunO
© Foto: Spike Walker Wellcome Images CC: BY-NC-ND
Fossil diatoms from Omaru, New Zealand, arranged on a mount and viewed with a light microscope using Rheinberg illumination.
Prüfen Sie mit einer einfachen Frage Ihre Kenntnisse der lebenden Welt.
Welches Biomolekül ist in allen lebenden Organismen zu finden? Wenn "DNA" Ihre Antwort ist, haben Sie nicht Recht. Der Fehler ist jedoch sehr verzeihlich. In englischsprachigen Biologiestudiengängen ist es üblich, die DNA (Desoxyribonukleinsäure) als Hauptmolekül des Lebens vorzustellen, das die meisten, wenn nicht alle Lebensfunktionen steuert und kontrolliert. Dieses Konzept des Hauptmoleküls ist populär. Es ist plausibel. Es wird an jeder Universität und jeder weiterführenden Schule gelehrt. Doch es ist falsch. Die DNA ist keine Hauptsteuerung und steht schon gar nicht im Mittelpunkt der Biologie. Stattdessen zeigt die Wissenschaft überdeutlich, daß das Leben selbstorganisierend ist und deshalb wäre für die Biologie ein ultimativer Paradigmenwechsel angebracht.
Die Mythologisierung der DNA
Sehr angesehene Wissenschaftler verweisen mit Nachdruck auf die Mächtigkeit der DNA. Der Nobelpreisträger Kary Mullis nannte das DNA-Molekül "Den König der Moleküle" und "Das Bedeutendste". Vielleicht hat er
DNA: Das Geheimnis des Lebens gelesen, ein populäres Buch, das die DNA als jenes Molekül bezeichnet, das "den Schlüssel zur wirklichen Natur der lebenden Dinge enthält". Dessen Autor sollte es wissen. Es ist der Nobelpreisträger James Watson, Mitentdecker der DNA-Struktur. Auch Institutionen haben eine eindeutige Meinung, wenn es um DNA geht; die Webseite des des nationalen Gesundheitsinstitutes der USA (US National Institute of Health/NIH) behauptet, "Gene sind der Mittelpunkt von allem was uns zu Menschen macht".
Mein Exemplar von
Das Geheimnis des Lebens zeigt auf der Rückseite des Einbandes Eric Lander. Lander ist der gefeierte Denker der Humangenetik. Er leitet außerdem das
Broad Institute am MIT (Massachusetts Institute of Technology). In seinem Klappentext bekräftigt Lander die "Geheimnis des Lebens" Metapher. Etwas tiefer auf seinem Jackett sieht man die Genetik-Professorin Mary-Claire King. Sie schreibt: "Das ist die Geschichte der DNA und deshalb auch die Geschichte von Leben, Vergangenheit, Sex, Geld, Drogen und noch zu entschlüsselnden Geheimnissen." Prof. King schreibt,
DNA ist Leben.
Watsons Auffassung der Genetik dominiert auch die Ausbildung. Das in amerikanischen weiterführenden Schulen verwendete Standardwerk der Biologie "
Leben", von welchem wir die Ausgabe von 1997 besitzen, richtet die gesamte Biologie nach der DNA aus, wodurch diese den biochemischen Status erhält, Kernstück des Lebens zu sein.
Francis Collins, langjähriger Leiter des National Institute of Health, hat mittlerweile ebenfalls DNA Bestseller mit Titeln wie,
Die Sprache des Lebens und
Die Sprache von Gott veröffentlicht. So wundert es niemand, daß die Vorstellung der DNA als Hauptmolekül des Lebens eine der dominanten Ideen unseres Zeitalters ist.
Einige Biologen werden sagen, daß diese Ansichten extrem und nicht repräsentativ sind. So ist es und ein Teil dieses Artikels wird erklären, warum extreme Ansichten über die DNA den öffentlichen Diskurs bestimmen. Sein Hauptzweck ist es jedoch, das DNA-Bild von nahezu allen Biologen mit dem verengten Forschungsblick zu konfrontieren, mit welchem sie auf andere Biomoleküle schauen. Unsere Existenz ist genauso auf Proteine, Fette, Kohlenhydrate und RNA (Ribonukleinsäure) angewiesen; aber niemand sagt, "es liegt in meinen Proteinen". Doch die Frage bleibt: ist es weniger absurd zu sagen, etwas "ist in meiner DNA"?
Deshalb ist es der Zweck dieses Artikels, auf diese Frage einen schonungslosen Blick zu werfen. Spricht überhaupt
etwas für die Kontrollfunktion der DNA? Oder dafür, im Zentrum der biologischen Organisation des Lebens zu stehen?
Die Antwort lautet, daß die DNA nichts von dem ist, was Watson, Lander und Collins behaupten und daß selbst ein nuancierter Blick der Schulbiologie auf das Leben falsch ist. Das ist vielfach belegbar, hauptsächlich aber durch eine neue Wissenschaft des Lebens, die mehr oder weniger aus dem völligen Nichts auftaucht. Diese neue Wissenschaft erklärt die Eigenschaften von Lebewesen auf eine produktive neue Art, zu welcher eine DNA-zentrierte, genetisch deterministische Biologie weder in der Lage war noch ist. Die DNA ist nicht die Sprache von Gott. Sie ist nicht einmal die Sprache der Biologie.
Organismen sind Systeme
Der Beleg, daß die DNA keine biologische Steuerungseinheit ist, fängt mit der Tatsache an, daß biologische Organismen komplexe Systeme sind. Außerhalb der Biologie, wenn wir beliebige komplexe Systeme untersuchen, etwa das Klima, Computer oder die Ökonomie, würden wir normalerweise nicht fragen, ob eine Komponente alle anderen beherrscht. Für uns ist es offensichtlich, daß sich komplexe Systeme aus Subsystemen zusammensetzen, von denen jedes für das größere Ganze notwendig ist. Jedes Subsystem hat seine eigene Nische, doch kein Subsystem übt eine privilegierte Kausalität aus.
Das Gleiche gilt auch für lebende Organismen. Wenn es um die Physiologie eines individuellen Organismus geht, messen wird dem Herzen, der Leber, der Haut oder dem Gehirn keine exklusive oder besonders kausative Rolle zu, da der Körper ein System ist. Alle Teile sind notwendig.
Auch auf der kleinteiligeren biologischen Ebene der Organe gibt es verschiedene Zelltypen, die sich am Leben halten, ihre Arbeit erledigen, sich und andere reparieren. Genauso streitet niemand ab, daß auf zellulärer Ebene Organellen und andere molekulare Strukturen interagierende aber unabhängige Teileinheiten des Ganzen darstellen.
Auf der Ebene der Makromoleküle geschieht jedoch etwas Kurioses. Biologen geben das Denken in Systembegriffen vollständig auf. Stattdessen wenden wir das berühmte DNA-zentrische Dogma der Biologie an, nach welchen die DNA die RNA und die RNA Protein erzeugt (
Crick, 1970)[PDF-Link]. Dieses Konzept führt zu einer Evolutionsgeschichte, die mit der DNA anfängt.
Der erste Fehler des Dogmas ist es jedoch, von etwas "Zentralem" zu sprechen. Wenn ein Organismus ein System ist, gibt es kein Zentrum. Der zweite Fehler ist, daß der beschriebene Vorgang faktisch nicht korrekt ist. Der Vorgang sollte als Schleife beschrieben werden, da die DNA nicht aus dem Nirgendwo kommt: die Herstellung jedes DNA-Moleküls benötigt Proteine, RNA und DNA. Oder allgemeiner ausgedrückt, die DNA-Synthese kann nicht ohne eine komplette Zelle stattfinden, genauso wie die Herstellung jeglicher RNA oder irgend eines Proteins eine komplette Zelle voraussetzt.
Wenn wir noch genauer sein wollten, würde wir sagen, ein kompletter Organismus ist erforderlich, um jede einzelne dieser Komponenten herzustellen. Selbst diese Beschreibung wäre unvollständig, da nicht zu leugnen ist, daß ein Ökosystem von Nöten ist, zu welchem im Falle des Menschen das Mikrobiom im Darm und die Nahrungsversorgung gehören. Eine vervollständigte Beschreibung des DNA-zentrischen Dogmas wäre deshalb eine in einem Netzwerk eingebettete Schleife. Doch das DNA-zentrische Dogma, das jedes Jahr Millionen von Schülern beigebracht wird, geht einen völlig anderen intellektuellen Weg. Rein willkürlich verleiht es der DNA einen besonderen Platz: erstens, indem die Schleife nicht geschlossen wird, zweitens, indem die DNA an ihren Anfang gesetzt wird. Das zentrische Dogma ist deshalb lediglich eine Darstellung, die von willkürlich konstruierten Abgrenzungen abgeleitet wird. Es hat nichts mit biologischer Realität zu tun.
Genetiker und manchmal auch andere Biologen, verleihen dieser linearen Interpretation nicht durch Experimente Plausibilität, da deren Resultate ihr widersprechen, sondern indem sie äußerst aktive Verben benutzen, wenn sie von DNA sprechen. Nach ihrer Ansicht "kontrolliert", "verwaltet" und "reguliert" die DNA zelluläre Prozesse, während Substantive wie "Genexpression" ebenfalls sehr häufig benutzt werden, um der DNA Funktionen zuzuschreiben. Auf diese Weise verleihen Biologen der DNA Überkräfte, die durch Aktivität und Willen gekennzeichnet sind. In letzter Konsequenz kann dies zu Zirkelschlüssen führen. Die DNA kontrolliert die embryonale Entwicklung oder die Gesundheit des Organismus, weil Gene sich selber exprimieren. QED [quod erat demonstrandum (lat. was zu zeigen war)]
Es gibt jedoch diesbezüglich keine Forschungsergebnisse die zeigen, daß die DNA so eine dominante Rolle spielt, wie sie diese Formulierungen nahe legen. Eher trifft das Gegenteil zu. Beispielsweise postulierte eine neuere Publikation im
Nature-Magazin "einen wachsenden Konsens, daß die meisten Protein-Bestandteile einer Zelle gegen transkriptionale Veränderungen gepuffert sind". In anderen Worten, sie sind gegenüber einem direkten genetisch quantitativen Einfluß isoliert. (
Chick et al., 2016). Diese Pufferung wird in vielen Experimenten wunderbar demonstriert. Eines davon ist der Nachweis, daß der zirkadische Rhythmus eines Bakteriums in Abwesenheit jeglicher DNA reproduziert werden kann, indem einfach drei Proteine in einem Reagenzglas zusammen gemischt werden. Der Rhythmus wurde drei Tage lang, selbst unter dem Einfluß von Temperaturschwankungen, aufrecht erhalten (
Nakajima et al., 2005)[PDF-Link].
Leider wird jede zur Beschreibung von DNA benutzte Sprache notwendigerweise metaphorisch und von eingeschränkter Präzision gekennzeichnet sein, doch Worte wie "verwalten" und "kontrollieren" erfinden im wahrsten Sinne des Wortes DNA-Eigenschaften (Noble, 2003). Eine besser zutreffende Metapher für die DNA würde diese mit der Library of Congress vergleichen, da die DNA den Zellen in erster Linie als Informationsspeicher dient. Stellen Sie sich vor, Biologen könnten neutralere Verben wie "benutzen" verwenden, wie etwa "Zellen benutzen die DNA, um Proteine herzustellen". Damit hätten sie der DNA einen ganz anderen Status zugedacht. Nur Mitarbeiter von Bibliotheken trügen T-Shirts mit der Aufschrift, "Es liegt in meiner DNA".
Wenn wir die wilden Metaphern und das DNA-zentrische Dogma hinter uns lassen, öffnet sich ein akkurateres Verständnis der Biologie. Wenn jedes Molekül und jedes Subsystem unabhängig von seiner Größe andere Teile bremst oder verstärkt, dann ist es nicht nötig, eine zentrale Kontrolle zu vermuten. Wir können das DNA-zentrische Modell der Biologie durch ein relationales Modell aus dem komplexen Zusammenspiel von Feedback-Systemen und emergierenden [daraus resultierenden] Eigenschaften ersetzen, von dem die DNA-Bibliothek nur eine Komponente ist. In diesem Modell ist die RNA einfach nur eine der Zutaten die benötigt wird, um Proteine und DNA herzustellen, nur ein Input der nötig ist, um RNA zu erzeugen usw. Anders als das DNA-zentrische Dogma stimmt, so ein Theorem mit den bekannten Fakten der Biologie überein.
Die im DNA-zentrischen Dogma und in den Biologie-Lehrbüchern eingekapselte Formlierung ist deshalb eine Illusion. Dies stellt einen klassischen Fall von dem dar, was der Mikrobiologe Carl Woes "reduktionistischer Fundamentalismus" nannte. Der reduktionistische Fundamentalismus unterscheidet sich vom einfachen Reduktionismus, indem der einfache Reduktionismus zwar eine gültige wissenschaftliche Methode ist, wohingegen der reduktionistische Fundamentalismus eine ideologisch begründete Vorliebe für äußerst einfache Erklärungen darstellt, obwohl eine ganzheitlichere Erklärung von den Forschungsergebnissen besser gestützt wird. In diesem Fall heißt das, der DNA Überkräfte zuzuordnen, um beobachtete biologische Aktivitäten zu erklären, während eine bessere Erklärung akzeptieren würde, daß es bei vielen biochemischen Vorgängen mehrere Ursachen und Mitwirkende gibt. Der Oxforder Physiologe Denis Noble [s.o.] beschreibt diesen Trugschluß als, der DNA ein "privilegiertes Niveau der Kausalität" zu übertragen.
Gibt es ein "Molekül des Lebens", wenn es nicht die DNA ist?
Viele Viren die Pflanzen infizieren haben keine DNA. Ihr Lebenszyklus basiert auf Protein und sie benutzen RNA als ihr vererbbares Material.
Es gibt auch Pflanzenpathogene, Viroide genannt, denen beides fehlt, DNA und Protein. Viroide bestehen somit lediglich aus nicht kodierender RNA. Lebensformen können also entweder ohne DNA oder Proteine existieren, aber es gibt keine ohne RNA.
Die Antwort auf die zu Beginn gestellte Frage, welches Biomolekül in allen Lebewesen vorkommt, lautet deshalb RNA. RNA steht für Ribonukleinsäure und aus vielen Gründen ist sie ein besserer Kandidat als DNA, um als universales Biomolekül zu gelten.
RNA und DNA ähneln sich chemisch sehr. Sogar Wissenschaftler verwechseln sie. Doch ihre moderaten chemischen Unterschiede geben ihnen sehr verschiedene Eigenschaften. Die RNA ist strukturell sehr flexibel (biegsam), während die DNA hochgradig unflexibel ist; die RNA ist instablil und chemisch reaktiv, während die DNA sehr inert [reaktionsträge] ist. Ein Hauptunterschied ist die Anzahl der chemischen Veränderungen, die Zellen an ihren vier Basen vornehmen können. In Falle der DNA (welche die Nukleotide A, C, G und T als Basen besitzt), sind in den meisten Zellen gerade mal zwei Modifikationen möglich. Diese Modifikationen werden Methylierung und Acetylierung genannt. Diese zwei Modifikationen verändern die Eigenschaften der DNA-Basen und sie sind das Hauptfundament der modernen Wissenschaft der Epigenetik.
Die RNA besitzt auch vier Basen (A, C, G, und U). Aber Zellen nehmen über hundert unterscheidbare chemische Veränderungen an ihnen vor. Der Sinn und Zweck dieser Modifikationen ist im Grunde ein Mysterium. Vermutlich helfen sie der RNA, ihre zahlreichen zellularen Aufgaben auszuführen.
Die RNA wird ebenfalls fehlgedeutet. In einer typischen menschlichen Zelle stellt weniger als 1% von ihr Proteine her. Die verbleibenden 99% haben eine Vielzahl von strukturellen, regulierenden und enzymatischen Aufgaben. Doch die meisten Biologen sind möglicherweise genau so Sklaven des DNA-zentrischen Dogmas, indem sie denken, die RNA wäre nur ein Zwischending zwischen DNA und Protein. Erst in letzter Zeit begann die RNA, sich als das weitaus interessantere Molekül aus dem Schatten der DNA zu lösen.
Im Kern erklären sich diese molekularen Differenzen dadurch, daß die RNA lange vor der DNA existierte. Die RNA ist wahrscheinlich sogar älter als die Erfindung der Zellen. Sie ist außerordentlich alt. Infolgedessen ist sie derart tief und strukturell mit lebenden Systemen verwoben, daß es sehr schwierig ist, sie zu untersuchen. Deshalb besteht der paradoxe Grund, weshalb wir nicht viel über die RNA wissen, nicht darin, daß sie unbedeutend wäre, sondern darin, daß im Gegensatz zur DNA die RNA für die Zellfunktion zu wichtig ist, um sie willkürlich selektiv zu separieren.
Konsequenterweise, in Übereinstimmung mit dem aktuellen evolutionären Wissenstand, sollten wir tatsächlich die allgemeine Lehre neu orientieren und darauf bestehen, daß das korrekte Verständnis der DNA darin besteht, sie als eine spezialisierte Form der RNA zu begreifen. Die DNA entwickelte strukturelle Festigkeit und chemische Inaktivität, um sich dadurch zu einem seriöseren Bibliothekar zu machen, dem die sichere Lagerung von vererbbarer Information anvertraut werden konnte.
So wurde im Zuge der Evolution die DNA als der bessere Bibliothekar ausgewählt (diese bibliothekarische Metapher stammt von Colin Tudge und seinem ausgezeichneten Buch
Why DNA isn’t selfish and people are nice) [Warum die DNA nicht egoistisch ist und Menschen nett sind]; Proteine stellten sich als überlegene Katalysatoren chemischer Reaktionen heraus; aber die RNA scheint eher das Biomolekül gewesen zu sein, um das herum das Leben wirklich entwickelt wurde. Doch die RNA ist genau so wenig eine Kontrolleinheit, wie es die DNA ist.
Genau so wenig ist die DNA der Mittelpunkt der Evolution
Eine gängige Erklärung, weshalb die Biologie um die DNA herum organisiert wird, auch just jene, die von den Autoren des Lehrbuches
Leben gegeben wird, ist die Rolle, die der DNA in der Evolutionstheorie zugeschrieben wird. Aus zwei Gründen ist diese Erklärung jedoch äußerst fragwürdig. Beide sind Beispiele weitverbreiteter Mißverständnisse der Evolutionstheorie. Eines dieser Mißverständnisse übertreibt die Bedeutung von Darwins Theorie, und das zweite weist der DNA wieder einmal einen Verdienst zu, der ihr nicht gebührt.
Das erste Mißverständnis ist die Annahme, die Evolutionstheorie wäre eine Erklärung des Lebens. Das Leben fing jedoch lange vor der Darwin'schen Evolution an und einige ihrer grundlegenden Muster (Zellen, Proteine, Energiestoffwechsel) entstanden, soweit wir das sagen können, lange bevor die DNA das Molekül der Vererbung wurde (Carter, 2016). Diese Unterscheidung ist bedeutend. Beispielsweise ist es in einem Lehrbuch über das
Leben wichtig, den Ursprung des Lebens von dessen Aufrechterhaltung zu unterscheiden, um nicht das was Darwins Therorie erklärt, wenig hilfreich zu übertreiben (im Grunde sogar durcheinander zu bringen); doch indem beides vermengt wird, spiegelt
Leben lediglich die Mißverständnisse der meisten Biologen wieder.
Zum anderen entstanden das prä-Darwin'sche Leben der Zellen und der Stoffwechsel Dank der Tatsache, daß komplexe Systeme emergierende und selbstorganisierende Eigenschaften besitzen (z.B. Kauffman, 1993; Carter, 2016). Der Einzug der DNA in solche Systeme ermöglichte eine Beschleunigung der Darwin'schen Evolution, löschte aber emergierende und selbstorganisierende Eigenschaften nicht aus. Eher kollaborierte die DNA mit ihnen und half, neue zu generieren. Dies bedeutet, solche Eigenschaften sind die wahrscheinlichste Erklärung für große Bereiche der Biologie. Mit "Die Selbstorganisation schlägt vor, was die natürliche Selektion verwirft" haben Batten und Kollegen auf originelle Weise Alternativen zur Standard-Evolutionstheorie zusammengefaßt, die auf äußerst rigide Weise genetisch deterministisch ist (
Batten et al., 2008)[PDF-Link].
Eine klassische emergierende Eigenschaft ist die Faltung von Proteinen. Die DNA kodiert die lineare Abfolge [Sequenz] von Aminosäuren, die dem Bauplan der Proteine entspricht, doch jedes Protein nimmt eine, oder gewöhnlich mehrere, hoch komplexe dreidimensionale Formen an (
Munson et al., 1996)[PDF-Link]. Diese Formen sind zusammen mit Ladung und Löslichkeit weitgehend für die Eigenschaften eines Proteins verantwortlich. Gewohnheitsmäßig, aber nachlässig, wird angenommen, daß die DNA alle notwendigen Informationen liefert, die zur Bildung eines Proteins benötigt werden, doch dies entspricht nicht der Wahrheit. Alle Protein-Formen hängen zusätzlich von der Einbeziehung vieler Informationsquellen ab. Zu diesen Informationsquellen gehören Temperatur, andere zelluläre Moleküle wie Wasser und mineralische Ionen, pH-Wert, Energiemoleküle wie ATP [Adenosintriphosphat], Protein-faltende Säuren, molekulare Chaperone [Begleiter] genannt, und viele andere. Darüber hinaus besitzen viele Proteine Funktionen, wie z.B. als molekulare Kanäle und Pumpen, die nur auf einer höheren Strukturebene in Erscheinung treten, z.B. in der Gegenwart anderer Proteine.
Deshalb bestimmt die DNA Proteine und ihre Funktion nur in einem sehr geringen Umfang. Es ist möglich, alle diese nicht genetischen Faktoren zu mißachten und der DNA alle Eigenschaften eines Proteins oder eines Prozesses (oder eines ganzen Organismus) zuzuschreiben. Die meisten Wissenschaftler tun dies, doch dies zu tun ist eine ultra-deterministische Einstellung. In ihrer Beschreibung, wie das Leben funktioniert, unterschlägt sie emergierende Eigenschaften, wie z.B. Proteinfaltung. Und wieder verleiht sie der DNA Superkräfte, die diese nicht hat.
Emergierende Eigenschaften sind nur ein Beispiel, warum der Zusammenhang zwischen DNA und Evolution sehr viel dürftiger ist, als üblicherweise dargestellt wird. Patrick Bateson von der Cambridge University, der sich nicht mit emergierenden Eigenschaften, sondern mit dem Verhalten von Tieren befaßt, hat die Evolution sehr viel treffender als die meisten erklärt, als er schrieb: "
Ganze Organismen überleben und reproduzieren auf unterschiedliche Weise und die Gewinner nehmen ihre Erbmasse mit. Das ist die Maschine der Darwin'schen Evolution."[PDF-Link]
Nun können wir erklären, warum Charles Darwin seine Evolutionstheorie erfand, ohne von der Existenz der DNA zu wissen, da selbst für die Evolution die DNA nicht "das ultimativ Große" ist, doch für Biologen gehört es zum Stand der Wissenschaft, daß die DNA für die Evolution bedeutender ist, als jeder andere Bestandteil lebender Organismen.
Die genozentrische Biologie [kurz] erklärt
Als sich Dorothy nach Emerald City begab, entdeckte sie, daß der
Wizard of Oz nur ein "gewöhnlicher Mensch" war. Er besaß keine Zauberkräfte und konnte deshalb ihren Freunden nicht helfen. Doch es gab zumindest etwas hinter der Fassade. Das Gleiche trifft für die DNA zu.
Die meisten zellularen Moleküle sind hoch reaktive und kurzlebige chemische Substanzen. Das bedeutet, es ist schwierig sie zu extrahieren und nicht einfach sie zu untersuchen. So verhält es sich mit RNA und Proteinen.
Die DNA hingegen, ist ein sehr viel praktischerer Ansatz in die Biologie einzugreifen. Sie ist beständig und robust und einfach genug, um auf einer reproduzierbaren Basis isoliert und kopiert zu werden. Nach einem Training von einer Stunde, können Schüler an höheren Schulen dies tun. Mit etwas mehr Training, kann DNA verändert und in einigen Spezies sogar ersetzt werden. Deshalb schrillen die Alarmglocken wegen drohendem Garagen-Hacking von DNA.
Dies erklärt in aller Kürze, weshalb unser Wissen über Gen-regulatorische Netzwerke unserem Wissen in anderen Disziplinen der Biologie weit voraus ist. Dies ist so, weil die DNA die niedrig hängende Frucht der Biologie ist.
Wissenschaftlicher Dissens um die DNA
"Der menschliche Körper tauscht die Materie aus welcher er besteht ungefähr alle acht Wochen durch Stoffwechsel, Replikation und Reparatur komplett aus. Dennoch sind wir immer noch wer wir sind - mit allen unseren Erinnerungen, unserer Persönlichkeit... Wenn die Wissenschaft darauf besteht, Partikel zu jagen, wird sie ihnen mitten durch den Organismus folgen und den Organismus völlig verfehlen." Der Biomathematiker Robert Rosen soll dies gesagt haben. Und in der Tat, wenn wir einen vielzelligen Organismus untersuchen, finden wir unter seiner relativ ruhigen Oberfläche zirkulierende Systeme, knetende Mägen, lymphische Drainagesysteme, elektrische Impulse, biomolekulare Maschinen etc.
Diese Systeme versetzen jeden Teil eines Organismus kontinuierlich in Bewegung, Kontraktion, Drehung, Vibration, Teilung und Wachstum. Was lebende Organismen letztendlich definiert, ist ihre Dynamik und ihre belebte Natur. Aus diesem Grunde untersuchen wir nicht seine DNA, wenn wir feststellen wollen, ob ein Organismus im juristische Sinne gestorben ist. Wir messen seinen Herzschlag oder seine Hirnfunktion. Das Lebendigsein erfordert lebende Komponenten wie RNA und Proteine.
Doch indem sie unseren Wissenstand über das Leben weitgehend um die DNA herum organisieren (erinnern wir uns an Mary-Claire Kings "DNA ist Leben"), haben Biologen kurioserweise jenen Zellbestandteil ausgewählt, der wahrscheinlich am allerwenigsten Repräsentant der dynamischen Natur des Lebens ist.
Aus diesem Grunde gibt es Dissidenten in der Biologie. Einige sind prominent, andere nicht. Alle haben gefragt, ob die Biologie nicht viel komplexer und interessanter als das ist, was unser derzeitiger DNA-basierter Tunnelblick zuläßt (z.B. Kaufman, 1993;
Strohman, 1997[PDF-Link]; Rose, 1999; Woese 2004; Annila and Baverstock 2014; Friston et al., 2015).
Diese Dissidenten weisen zum Beispiel gerne auf die generelle Abwesenheit von medizinwissenschaftlichen Durchbrüchen im Anschluß an die Sequenzierung des menschlichen Erbgutes hin und nach der
immer-detaillierteren-Analyse-von-winzigen-Schnipseln-der-menschlichen-DNA (
Ioannidis, 2007;
Dermitzakis and Clark, 2009;
Manolio et al., 2009).
Einige gehen mit ihren Kritiken weiter als andere. Carl Woese, vielleicht der bekannteste Bakteriologe seit Pasteur, argumentierte vor seinen Tod, daß der genetische Determinismus eine Sackgasse ist, seine Vision der Biologie ist "verbraucht" (
Woese, 2004).
Es gibt u.U. kein köstlicheres Beispiel dafür, als das Gebiet der Gewebezüchtung. Gewebebiologen haben wie sie sagen "unglaubliche" Fortschritte gemacht, komplette menschliche Organe in vitro für Transplantations- und andere Zwecke zu züchten, dennoch sind alle diese Organe nicht funktional (
Badylak, 2016). Sie haben keine Gefäße, Immunsysteme oder Nerven-Netzwerke, sie sind nicht mehr als menschliche Zellen auf Ohr- oder Hand-förmigen Gerüsten. Deshalb sind sie, neben vielen anderen Defiziten kurzlebig, da sie keine regenerativen Eigenschaften besitzen.
Vielen Biologen kommt dieses Paradigma-Problem zumindest teilweise verdächtig vor, aber sie handeln selten danach. Die einzige wahrnehmbare offizielle Reaktion auf die offensichtliche Tatsache, daß Organismen hoch komplexe Systeme sind, bestand darin, bescheidene Finanzmittel der 'Systembiologie' zukommen zu lassen.
Dazu muß angemerkt werden, daß selbst diese Systembiologie selten die Erforschung von Systemen zum Inhalt hat. Stattdessen haben Biologen Mittel für die Systembiologie durchweg dafür benutzt, nicht das Wissen über komplexe Systeme voran zu treiben, sondern ihren Reduktionismus weiter auszubauen und zu mechanisieren.
Deshalb hat keine wissenschaftliche Fachrichtung oder Institution die grundlegende Unzulänglichkeit der Sichtweise von Organismen als Ansammlung von Gen-regulatorischen Netzwerken zum Ausdruck gebracht oder Anstrengungen unternommen, ein alternatives Paradigma (oder Paradigmen) zu erarbeiten, um sie zu ersetzen (
Strohman, 1997)[PDF-Link].
Dieses intellektuelle Beinahe-Vakuum wird nichtsdestotrotz beständig von individuellen oft aus Randbereichen stammenden Wissenschaftlern mit vielversprechenden, sogar revolutionären theoretischen Entwicklungen und Studienergebnissen gefüllt, die biologische Phänomene mit über die Genetik hinausgehenden Methoden erklären.
Eine kurze Einführung in alternative Paradigmen des Lebens
Eine Helmhholtz Maschine ist ein sensorisches Gerät, das Prognosen über die Wirklichkeit macht und diese mit der Wirklichkeit vergleicht. Dann schätzt sie die Differenz zwischen den beiden ab. Bayes'sche Statistik ist eine mathematische Methode, das Gleiche zu tun: die Differenz zwischen Erwartung und Realität abzuschätzen.
Eine neue Theorie der Neurobiologie namens Bayes'sche Hirntheorie sagt voraus, daß das Gehirn das biologische Äquivalent davon ist (
rezensiert in Clark, 2013)[PDF-Link]. Gehirne machen Voraussagen, messen die Diskrepanz mit ihren Erwartungen und geben diese Fehleinschätzungen an höhere neurale Schaltkreise weiter. Diese höheren Schaltkreise wiederholen den Vorgang und wenn die Diskrepanz weiter besteht, werden diese an noch "höhere" mentale Ebenen weitergegeben.
Die Bayes'sche Hirnhypothese ist recht neu und voraussagende Neuronen mögen vordergründig unwahrscheinlich erscheinen, doch die Hypothese scheint etliche Aspekte der Hirnstruktur und der Hirnfunktion zu erklären; zum Beispiel, wie das Gehirn völlig verschiedene Stimuli (visuelle, sensorische, orale, aurale, etc.) im wesentlichen mit den gleichen neuralen Mechanismen und Strukturen verarbeiten kann. Es scheint aufzuzeigen, wie das Gehirn Aktion und Wahrnehmung miteinander verknüpfen kann. Die Theorie bietet auch eine substantielle Erklärung des Lernens: Lernen bedeutet, das voraussagende Modell auf den neusten Stand zu bringen. Die Bayes'sche Hirnhypothese könnte sogar erklären, wie Gehirne im Verlauf der Evolution höhere Ebenen des Bewußtseins entwickelt haben: indem weitere voraussagende Schichten hinzugefügt wurden.
Eine besondere Stärke der Bayes'schen Hirnhypothese ist, daß sie der tatsächlichen räumlichen Organisation von Neuronen im Cortex von Primaten entspricht, in der Reihen von "prediktiven" und "sensorischen" Neuronen Signale in entgegengesetzte Richtungen senden, was ihnen ermöglicht, sich gegenseitig auf Null zu stellen (mit Ausnahme der Diskrepanzen).
Das Struktur-basierte prediktive Lernsystem, das von der Bayes'schen Hirnhypothese entworfen wird, ist hier von Interesse, da es detaillierte genetische Erklärungen vieler Phänomene, wozu wohl jegliches Bewußtsein gehört, beiseite schiebt (
Friston, 2010)[PDF-Link]. Gene und Proteine mögen Details erklären, doch viele Hauptelemente der Hirnfunktion: Lernen, Agieren und Wahrnehmung, leiten sich in erster Linie nur von Strukturen ab. Im Wesentlichen mit der Proteinfaltung vergleichbar, sind sie emergierende Eigenschaften der Organisation.
Emergierende Eigenschaften sind in anderen Bereichen der Biologie genau so bedeutsam. Ein Beispiel ist das Gefäßsystem der Pflanzen. Bäume können Wasser aus nicht gesättigten Quellen in Höhen weit über 100 Meter transportieren. Dies nennt man Transpiration[ssog], wozu keine Energie benötigt wird. Vielmehr nutzt dieser Vorgang die rein physikalischen Eigenschaften des hydrophilen Xylem-Gewebes (Leitgewebe) und die Eigenschaften des Wassers selbst. Ohne Transpiration, die sogar im Boden wenn auch nur sehr schwach funktioniert, können Pflanzen nur ein paar Zentimeter Höhe erreichen und auch keine trockenen Bedingungen tolerieren (
Wheeler and Stroock, 2008). So gehört (abgesehen von der Fotosynthese) deren pfiffige Ausnutzung einer einfachen physikalischen Eigenschaft von Wasser zu den bestimmenden Charakteristiken von Pflanzen.
Ein weiteres Beispiel sind die Bögen des menschlichen Fußes. Es handelt sich um Längs- und Quermembranen aus Knochen und Bindegewebe, deren emergierende Eigenschaft sowohl darin besteht, die Kräfte beim Aufprall zu verteilen, als auch als Feder zu wirken, um die Energie des Aufpralls in eine Vorwärtsbewegung umzuwandeln. Bögen reduzieren die Energie, die zum Gehen oder schnell Laufen erforderlich ist.
Eine neue Entwicklung im Fach der Biochemie ist die prognostizierte Existenz von Metabolonen. Metabolone sind dreidimensionale räumliche Anordnungen von Enzymen. Metabolone erklären, wie das Produkt eines scheinbar unbedeutenden Stoffwechselvorganges trotzdem 30% des Gewichtes eines Sämlings ausmachen und somit Schädlinge vertreiben kann (
Laursen et al., 2017)[PDF-Link].
Eine gängigere Klasse von selbstorganisierenden Eigenschaften in der Biologie sind homöostatische [selbststabilisierende] Feedback-Schleifen. Auch sie sind weitgehend von Genfunktionen unabhängige Phänomene, die für die Erklärung von Aktivitäten und Eigenschaften lebendiger Organismen von größter Bedeutung sind. Die drei zuvor erwähnten Proteine, die einen bakteriellen zirkadischen Rhythmus nachbilden können, sind ein Beispiel dafür (Nakajima et al., 2005).
Auf eine elementarere und universellere Ebene des Lebens beziehen sich nicht kontroverse Theorien über Zellen und Stoffwechsel, von denen viele das Leben an das Wirken fundamentaler physikalischer Kräfte knüpfen. Der Vater aller dieser Theorien war wohl
Nicolas Rashevsky, der 1972 starb. Die Schüler Robert Rosen und AH Louie überlebten ihn. Desweiteren der Physiker Erwin Schrödinger, Autor von "
What is life?" [Was ist Leben?]; Stuart Kauffman, Autor von "
The Origins of Order" (1993) [Die Ursprünge der Ordnung]; Steven Rose "
Lifelines: Biology beyond determinism" (1997) [Lebensverläufe: Biologie jenseits von Determinismus]; Enrico Coen "
The Art of Genes" (1999) [Die Kunstfertigkeit der Gene]; Denis Noble, "
The Music of Life" (2003) [Die Musik des Lebens] und Dance to the Tune of Life: Biological Relativity (2017) [Tanz zur Melodie des Lebens: Biologische Relativität]; sowie Annila und Baverstock, nach deren Ansicht das Leben zwangsläufig Resultat des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik ist (
Annila and Baverstock, 2014; siehe auch
Friston et al., 2015). Diese und andere nicht erwähnte Denker haben sehr viel potentielles Rohmaterial für eine wissenschaftliche Revolution zusammen getragen. Eine, welche das Konstrukt von Gen-regulatorischen Netzwerken weit hinter sich läßt.
Das Beste, zu dem alle diese Theorien gelangen könnten, um den genetischen Determinismus als Konzept des Lebens definitiv als ungültig zu erklären, wäre jedoch eine Theorie von Ursprung des Lebens, die den Stoffwechsel in den Mittelpunkt stellt.
Die Leser mögen mit dem Konzept der RNA-Welt vertraut sein, von welcher man annimmt, daß sie der vermeintlich "modernen DNA-Welt" voraus ging. Doch überzeugender als die RNA-Welt, für die es nur wenige Belege gibt, ist eine neue Theorie. Die Peptid-RNA Welt.
Das Hauptargument für die Peptid-RNA Ursprungsthese (Carter, 2016) ist, daß das Enzym (namens Aminoacyl-tRNA-Synthetase) welches mittlerweile die RNA an Proteine koppelt - und somit die RNA-Welt mit der Protein-Welt verbindet - in zwei Grundformen (in allen Organismen) vorkommt. Der evolutionäre Ursprung dieser zwei Formen (Klasse I und Klasse II Enzyme) ist jedoch merkwürdig unvereinbar. Klasse I und II Moleküle führen fast identische Aufgaben aus (jedoch mit verschiedenen Aminosäuren) und haben dennoch strukturell nichts gemeinsam. Außer das eine. Ihre am besten bewahrte Aminosäure, jene in ihrem aktiven katalytischen Zentrum, kann von entgegengesetzten Strängen des selben kleinen RNA-Moleküls abgeleitet werden (Carter 2016). Anders gesagt, die zwei Proteine, die es der RNA erlauben, alle modernen Proteine herzustellen, werden von den entgegengesetzten Strängen eines einzigen sehr primitiven kleinen RNA-Moleküls abgeleitet, das beide kodiert hat.
Die Schlußfolgerung aus dieser wichtigen Beobachtung stellt einen engen Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und Replikation in einem sehr frühen Stadium der Entstehung des Lebens her. Die RNA baute primitive Proteine zusammen, deren Zweck die Katalyse war, hauptsächlich, um den Stoffwechsel zu steuern und zu vervollkommnen. Was die Peptid-RNA Ursprungsthese also macht ist, die RNA-Welt - die eine `die Replikation war zuerst da` Theorie ist - durch eine `der Stoffwechsel war zuerst da` Theorie zu ersetzen, in welcher die RNA einen Stoffwechsel verbesserte, der bereits vor ihr existierte.
DNA und Politik
"Die Humanbiologie ist tatsächlich sehr viel komplizierter, als wir sie uns vorstellen. Alle Leute sprechen über die Gene, die sie von ihrer Mutter und ihrem Vater für diese oder jene Eigenart bekommen haben. Doch in Wirklichkeit haben diese Gene sehr geringen Einfluß auf den Lebenserfolg. Unsere Biologie ist dafür viel zu kompliziert, hundert Tausende von Faktoren spielen eine Rolle. Gene sind absolut nicht unser Schicksal. Sie können uns nützliche Informationen über ein erhöhtes Risiko einer Erkrankung liefern, doch in den meisten Fällen werden sie nicht die tatsächliche Ursache der Krankheit oder die tatsächliche Erkankung von jemand bestimmen. Das meiste in der Biologie hat etwas mit dem komplexen Zusammenspiel all der Proteine und Zellen zu tun, die mit Umweltfaktoren arbeiten und nicht direkt vom genetischen Code gesteuert werden." (
Anand et al., 2008)
Dieses gesprochene (aber nicht geschriebene) Zitat von Craig Venter, dem legendären Erbgut-Sequenzierer, legt nahe, daß sogar viele Genetiker insgeheim einen deutlichen Bedarf an alternativen Paradigmen sehen.
Zugleich wirft Venters Zitat eine grundlegende Frage auf:
Wie kommt es, wenn Organismen die Hauptobjekte der biologischen Forschung sind, und wenn die Standard-Erklärung von deren Ursprung und Funktionieren wissenschaftlich derart schwach ist, daß sie der DNA imaginäre Superkräfte von "Expression" und "Kontrolle" verleihen muß, um die Risse zu verkleistern, daß Wissenschaftler trotzdem an ihr festhalten?
Weshalb ist es so, daß man stattdessen nicht Rashevsky, Kauffman, Noble, et al. als Pioniere notwendiger und potentiell nutzbringender und vereinender Paradigmen feiert und in sie investiert, wurden diese Forscher von der Mainstream-Biologie ignoriert?
Worin besteht die große Anziehungskraft des genetischen Determinismus?
Es gibt eine überzeugende und nicht intuitive Erklärung für die Monomanie der Biologie. Sie wird in einem zweiten noch folgenden Artikel dargelegt:
Die Bedeutung des Lebens. Es ist eine Erklärung, für die man die Augenwischerei der Wissenschaft durchblicken und ihre aktive und symbiotische Beziehung zur Macht in modernen politischen Systemen analysieren muß.
Referenzen:
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Der Original-Artikel
Genetics Is Giving Way to a New Science of Life wurde vom Autor unter der Creative Commons Lizenz
CC: BY-NC-ND (Namensnennung, keine kommerzielle Verwendung, keine abgewandelten Werke) veröffentlicht. Abweichend davon hat er mir eine Übersetzung gestattet, wofür ich mich recht herzlich bedanke. Das Recht an dieser Übersetzung verbleibt beim Autor.
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Erstellt: 16. Februar 2017 19:59
Geändert: 14. Oktober 2020 21:06
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Gehört Roboterbienen die Zukunft?
11. Februar 2017 19:20
Autor: Dave Goulson, 07.02.2017, University of Sussex
Übersetzung: BrunO
In den vergangenen Jahren sind zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht worden, in denen die Möglichkeit diskutiert wird, kleine Flugroboter als Ersatz für Bienen zu entwickeln, um Nutzpflanzen zu bestäuben. Plumpe Prototypen wurden erprobt und haben offenbar im Prinzip funktioniert. Wenn Pflanzen auf diese Weise bestäubt werden könnten, bräuchten sich Bauern keine Sorgen zu machen, daß sie mit ihren Insektiziden Bienen schädigen. Sind diese kleinen Roboter eventuell eine Lösung, wenn wildlebende Bienenpopulationen aussterben?
Zwar verstehe ich die intellektuelle Herausforderung, kleine Roboterbienen zu bauen, doch nach meiner Ansicht ist es reichlich unwahrscheinlich, daß wir jemals so etwas billiges oder wirkungsvolles wie die Bienen selbst herstellen könnten. Bienen haben seit über 120 Millionen Jahre existiert und Blüten bestäubt; sie haben sich dabei zu höchster Perfektion entwickelt. Es zeugt von bemerkenswerter Überheblichkeit zu denken, wir könnten dies noch besser machen. Denken wir nur an die Dimensionen; es gibt weltweit ungefähr 80 Millionen Bienenstöcke, in jedem befinden sich von Frühjahr bis Sommer vielleicht 40 Tausend Bienen. Das sind 3,2 Billionen Bienen. Sie ernähren und vermehren sich, ohne daß dies etwas kostet und geben uns Honig als Bonus. Wieviel würde es kosten, sie durch Roboter zu ersetzen? Selbst wenn diese Roboter inklusive Stromversorgung und Steuerung zu einem Stückpreis von einem Penny [ca. 1,7 Cent] hergestellt werden könnten (was absurd optimistisch erscheint), würde es 32 Milliarden britische Pfund [ca. 37.6 Milliarden Euro] kosten, sie herzustellen. Und wie lange würden sie halten? Einige würden nicht funktionieren, einige würde der Regen außer Betrieb setzen und einige würden durch Wind oder Spinnengewebe beschädigt. Wenn wir sehr optimistisch eine Lebensdauer von einem Jahr annehmen, bedeutet dies, jedes Jahr 32 Milliarden Pfund auszugeben (und die Umwelt kontinuierlich mit Billionen kleiner Roboter zu belasten, es sei denn sie könnten biologisch abbaubar gemacht werden). Und wie sähen die Umweltkosten ihrer Herstellung aus? Welche Ressourcen wären nötig und welche CO2-Bilanz würden sie haben? Mit echten Bienen haben wir diese Probleme nicht; sie vervielfältigen sich von selber, sie versorgen sich selbst mit Energie und sie sind im Wesentlichen CO2-neutral.
Einen weiteren wichtigen Aspekt habe ich im Vorausgegangenen unter den Tisch fallen lassen. Die Bestäubung wird nicht einzig von Honigbienen vollbracht. Zahlreiche andere Insekten bestäuben Nutz- und Wildpflanzen. Dazu gehören Schmetterlinge, Käfer, Motten, Fliegen, Wespen und viele andere. Diese gibt es in allen möglichen verschiedenen Formen und Größen, an unterschiedlichste Blüten angepaßt. Gemittelt auf verschiedene Pflanzen, tragen Honigbienen bestenfalls ein Drittel zur Pollination von Nutzpflanzen bei. So müßten wir nicht nur 3,2 Billionen Honigbienen ersetzen. Wir müßten ebenfalls unzählige Billionen anderer Insekten ersetzen. Alle Kreaturen müßten ersetzt werden, welche bisher den Service der Pollination kostenlos bereitgestellt haben.
Das Verschwinden der Bienen ist Symptom eines größeren Problemes. Es sind nicht nur Bienen die aussterben; nahezu die gesamte Tierwelt ist aufgrund des massiven Verlustes an Lebensraum und weltweiter Umweltverschmutzung vom Artensterben betroffen. Selbst wenn wir davon ausgehen, daß wir Roboterbienen derart günstig herstellen könnten, daß sie Sinn machen würden - sollten wir dies dann tun? Wenn Landwirte nicht länger wegen der Schädigung von Bienen Rücksicht nehmen müßten, könnten sie vielleicht noch mehr Pestizide sprühen. Aber es gibt viele andere nützliche Lebewesen, die auf bewirtschaftetem Land leben und die zu Schaden kämen; Marienkäfer, Schwebefliegen und Wespen, die Schädlinge angreifen, Würmer, Mistkäfer und Tausendfüßler, die mithelfen, Nährstoffe wiederzuverwenden und den Boden gesund zu halten und etliche andere. Werden wir auch Roboterwürmer und Robotenmarienkäfer herstellen? In was für einer Welt würden wir uns mit ihnen wiederfinden?
Müssen wir immer nur nach technischen Lösungen für Probleme suchen, die wir selber verursachen, wenn es einfache, natürliche Lösungen direkt vor unseren Augen gibt? Wir haben bereits wunderbar effiziente Pollinatoren. Sorgen wir uns um diese, anstatt dafür zu planen, wenn es sie nicht mehr gibt.
Quelle der englischen Originalfassung:
http://www.sussex.ac.uk/lifesci/goulsonlab/blog/robotic-bees
Für diese Übersetzung gilt das Lizenzmodell dieses Blogs ausdrücklich nicht. Alle Rechte verbleiben beim Autor. Ich danke für die Genehmigung einer Übersetzung.
Dave Goulson ist an der Universität von Sussex Professor für Biologie (Evolution, Behaviour and Environment) und Director of Research and Knowledge Exchange (School of Life Sciences). Eine Liste seiner zahlreichen Veröffentlichungen finden Sie
Goulson Lab. Darunter sehr populäre Bücher, die es zum Teil auch in
deutscher Übersetzung gibt. Er besitzt in Frankreich ein ehemaliges landwirtschaftliches Anwesen, auf dem er Insekten und Getier aller Art ein Refugium bietet. Wer ihm auf Twitter (
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Erstellt: 11. Februar 2017 19:20
Geändert: 14. Oktober 2020 21:06
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Merkblatt zu endokrin disruptiven Chemikalien der Endocrine Society
11. Dezember 2016 16:16
© 2016 Copyright Endocrine SocietyDie
Endocrine Society, welche 2016 ihr 100-jähriges Jubiläum feiern konnte, hat im August dieses Jahres auf ihrem Portal
Hormone Health Network ein nützliches
Merkblatt zu EDCs (endokrin disruptive Chemikalien)
1) veröffentlicht. Die Endocrine Society ist die größte weltweite Vereinigung von Ärzten, Wissenschaftlern und Lehrkräften, die auf dem Gebiet der Endokrinologie tätig sind. Dankenswerterweise wurde mir gestattet, dieses Merkblatt in's Deutsche zu übersetzen und hier zum Download anzubieten.
Download-Link: HHN_EDCs_deutsch_12-2016.pdf
© 2016 Copyright Endocrine Society. All rights reserved.
Für diese Datei gilt das Lizenzmodell dieses Blogs ausdrücklich nicht! Alle Rechte an Text und Graphik inklusive meiner Übersetzung verbleiben bei der Endocrine Society.
Im Folgenden ein paar weitere Ausführungen zu hormonell wirksamen Substanzen:
Warum EDCs ein Thema sein sollten?
Die Endokrinologie erschien mir früher als ein Spezialgebiet, das ich kaum beachtete. Ich hatte zwar schon sehr früh von Umweltproblemen wie der Feminisierung von männlichen Fischen gehört, doch daß hormonell wirksame Substanzen ein großes Problem darstellen und die Endokrinologie somit eine wichtige Wissenschaft ist, war mir nicht bewußt. Das änderte sich, als ich von einer Studie von Tyrone Hayes
2) erfuhr. Er untersuchte die Wirkung des bei uns in Deutschland seit 1991 verbotenen Herbizids Atrazin auf Krallenfrösche, von denen nicht nur 90% feminisiert wurden, sondern von denen sich 10% trotz männlicher Chromosomen zu Weibchen entwickelten, die jedoch nur männliche Nachkommen hatten. Da ich dazu für CSN-Deutschland einen meiner wenigen eigenen Artikel schrieb
3), befaßte ich mich mit dieser Studie etwas ausführlicher.
Was ist das Besondere an EDCs?
Am Auffälligsten, aber vielleicht auch am noch umstrittendsten ist, daß sie nicht dem Paradigma des Paracelsus folgen, nach welchem die Dosis das Gift macht. Die Toxikologie ist keine brauchbare Wissenschaft, um die Gefährdung durch EDCs zu beschreiben. Etwas versöhnlicher kann man es so ausdrücken: Die Toxikologie beschreibt, welche Dosis von einer Substanz nötig ist, um bei einer einmaligen Exposition einen unmittelbaren Schaden anzurichten. Sie macht aber keine Aussagen über die Wirkung von Langzeitexpositionen durch niedrige bis niedrigste Dosen. EDCs besitzen dieses Schädigungspotential bei Dosen von wenigen ppb und darunter. Das sind Dosen im µGramm und Nanogramm Bereich. Hormonrezeptoren reagieren auf solche winzigen Mengen eher, als auf hohe Konzentrationen. Deshalb wird von einem nichtmonotonem Dosis-Wirkungs-Zusammenhang gesprochen.
4) 5) 6)
Was haben nach meiner Meinung alle EDCs gemeinsam?
Es sind Stoffe, die nicht in unserer Umwelt waren, als wir uns stammesgeschichtlich entwickelt haben. Die meisten EDCs sind petrochemische Stoffe, also aus Erdöl hergestellt, das damals im Erdboden verborgen war. Aber auch Schwermetalle schaden unserer Gesundheit. Auch sie waren nicht in diesen Konzentrationen wie heute in unserer ursprünglichen Umwelt. Selbst das allgegenwärtige Aluminium lag nicht in Reinform vor. Unser Immunsystem kennt all diese Stoffe nicht und deshalb wundert es nicht, daß manche an Hormonrezeptoren andocken können, obwohl sie keine Hormone sind. Wenn wir ein paar Tausend bis Millionen Jahre warten wollen, können wir vielleicht auf eine Anpassung hoffen. Leider ist die Evolution wesentlich langsamer als die Entwicklung unsere Technologie und wir bringen ständig neue Substanzen in die Umwelt. Geschätzt werden zwischen 80 und 140 tausend künstliche, nicht mehr rückholbare Substanzen. Diese Expositionslast spiegelt sich in der Zunahme zivilisationsbedingter Erkrankungen wieder.
Ob wir schon wirklich von ca. 1000 hormonaktiven Stoffen wissen, wie es im Merkblatt heißt, kann ich nicht beurteilen. Ich tippe eher auf weniger. Ich kann mir aber vorstellen, daß die gesamte Petrochemie in unterschiedlichem Grade hormonaktiv sein könnte. Auch deshalb und nicht nur wegen dem außer Kontrolle geratenem Klima, hätten wir das Erdöl lieber in der Erde lassen sollen. Nebenbei bemerkt hat es uns, solange es nahezu unbegrenzt zur Verfügung stand, zu energietechnisch ineffizienter und dummer Technologie verleitet. Überall kam ein Motor dran, der einfach nur stark genug sein mußte. Effiziente Energieverwendung kam erst später, als es Umweltprobleme gab. Wir sind meistens nur Ausbeuter, selten wird von Anfang an vernünftig gehaushaltet. Der von mir geschätzte David Benfell meint sogar, wir haben den Test zum Überleben auf diesem Planeten nicht geschafft.
7)
© 2016 Copyright Endocrine Society Gesundheitskosten durch EDCs
Die gesundheitlichen Folgen hormonaktiver Substanzen bedeuten nicht nur individuelles Leid. Für Europa gibt es Schätzungen der durch sie verursachten Gesundheitskosten.
Laut eines Berichtes der Health and Environment Alliance (HEAL) von 2014, könnten in Deutschland ca. 5 Milliarden und in der EU bis zu 31 Milliarden Euro Ausgaben im Gesundheitssystem vermieden werden, wenn die Belastung mit endokrinen Disruptoren reduziert würde.
8)
Der Guardian berichtete 2015, von einer Studie der Endocrine Society, nach der in Europa jährlich über 150 Milliarden an EDC-bedingten Gesundheitskosten anfallen.
9)
2016 veröffentlichte die Endocrine Society in ihrem "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism" eine Studie, welche ökonomische Verluste und Gesundheitskosten durch EDCs in der EU, allein für Reproduktionsstörungen bei Frauen, auf 1,5 Milliarden Euro schätzt.
10)
Natürlich sind diese Schätzungen nicht für bare Münze zu nehmen. Jeder möge sie selber prüfen und sich am Ende fragen, welchen Unterschied etwas günstiger ausgefallene Schätzungen in der Sache machen. Wollen wir einem Kind, das nie die Chance hatte, gesund geboren zu werden sagen, das ist eben der Preis für unseren technischen Fortschritt?
Lobbyismus und EDCs
Da es für die Hersteller hormonaktiver Substanzen um viel Geld geht, ist es verständlich, daß sie Anstrengungen unternehmen, eine Regulierung von EDCs oder gar das Verbot bestimmter Stoffe zu verhindern. So ist die EU-Kommission Dank ihres Einflusses nach wie vor der Ansicht, EDCs könnten wie andere Chemikalien rein toxikologisch bewertet werden
11) dabei versäumt sie es seit 2009, sich überhaupt zu einer Definition von EDCs durchzuringen und beharrt trotz eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs
12) darauf, auch die wirtschaftlichen Verluste durch eine Regulierung von EDCs in deren Beurteilung eingehen zu lassen.
13) Damit wird die Gesundheit von Menschen unverblümt mit wirtschaftlichen Gewinnen verrechnet und am Ende zählt nur die höhere Rendite.
Anfang 2015 berichtete der Guardian
14) über das Zurückhalten eines wissenschaftlichen Berichts zur Identifizierung und Klassifizierung von EDCs, der das Verbot von 31 Agrochemikalien zu Folge gehabt haben könnte. Die Verluste für Hersteller wären in die Milliarden gegangen.
Wie die Lobby in der EU arbeitet, kann man sich im Dokumentarfilm "Endocrination" von 2014 auf unterhaltsame aber eventuell wenig erheiternde Weise ansehen.
15)
Ein recht absurdes Beispiel der rein toxikologischen Bewertung von EDCs lieferte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Anfang 2016. In einer kleinen Studie
16) wurde das Herbizid Glyphosat trotz Reinheitsgebot in verschiedenen Biersorten festgestellt. Die Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 µGramm pro Liter. Die Höchstwerte lagen damit fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser. Das BfR ist der Ansicht, Glyphosat im Bier sei absolut harmlos, denn man müsse bei einem Körpergewicht von 60 Kilogramm an einem Tag rund 1000 Liter Bier mit einer Konzentration von 30 µGramm Glyphosat pro Liter trinken, um eine schädigende Wirkung zu erzielen.
17) Nach ähnlichem Muster funktionieren Tierstudien der Industrie. Es wird stets mit absurd hohen Dosen getestet und danach das Risiko für den Menschen analog zu dessen tatsächlicher Exposition herunter gerechnet. Für Bisphenol A, das mittlerweile als Material zur Herstellung von Babyfläschchen verboten wurde
18), hat man in solchen Tests lediglich eine Gewichtsabnahme festgestellt. Dürfte am schlechten Nährwert von BPA liegen.
19)
Ergänzung zum Merkblatt
Ich möchte ein paar weitere Beispiele für das Vorkommen von EDCs anführen: Konservendosen, Kassenbons aus Thermopapier, Möbel, insbesondere Polsterungen, Teppichböden, Hausstaub und PVC-Produkte. Bei Kinderspielzeug aus lackiertem Holz wäre ich auch vorsichtig.
Die Epoxid-Innenbeschichtung von Konservendosen gibt BPA an den Inhalt ab.
20) Besonders fatal dürfte das sein, sofern die Dosen während der Produktion zusammen mit dem Inhalt erhitzt werden, oder falls der Verbraucher dies tut.
BPA kann recht leicht über die Haut resorbiert werden. Das sollte bei Kassenbons aus BPA-haltigem Thermopapier beachtet werden.
21) Siehe auch Nachtrag zu Papierprodukten*
Möbelpolsterungen können u.U. der Grund für Unfruchtbarkeit sein.
22)
Synthetische Teppichauslegware aber auch imprägnierte Naturteppiche können perfluorierte Chemikalien (PFCs) freisetzen.
23) Darüber hinaus akkumulieren Schadstoffe in Hausstaub
24), der sich in Teppichböden ablagern und anhäufen kann.
PVC ist bereits bei der Herstellung ein großes Problem
25), gibt aber auch Schadstoffe wie Weichmacher (z.B. Phthalate) ab.
26)
Wollen Sie etwas tun und auf eine machbare Weise radikal konsequent sein?
2010 übersetzte ich für CSN-Deutschland ein Interview mit Frederick vom Saal
27), der zu Bisphenol A forscht. Ich halte dieses Interview immer noch für eine gute Einführung in EDCs, selbst wenn es nur um einen einzigen Stoff geht. Dieser gehört immerhin zu den Chemikalien, die weltweit in den größten Mengen hergestellt werden. Vom Saal weiß sehr viel über BPA zu berichten, doch etwas anderes ist mindestens genau so interessant. - Er beschäftigte sich nur mit diesem einen Stoff, dennoch verbannte er aus reiner Vorsicht sämtliche Kunststoffe aus seiner Küche und ersetzte sie durch Stahl, Glas, Holz, etc. Das tue ich heute auch, was anfänglich mit Kosten verbunden war. Ich brauchte jedoch ca. 4 Jahre und mußte noch sehr viele weitere Artikel über EDCs lesen, bevor ich ihn verstand und die gleiche Konsequenz zog. Es ist Ihre Wahl, vermeidbare Expositionen tatsächlich zu vermeiden. "Alles ist giftig, es hat eh keinen Zweck!" ist fatalistisch und hilft nicht weiter.
*02.02.2017
Papierprodukte, wie etwa Lebensmittelverpackungen, können mit EDCs belastet sein und diese an den Inhalt abgeben, insbesondere, wenn es sich um Recyclingpapier handelt. In Recyclingpapier konzentrieren sich BPA
28) und Rückstände von Druckfarben
29). Durch das neue Bedrucken kommen Lösungsmittel und noch mehr Druckfarbe hinzu.
30)
Referenzen:
1) Original-Version des Merkblatts: hhn_aug_infographic_edcs.pdf
2) Atrazine induces complete feminization and chemical castration in male African clawed frogs (Xenopus laevis)
http://www.pnas.org/content/107/10/4612.abstract
PDF-Link: https://web.archive.org/web/20210626192618/https://www.pnas.org/content/pnas/107/10/4612.full.pdf
3) Die Störung des Hormonhaushaltes durch Chemikalien
http://www.csn-deutschland.de/blog/2010/03/05/die-storung-des-hormonhaushaltes-durch-chemikalien/
4) Hormones and Endocrine-Disrupting Chemicals: Low-Dose Effects and Nonmonotonic Dose Responses
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3365860/
5) Unsafe at any Dose? Diagnosing Chemical Safety Failures, from DDT to BPA
https://www.independentsciencenews.org/health/unsafe-at-any-dose-diagnosing-chemical-safety-failures-from-ddt-to-bpa/
6) Low doses, big effects: Scientists seek 'fundamental changes' in testing, regulation of hormone-like chemicals
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2012/low-doses-big-effects
https://web.archive.org/web/20170202191712/http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2012/low-doses-big-effects
Deutsch: Chemikalien: Selbst niedrige Konzentrationen können sehr gesundheitsschädlich sein
http://www.csn-deutschland.de/blog/2012/03/23/chemikalien-selbst-niedrige-konzentrationen-konnen-sehr-gesundheitsschadlich-sein/ Sorry for masculinizing Theo Colborn!
7) We have failed the test
https://disunitedstates.org/?p=9145
8) Health costs in the EU - How much is related to EDCs? - Health and Environment Alliance
http://www.env-health.org/news/latest-news/article/health-costs-in-the-eu-how-much-is
https://web.archive.org/web/20170922154506/http://www.env-health.org/news/latest-news/article/health-costs-in-the-eu-how-much-is
Reduktion der Belastung mit hormonell wirksamen Chemikalien in der EU könnte Einsparung von bis zu 31 Mrd. EUR an Gesundheitskosten bringen
PDF-Link: http://www.env-health.org/IMG/pdf/140618_german_press_release_final-2.pdf
9) Health costs of hormone disrupting chemicals over €150bn a year in Europe, says study | Environment | The Guardian
http://www.theguardian.com/environment/2015/mar/06/health-costs-hormone-disrupting-chemicals-150bn-a-year-europe-says-study
10) Female Reproductive Disorders, Diseases, and Costs of Exposure to Endocrine Disrupting Chemicals in the European Union: The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism: Vol 101, No 4
http://press.endocrine.org/doi/10.1210/jc.2015-2873
https://doi.org/10.1210/jc.2015-2873
11) Endocrine disruptors: The manufacture of a lie.
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2016/dec/endocrine-disruptors-the-manufacture-of-a-lie
https://web.archive.org/web/20161227002454/http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2016/dec/endocrine-disruptors-the-manufacture-of-a-lie
12) Endocrine disruptors: European Commission 'breached law' - BBC News
http://www.bbc.com/news/world-europe-35111241
13) Endocrine disruptors: The secret history of a scandal — Environmental Health News
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2016/june/endocrine-disrupters-the-secret-history-of-a-scandal
https://web.archive.org/web/20160629075113/http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/2016/june/endocrine-disrupters-the-secret-history-of-a-scandal
14) 'Suppressed' EU report could have banned harmful pesticides worth billions | Environment | The Guardian
http://www.theguardian.com/environment/2015/feb/02/suppressed-eu-report-could-have-banned-pesticides-worth-billions
15) Endocrination - Documentary by Stéphane Horel (France, 2014
https://youtu.be/6ks5OSVDl00
16) Test: Glyphosatrückstände in deutschem Bier
http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/glyphosat/test-glyphosat-rueckstaende-in-deutschem-bier.html
https://web.archive.org/web/20170428000733/http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/glyphosat/test-glyphosat-rueckstaende-in-deutschem-bier.html#logo
17) Vorläufige Einschätzung zu Gehalten von Glyphosat in Bier
http://www.bfr.bund.de/cm/343/vorlaeufige-einschaetzung-zu-gehalten-von-glyphosat-in-bier.pdf
PDF-Link: https://web.archive.org/web/20160327040756/http://www.bfr.bund.de/cm/343/vorlaeufige-einschaetzung-zu-gehalten-von-glyphosat-in-bier.pdf
18) Neue Grenzwerte für Massenchemikalie Bisphenol A
https://www.umweltbundesamt.de/themen/neue-grenzwerte-fuer-massenchemikalie-bisphenol-a
19) Bisphenol A General Toxicity, eine Seite des American Chemistry Council (ACC)
http://www.bisphenol-a.org/human/herGeneralToxicity.html
https://web.archive.org/web/20150223085029/http://www.bisphenol-a.org/human/herGeneralToxicity.html
ACC Mitglieder:
https://www.americanchemistry.com/Membership/MemberCompanies/
https://web.archive.org/web/20160121070048/https://www.americanchemistry.com/Membership/MemberCompanies/
Bitte suchen Sie auch nach Netzwerken in den obigen Referenzen. Sie werden viele nützliche Informationsquellen zu EDCs finden.
20) Wer Dosensuppe löffelt, isst die Chemikalie BPA mit
http://www.csn-deutschland.de/blog/2011/11/29/wer-dosensuppe-loffelt-isst-die-chemikalie-bpa-mit/
Canned Soup Consumption and Urinary Bisphenol A: A Randomized Crossover Trial
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3367259/
21)Recipe for high BPA exposure: Canned vegetables, cigarettes and a cashier job
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/bpa-and-pregnant-women
https://web.archive.org/web/20160228152145/http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/bpa-and-pregnant-women
Deutsch: Die Quittung für BPA
http://www.csn-deutschland.de/blog/2010/10/11/die-quittung-fur-bpa/
22) Scientists link flame retardants and reduced human fertility
http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/flame-retardants-and-human-fertility
https://web.archive.org/web/20160324182428/http://www.environmentalhealthnews.org/ehs/news/flame-retardants-and-human-fertility
23) Worst Endocrine Disruptors Revealed, and They Could Be Raising Your Family’s Cancer Risk
http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2013/11/13/worst-endocrine-disruptors.aspx
https://www.lewrockwell.com/2013/11/joseph-mercola/the-12-worst-hormone-disrupting-chemicals/
Dirty Dozen Endocrine Disruptors
http://www.ewg.org/research/dirty-dozen-list-endocrine-disruptors
https://web.archive.org/web/20160817151750/http://www.ewg.org/research/dirty-dozen-list-endocrine-disruptors
24) Consumer Product Chemicals in Indoor Dust: A Quantitative
http://pubs.acs.org/doi/full/10.1021/acs.est.6b02023
Deutscher Artikel zur Studie: Gesundheit: Hausstaub enthält oft viele giftige Schadstoffe
http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/gesundheit-hausstaub-enthaelt-oft-viele-giftige-schadstoffe-20160915202304
25) Mossville, Rücksichtslosigkeit oder Menschenversuch?
http://www.csn-deutschland.de/blog/2010/05/03/mossville-rucksichtslosigkeit-oder-menschenversuch/
26) ÖKO-TEST: Bodenbeläge, PVC
http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=101174&bernr=01&seite=01
27) A Warning by Key Researcher On Risks of BPA in Our Lives by Elizabeth Kolbert: Yale Environment 360
http://e360.yale.edu/feature/a_warning_by_key_researcher_on_risks_of_bpa_in_our_lives/2344/
Deutsch: CSN Blog » Warnung eines bedeutenden Forschers – Über die Risiken, mit denen BPA unser Leben bedroht
http://www.csn-deutschland.de/blog/2010/12/07/warnung-eines-bedeutenden-forschers-uber-die-risiken-mit-denen-bpa-unser-leben-bedroht/
28) Widespread Occurrence of Bisphenol A in Paper and Paper Products: Implications for Human Exposure
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es202507f
29) Mineralöl im Essen
https://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/mineraloel-im-essen.html
https://web.archive.org/web/20171027132047/https://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/mineraloel-im-essen.html
30) Estrogenic Activity of Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons Used in Printing Inks
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0147239
Weitere Ressourcen finden Sie in meiner Linksammlung:
Bisphenol A http://partsperhuman.info/bpa_links.html
EDCs allgemein http://partsperhuman.info/edc_links.html
Meta: BfR,
BPA,
Bundesinstitut für Risikobewertung,
EDCs,
Endocrine Society,
endokrin disruptive Chemikalien,
Flammschutzmittel,
Glyphosat,
Grenzwerte,
Hormonsystem,
nichtmonotoner Dosis-Wirkungs-Zusammenhang,
Paracelsus Paradigma,
Pestizide,
Phthalate,
Plastik,
Toxikologie
Erstellt: 11. Dezember 2016 16:16
Geändert: 5. Februar 2023 10:34
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